Jahrstedt l In der Regel ist es Daniel Jahn, der in Jahrstedt bei Beerdigungen das Läuten übernimmt. Aus beruflichen Gründen hat er dafür aber nicht immer Zeit. Den Hinterbliebenen ist es jedoch nicht zuzumuten, sich darum auch noch zu kümmern. Um das Ganze zu vereinfachen, hat Jahn angeregt, die Glocke auf dem Friedhof, die derzeit noch per Hand und Seilzug betätigt werden muss, zu modernisieren. Künftig soll das per Knopfdruck oder Fernbedienung möglich sein.

90 Prozent der Einwohner ließen gleich was sp

Der Ortschaftsrat hat sich mit diesem Vorschlag bereits einverstanden gezeigt. Jetzt geht es um das Finanzielle. Benötigt werden rund 3500 Euro. Die Stadt Klötze soll damit nicht behelligt werden. Fördermittel scheiden ebenfalls aus, weil das Verfahren zu lange dauern könnte. Darum fasste Jahn den Entschluss, das Geld im Ort einzusammeln.

An zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden, Ende Februar und Anfang März, war Jahn zu diesem Zweck von Haus zu Haus unterwegs. „Es hat einfach nur Spaß gemacht“, berichtet er auf Anfrage der Volksstimme. Die Rückmeldungen waren positiv, und 90 Prozent der Bürger ließen auch gleich was springen, sodass Jahn bereits 85 Prozent der benötigten Summe zusammen hat.

Die wenigen Einwohner, die nicht daheim waren oder in dem Moment kein Geld parat hatten, wollte Jahn eigentlich nochmal gesondert aufsuchen. „Aber dann machte mir das Coronavirus einen Strich durch die Rechnung.“ Es handelt sich um etwa 20 Haushalte. Nun muss sich Jahn gedulden, bis die Einschränkungen, die infolge der Pandemie erlassen wurden, gelockert oder aufgehoben werden. „Dann stehe ich bestimmt wieder auf der Matte“, kündigt er an. Oder, noch besser: „Diejenigen, die ich nicht angetroffen habe und gerne was geben möchten, lassen mir das Geld zukommen.“

Tochter bekam Süßes, Schnaps für den Pap

Daniel Jahn ist von der Offenheit und Großzügigkeit der Jahrstedter begeistert. Außerdem kam er während der Sammlung mit vielen Leuten ins Gespräch, vor allem mit den Älteren, die er lange nicht gesehen hatte. Dabei vergaß er die Zeit – und musste die Sammlung auf zwei Wochenenden aufteilen. „Unterstützt hat mich meine Tochter Mia als ‚Kassenwart‘, die hier und da natürlich auch Süßigkeiten abgestaubt hat. Und für mich gab es das eine oder andere Schnäpschen“, erzählt Jahn, der sich an dieser Stelle für den starken Zusammenhalt bedanken möchte. „Da zeigt sich mal wieder, dass Jahrstedt eine eingeschworene Truppe ist.“

Nicht zu vergessen, dass der Ortschaftsrat einen Zuschuss versprochen hat. Hinzu kommen die Eintrittsgelder/Erlöse vom Filmabend beziehungsweise von dem Flohmarkt. Diese Veranstaltungen mussten wegen der aktuellen Lage verschoben werden. Außerdem erwartet Jahn noch eine „größere Spende“ eines besonderen Gönners.

Sobald der erforderliche Betrag auf dem Konto ist, will Jahn die Firma beauftragen, „damit das Projekt schnell umgesetzt wird“. Nach den bisherigen Eindrücken hat er daran keinen Zweifel. Dann wird die Friedhofsglocke elektrisch sein, was letztlich wohl jedem Jahrstedter irgendwann mal zugute kommen wird.