Klötze l Wenn die Bücherregale in der Klötzer Kinder-Bibliothek sprechen könnten, sie hätten bestimmt viele spannende Geschichten zu erzählen. Denn so alt wie einige von ihnen sind, haben sie wohl schon viel erlebt. Die ältesten Modelle stammen aus den 1950er Jahren, weiß Kinder-Bibliothekarin Ilka Prager.

Aktuell sind sie gelb angestrichen. Natürlich gibt es auch jüngere Exemplare, doch auch die stammen noch aus DDR-Produktion. Der Zahn der Zeit nagt an den Möbeln, einige sind kaputt, das Holz bricht. Im Aussehen unterscheiden sich die verschiedenen Modelle deutlich voneinander. „Die Regale stammen alle von meinen Vorgängern“, berichtet Ilka Prager im Gespräch mit der Volksstimme und ergänzt, dass sie selbst schon seit 34 Jahren in Klötze im Dienst ist.

Nun sind die Tage der alten Regale gezählt. In der Kinder-Bibliothek steht eine Neueinrichtung an. Möglich macht das eine Förderung in Höhe von 20.000 Euro vom Land Sachsen-Anhalt. Weitere 20.000 Euro stellt die Stadt Klötze als Eigenmittel bereit. Unterm Strich stehen also 40.000 Euro zur Verfügung.

Am Standort in der Breiten Straße ist bereits seit Mitte der 1980er Jahre die Erwachsenen-Abteilung beheimatet. Die Kinder-Bibliothek war zu dieser Zeit noch an verschiedenen Stellen in der Stadt untergebracht. „Im Jahr 1994 bin ich hier mit der Kinder-Bibliothek eingezogen“, erinnert sich Ilka Prager an die Anfänge im Obergeschoss des Gebäudes an der Breiten Straße 12. Früher dienten die Räumlichkeiten mal als Hausmeisterwohnung.

Große Modernisierungen fanden im vergangenen Vierteljahrhundert in der Kinder-Abteilung nicht statt. Anders verhielt es sich in der Erwachsenen-Bibliothek im Erdgeschoss, die vor gut zehn Jahren neu eingerichtet wurde. „Dort gibt es schon vernünftige Regale“, sagt Ilka Prager. Im Obergeschoss stand dieser Schritt bislang noch aus, da Geld fehlte. Lange habe sie darauf gewartet, dass es auch dort losgehen kann.

„Ich habe sehr gebangt, ob das Land die Fördermittel in der Corona-Krise aufbringen wird“, sagt die Bibliothekarin. Doch zum Glück wolle das Land das Bibliothekswesen unterstützen, freut sich Prager. Eine neue Einrichtung steht nun ganz oben auf der Liste. Aber auch die Wände sollen einen frischen Anstrich erhalten. Und die alte Auslegeware soll gegen neuen Bodenbelag getauscht werden, fasst Prager einige Vorhaben zusammen.

Luxus könne man sich für das zur Verfügung stehende Geld nicht leisten. Luxus, das wäre zum Beispiel ein spezielles Konzept eines Innenarchitekten. Ganz ohne professionelle Hilfe lässt sich die geplante Umgestaltung aber auch nicht meistern. Ein Architekt müsste etwa prüfen, was die Statik des Gebäudes hergibt. Und auch bei den Regalen habe sich einiges getan. Heute würden keine hohen Regale mehr aufgestellt, um den Kindern den Griff nach den Medien zu erleichtern. „Wir müssen das Mögliche mit dem finanziell Möglichen verbinden. Das ist nicht einfach, aber es macht Spaß.“

Bei der Umgestaltung sollen nicht nur neue Regale aufgestellt und die Wände frisch gestrichen werden. Auch am Konzept soll sich etwas ändern. „Früher war die Bibliothek kein Aufenthaltsort. Man hat seine Bücher geholt und ist gegangen“, blickt Ilka Prager zurück. Heute ist das anders. Ein Verweilen in der Einrichtung ist durchaus erwünscht. In der aktuellen Corona-Krise ist das allerdings aufgrund der Vorgaben nicht möglich. Neue Angebote sollen Mädchen und Jungen in Zukunft dazu bringen, länger in der Bibo zu bleiben. Als Idee nennt Ilka Prager das Aufstellen von Tischen, an denen die jungen Nutzer am Computer arbeiten, Roboter bauen oder spielen können.

Außerdem sind nicht alle Kinder gleich. „Die Größeren wollen keine kleinen Krabbelkinder um ihre Füße haben“, sagt die Bibliothekarin. Die Jüngsten kämen mit ihren Mamas, Papas oder Omis in die Einrichtung, die sich sehr um die Bildung der Kinder bemühten. Deshalb sollen die Älteren in Zukunft im großen Veranstaltungsraum unter sich sein können. Durch mobile Regale, die auf Rädern stehen, könnte der große Raum dann leicht für Schul-Lesungen vorbereitet werden. Damit würde die Kinder-Bibliothek also auch in der Fläche wachsen. Denn vor Corona wurde der Raum nur für Veranstaltungen genutzt, um die Corona-Abstandsregelungen einhalten zu können, wurden dort mittlerweile einige Bücherregale aufgestellt.

Weiter im Obergeschoss bleiben soll der Raum mit den DVDs, Hörbüchern und Musik-CDs für die Erwachsenen. „Zum heutigen Zeitpunkt brauchen wir diese Medien noch. Was in zehn Jahren sein wird, ist noch nicht klar. Das müssen wir im Auge behalten“, sagt Ilka Prager mit Blick auf neue Angebote im Internet. Noch würden die klassischen Medien genutzt.

Wann es mit der Umgestaltung genau losgeht, konnte Ilka Prager nicht sagen. Wenn alles hergerichtet ist, werden aber die Nutzer gefragt sein. „Beim Einräumen hoffe ich auf die Hilfe von vielen Muttis und Vatis“, blickt die Bibliothekarin voraus. Übrigens: Eines der alten gelben Regale würde Prager gern behalten – für eine Ausstellung, wie sie sagt.