Klötze l Algen aus Klötze – seit Jahren ist das ein Aushängeschild für die Purnitzstadt. Die Bedeutung als Algen-Standort könnte in Zukunft weiter wachsen und der Ort vielleicht zum einem echten Kompetenzzentrum werden. Ein Grundstein dafür wurde gelegt: Gemeinsam haben Kirstin Knufmann, Inhaberin der Klötzer Firma Pure Raw, und Jörg Ullmann, Geschäftsführer der Algenfarm Roquette, das Innovationsforum „Algae Food“ organisiert. Kürzlich fand ein zweitägiger Kongress zum Thema Algen als Lebensmittel in Magdeburg statt, bei dem Vertreter von Universitäten, Firmen und Behörden an einen Tisch geholt wurden.

Insgesamt 140 Teilnehmer wurden gezählt, wie die beiden Klötzer Fachleute im Gespräch mit der Volksstimme berichten. Verschiedene Themen standen auf der Agenda. In den Vorträgen wurde etwa über die Normung im Bereich der Algen und Algenprodukte und über deren Entwicklung und Zukunft gesprochen. Thema war außerdem ein Hilfsprojekt in Kolumbien, bei dem mit Algen gegen Mangelernährung gekämpft wird.

In bekannte Lebensmittel einarbeiten

Viele Kongresse zum Thema seien eher akademischer Natur, berichtete Jörg Ullmann aus Erfahrung. Nun seien Theorie und Praxis zusammengebracht worden. Bislang hätten ein Netzwerk gefehlt und die praktischen Grundlagen, wie sich Ideen in die Praxis umsetzen lassen. Ziel des Kongresses sei es gewesen, Unis, Entwickler, Köche, Blogger und andere Beteiligte an einen Tisch zu kriegen, um die Frage zu klären, wie sich das Thema Alge als Lebensmittel voranbringen lässt. „Momentan gibt es nur eine kleine Schar von Firmen. Die müssen wir jetzt schlagkräftig machen“, so Ullmann. In Deutschland habe die Alge als Lebensmittel schon eine lange Tradition. Das gelte auch für den dazugehörigen Anlagenbau. „In einigen Feldern sind wir wohl Marktführer“, sagte er über die heimische Algen-Wirtschaft.

Schön wäre es, die Entwicklung in Sachsen-Anhalt vorantreiben zu können. Deshalb habe man das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Innovataionsforum „Algae Food“ ins Land geholt, immerhin gebe es hier schon einige Firmen mit „Leuchtturm“-Charakter. Zwei Jahre habe die Vorbereitung gedauert, viel Herzblut sei eingeflossen. Die Mitarbeiter-Teams beider Firmen hätten bei der Organisation eine wichtige Rolle gespielt. Viel Unterstützung habe es zudem vom Bund und Land gegeben, die Vertreter zum Kongress geschickt hatten. Eingeladen war auch die Stadt Klötze, doch erschienen ist niemand. Nach dem Kongress gehe es nun darum, ein Netzwerk zu etablieren, sagte Kirstin Knufmann. Am 26. Juni gibt es einen weiteren Workshop, bei dem die Partner den weiteren Weg aktiv mitgestalten können.

Wie geht es weiter?

Es würde Unmengen an tollen Studien geben, die aber nicht den Schritt in die Wirtschaft schaffen, so Ullmann. Das neue Netzwerk solle diese Schranken überwinden. „Jetzt müsste es eine Produkt­offensive geben“, nannte der Algen-Experte einen möglichen Schritt. Doch das Risiko sei für den Mittelstand groß, neue Produkte an den Markt zu bringen. Die Kunden hätten häufig Hemmungen, völlig neues Essen zu probieren. „Ein Weg könnte sein, die Algen in Produkte einzuarbeiten, die die Leute schon kennen“, so Ullmann, der als Beispiel Pasta und Limonade nannte. Die Köche des Hotels, in dem der Kongress abgehalten wurde, seien da mit gutem Beispiel vorangegangen und hätten die Algen bereits ins Buffet eingearbeitet.

„Das Forum war der Startschuss. Doch in welcher Form wollen wir es jetzt weiterführen?“, formulierte Jörg Ullmann die Frage, die es zu beantworten gilt. Ein Wunsch, der geäußert wurde, sei, dass ein Verband geschaffen wird. „Ich befürchte, dass der Verband in Klötze angesiedelt wird“, sagte Ullmann mit einem Augenzwinkern. Aus der Geschichte komme man jetzt nicht mehr heraus, sagte er. Doch die beiden, die auch privat als Paar kritische Diskussionen über das Thema führen würden, wollen das Projekt nicht aus der Hand geben. Die Frage sei nur, wie man es schafft, dass alle Partner mitmachen und man nicht nervt. Soll es weitere Kongresse geben? Oder Newsletter? Oder Workshops?

Interesse bekundet

Klar, unternehmerische Konkurrenz könnte erwachsen, so Ullmann. Er stecke seine Energie aber lieber in neue Sachen und schaue weniger auf Mitbewerber. Gibt es mehrere Algen-Produkte am Markt, sei der Kunde konfrontierter, ist sich Kirstin Knufmann sicher.

Und wer weiß, vielleicht siedeln sich in Klötze neue Algen-Firmen an. Dafür brauche es nicht unbedingt eine Autobahn, sagte Ullmann. Wichtig sei es, aus den Schwächen, die eine Region hat, Stärken zu machen. Leer stehende Räume könnten etwa für Start-Up-Unternehmen zur Verfügung gestellt werden. Beim Kongress habe ein Unternehmer gesagt, dass er mit seiner Firma wohl nach Klötze müsste. So könnte ein Kompetenzzentrum entstehen.