Poppau l Wer Helmut Fehse bei einem Rundgang durch sein Heimatdorf Poppau begleitet, kommt aus dem Staunen kaum heraus. Der Poppauer, der lange Jahre Bürgermeister in Bandau war und jetzt die Interessen der Altgemeinde im Beetzendorfer Rat vertritt, ist ein wandelndes Geschichtsbuch. Es gibt kaum ein Haus in dem mindestens 653 Jahre alten Dorf, zu dem er nicht eine Geschichte erzählen kann. Dort war einst eine Gaststätte, hier die Dorfschule und gleich am Ortseingang gab es eine Ziegelei, deren Schornstein 1946 gesprengt wurde.

Hier am Poppauer Ortsschild empfängt Helmut Fehse auch seine Gäste, zu denen kürzlich auch die Mitglieder der Immekather Radfahrgruppe gehörten. „Schließlich war es früher üblich, Prominente an der Stadtmauer zu begrüßen“, scherzt der Poppauer. Eine solche hat das Dorf freilich nicht aufzuweisen, dafür aber einen imposanten Rundling. „Poppau ist als Hufeisendorf zwischen den Straßen nach Bandau und nach Jeeben erbaut worden“, weiß Helmut Fehse. 1363 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt, als der Markgraf von Brandenburg den Grafen von der Schulenburg das Dorf mit seinen 13 wendischen Bauernfamilien als erbliches Lehen übergab.

Eine Kirche hat Poppau seit 1706. Doch die wurde bald zu klein für die etwa 200 Einwohner, die hier Ende des 19. Jahrhunderts lebten. „Also beschloss man 1892 den Neubau eines Gotteshauses“, berichtet Helmut Fehse. Zwölf Jahre und 7000 Taler Baukosten später konnte sie eingeweiht werden. In der 120 Sitzplätze umfassenden Kirche ist vor allem der Flügelaltar ein Hingucker. „Der stammt aus dem Jahr 1534 und ist ursprünglich aus einer Beetzendorfer Kirche“, erzählt der Poppauer, der auch Vorsitzender des Gemeindekirchenrates ist.

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Feuersbrunst am 20. Oktober 1814

Zu den schmerzlichsten Daten in der Geschichte des Ortes zählt der 20. Oktober 1814. „Damals ist fast der gesamte Ort abgebrannt. Auslöser der Feuersbrunst war das Trocknen von Flachs in einem Backofen“, so Fehse. Wie durch ein Wunder blieb die Kirche von den Flammen verschont. An die 100-jährige Wiederkehr der Tragödie erinnerten die Poppauer 2014 mit einem Gedenkgottesdienst.

Eine Station darf für Helmut Fehse bei seinen Ortsrundgängen für Besucher nicht fehlen: der Dorfteich. Denn der ist ein ganz besonderer, wie der Stein mitten im Wasser bezeugt, um den eine Eisenkette gewickelt ist. Mit der soll der Sage nach einst die Welt vermessen und danach Poppau zum Mittelpunkt eben dieser erklärt worden sein. „Mitt‘n in de Welt“ - dieses Markenzeichen hat den 280-Einwohner-Ort bekannt gemacht. Der Schriftzug schmückt sogar die Fahrzeuge der 1925 gegründeten freiwilligen Feuerwehr.