Kunrau l Im Fernsehen steht er bei „Dittsche – das wirklich wahre Leben“ als Gegenstück zu Olli Dittrich hinterm Imbiss-Tresen, doch allein damit gibt sich Jon Flemming Olsen beileibe nicht zufrieden. 1998 gründete der gebürtige Düsseldorfer die Band „Texas Lightning“, die 2006 den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest gewann und mit ihrem Titel „No No Never“ dreifach Gold bekam. Außerdem ist Olsen, der in Hamburg aufwuchs, ein gefragter Grafik-Designer, der für bekannte Interpreten wie Udo Lindenberg, Annett Louisan oder Stefan Gwildis die Plattenhüllen gestaltet. Und auch als Autor ist der 52-Jährige aktiv. Schon sein erstes Buch, „Der Fritten-Humboldt“, schaffte es 2010 in die Bestsellerlisten. Aber klar, zu den größten Leidenschaften von Jon Flemming Olsen zählt die Musik. Bereits als kleiner Junge bekam er Unterricht, mit zwölf Jahren wurde er Mitglied in einer Schulband und begann zu komponieren. Texas Lightning hat der studierte Popmusiker 2009 verlassen. Doch zwei Jahre später gründete er mit zwei ehemaligen Mitstreitern das „Jon Flemming Olsen Acoustic Trio“. Doch das Multi-Talent kann es auch ohne Begleitung. 2014 wurde „Immer wieder weiter“, sein erstes Solo-Album, veröfffentlicht und fand in der Szene viel Beachtung.

Ungefähr zu dieser Zeit nahm René Schneider, Vorsitzender des Kulturklubs Drömling (KKD), Kontakt zu ihm auf. „Ich habe ihn einfach mal angeschrieben. Seither sind wir in Verbindung geblieben. Ein Mann seines Kalibers hat viel zu tun. Den kriegst du nicht von heute auf morgen“, weiß Schneider. Umso glücklicher war der KKD, Jon Flemming Olsen am Freitag im Schlosskeller in Kunrau empfangen zu dürfen. KKD-Kasenwart Franz-Josef Hansen nannte ihn bei der Begrüßung „einen besonderen Künstler“ und freute sich zudem über ein volles Haus.

Vom Leben und der Liebe

Für ein Gespräch mit der Presse war Jon Flemming Olsen eine halbe Stunde vor seinem Auftritt nicht mehr bereit. „Sei mir nicht böse, aber ich brauche noch ein bisschen Ruhe“, entschuldigte er sich. Kein Problem, die Absage wirkte nicht arrogant, sondern charmant. Und professsionell. Schließlich wollte er sich dem Publikum von seiner besten Seite zeigen.

Und das tat der bekennende Ostsee-Fan auch. Im Gepäck hatte er vor allem Stücke seines neuen Albums „Von ganz allein.“ Die selbst erdachten Werke, samt und sonders auf Deutsch vorgetragen, handeln vom Leben und der Liebe, von Sehnsüchten und Ängsten, von Aufbruch und Wiederkehr. Viele Balladen. Persönlich, emotional, aufwühlend. So wie bei „Kein gutes Gefühl“. In seinem Vorwort merkte Olsen dazu an: „Wir haben es doch wirklich schön hier in Europa, dieser Insel der Glückseiligkeit. Im Gegensatz zu anderen Teilen der Welt leben wir in Frieden und Wohlstand. Vielleicht sollten wir uns öfter mal daran erinnern.“

Komische Momente

Das Konzert hatte aber nicht nur diese ernsthaften und stillen Momente, sondern auch amüsante und laute Passagen. Dafür sorgte allein schon der köstliche Humor von John Flemming Olsen, der er gleich zum Anfang unter Beweis stellte, als er davon berichtete, wie schön er das Kunrauer Schloss findet. „Eine tolle Kulisse. Ich habe gleich ein Foto gemacht. Das wollte ich posten, hatte aber kein Netz.“

Später animierte er die Zuhörer zum Mitmachen. „Ist schon witzig. Die Männer singen automatisch eine Oktave tiefer, obwohl sie gar nicht wissen, was eine Oktave ist.“ Oder: „Wer dieses Lied erkennt, kann den Finger heben – und am Ende des Lieder wieder runternehmen.“

Zwischendurch streute Olsen, der mehrere Instrumente zum Einsatz brachte, sogar eine Walzer-Melodie ein, die zum Tanzen anspornte. „Sie können gerne aufstehen. Das passiert an dieser Stelle aber nie“, scherzte er.

Die Besucher erlebten einen tollen Abend. Und der Gaststar, der sich hautnah gab, sparte nicht mit Lob. Weder für das Publikum, noch für den KKD. „Ich finde es großartig, was hier auf die Beine gestellt wird. Kultur muss es auch auf dem Land geben. Das ist ganz wichtig.“