Quarnebeck l Reiner Kröhnert ist ein deutschlandweit bekannter Kabarettist und Meister der Parodie. Auf Einladung des Heimatvereins Quarnebeck brachte er am Freitag vor ausverkauftem wie begeistertem Haus sein aktuelles Programm „Kröhnert XXL“ auf die Bühne. Wobei XXL in vielerlei Hinsicht zutraf, unter anderem auf die stattlichen 1,97 Meter, die der schlanke 59-jährige Künstler vom Scheitel bis zur Sohle misst.

XXL ist auch, wie viele Politiker und Prominente Kröhnert in anderthalb Stunden Programm verkörpern kann und das damit einhergehende Feuerwerk an Pointen. Allein schon durch die Gestik und Mimik, die Kröhnert entsprechend der dargestellten Promis zeitweise im Minutentakt wechselte, wurde den Zuschauern klar, mit wem sie es gerade zu tun hatten – angefangen von Angela Merkel, Ronald Pofalla und Joachim Gauck über Martin Schulz, Donald Trump und anderen Politikern bis hin zu Boris Becker, Franz Beckenbauer, Daniela Katzenberger und Dieter Bohlen.

Honecker meldete sich zu Wort

Zudem meldeten sich noch Erich Honecker und Adolf Hitler aus der Hölle „und der Verdammnis zum ewigen Nichtstun“ zum aktuellen Polit- und Promi-Geschehen zu Wort. Ein wahres Parodistenkino im Quarnebecker Saal!

Die Kanzlerin ist Kröhnerts Paraderolle. Mit hängenden Gesichtszügen präsentierte er sie als „strahlende Siegerin“ und erklärte: „Von wegen ausgelaugt und amtsmüde. Diese Zitrone hat noch jede Menge Saft.“ Und da man „diese Mutti nicht ungestraft kritisiert“, bekamen Politgegner und Koalitionspartner einige Attacken um die Ohren gehauen. Wobei die Kanzlerin auch bekannte: „Ich selber würde mit mir lieber nicht koalieren wollen, weil: Ich kenne mich ja.“ Martin Schulz träumte derweil von einem noch schlechteren Wahlergebnis für die SPD. „15 Prozent sollten mit Nahles kein Problem sein“, überlegte er. Nach einer Urschrei-Therapie sei sogar ein einstelliges Ergebnis möglich.

International wurde es, als Donald Trump die Bühne betrat. Seine Rede hielt er zwar in Englisch, aber da sie zu 90 Prozent aus den Wörtern „Fake news“ und „Amerika first“ bestand, war sie für jeden verständlich. Genauso wie das Genuschel von Erich Honecker, dessen sozialistische Phrasen vielen Zuhörern noch aus eigenem Erleben bekannt waren. Im Streitgespräch mit Adolf Hitler passierte das Unglaubliche: Beide zeigten Reue.

Promis bereuten nichts

Honecker gab ein „großes Indianerehrenwort“ darauf. Hitler erkannte: „Es war nicht alles gut.“ Weit entfernt von Reue waren hingegen die Promis in der mehrteiligen Talkrunde „Der Intellekt hat viele Gesichter“. Da philosophierte etwa Boris Becker über Sokrates, der einst sagte: „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, um zu dem Schluss zu kommen: „Ich bin besser weil, ich weiß mehr.“

Apropos Wissen: Da die Mitglieder des gastgebenden Heimatvereines wissen, dass sie mit der jährlichen Kabarettaufführung beim Publikum genau ins Schwarze treffen, haben sie sich auch schon um eine Fortsetzung gekümmert. So soll am 5. April 2019 die Leipziger Pfeffermühle in Quarnebeck gastieren.