Klötze l „Wir haben es versucht. Hat aber nicht geklappt“, steht auf dem Schild am Fenster der Klötzer Wäschestube. Inhaber Hans-Joachim Paul, den meisten Klötzern auch als früherer Inhaber des Bestattungshauses bekannt, schließt zum 1. Dezember das Wäschegeschäft an der Oebisfelder Straße.

Schon im Juni wollte Hans-Joachim Paul das seit 1992 existierende Geschäft aufgeben. Denn im Zuge der Corona-Pandemie verzeichnete er Umsatzeinbußen von über 50 Prozent. Doch Paul hielt das Geschäft offen und suchte einen Nachfolger. Vergeblich. Dennoch machte er weiter. Nun die endgültige Entscheidung, das Geschäft zu schließen.

„Durch die lange Schließung von Gaststätten und Hotels haben wir keine großen Aufträge mehr. Dadurch blieben auch die Umsätze aus“, nennt der Klötzer Geschäftsmann, der den Laden in der Fußgängerzone 1992 einst mit seiner Frau Marion eröffnete, als Schließungsgrund. Aber auch andere Auftraggeber und Stammkunden, wie unter anderem Sportvereine und Bildungseinrichtungen aus der Region, so Hans-Joachim Paul, lieferten während der Corona-Zeit keine Textilien zum Reinigen mehr.

Auch ältere Menschen blieben weg

Bis nach Oebisfelde sind die Mitarbeiter gefahren, um Aufträge für das Geschäft einzuholen. Am Ende reichte es nicht, die Firma zu erhalten. Auch ältere Einwohner aus der Einheitsgemeinde kamen seit Ausbruch der Pandemie im Frühjahr nicht mehr wie gewohnt in die Wäscherei.

„Sie sind in Corona-Zeiten deutlich vorsichtiger geworden. Das bekamen wir zu spüren“, nennt Hans-Joachim Paul einen weiteren Grund für das Aus. Das alles führte jetzt zu dem Entschluss, die Tür des Geschäfts für immer abzuschließen.

Die insgesamt vier Mitarbeiterinnen waren schon über die Sommermonate in Kurzarbeit. Nun mussten sie den Weg zur Agentur für Arbeit antreten, um einen neuen Job zu finden. Hans-Joachim Paul ist dabei optimistisch, dass seine früheren Angestellten zeitnah wieder in Lohn und Brot stehen werden.

Gerüchte, der Klötzer Unternehmer hätte keine Genehmigung mehr für seine Waschautomaten bekommen und müsse deshalb das Geschäft schließen, weißt Paul in das Reich der Fabel zurück. Ganz im Gegenteil: Er habe noch einmal mehrere hundert Euro investiert, um die Maschinen weiter in Betrieb zu halten und sie dann vielleicht an einen Nachfolger zu verkaufen. Doch diese Hoffnung hatte sich bereits vor Monaten schon zerschlagen. Denn es gab seit dem Sommer keinen einzigen Interessenten für die Klötzer Wäschestube mehr.

Unternehmer bemängeln geringe Unterstützung

Mit dem Laden an der Oebisfelder Straße schließt in Klötze nach Volksstimme-Recherchen das erste Geschäft im Zuge der Corona-Pandemie. Weitere Geschäftsleute in der Kernstadt denken auf Grund der massiven Umsatzverluste durch die wochenlangen Schließungen auch ans Aufgeben. Offiziell wollte sich kein Geschäftsmann auf eine Anfrage dazu äußern. Doch die Unternehmer bemängeln generell, wie auch Paul, dass die staatlichen Hilfen während der Corona-Krise bei weitem nicht ausreichen, um die laufenden Kosten bei vorübergehender Betriebsschließung aufzubringen.

Klötzer Einwohner bedauern nicht nur das Ende der Wäschestube, auch, dass die Oebisfelder Straße mit dem Aus des Geschäftes weiter an Attraktivität verliert und die einseitige Einkaufsmeile dadurch weiter an Bedeutung verliert.