Kunrau l Eulen sind faszienierende Geschöpfe, die in der Mythologie seit Urzeiten einen besonderen Stellenwert haben. Sie galten als Unglücksbringer oder Beschützer, standen sinnbildlich für das Gute oder das Böse, wurden verehrt oder gefürchtet, bewundert oder verfolgt. Doch all das ist nur Aberglauben. Denn in erster Linie, so sagte Gerhard Heine aus Audorf, sind Eulen „wunderschöne Tiere“. Heine gehörte mit seiner Familie am Freitagabend zu den 63 Personen, die sich für eine Eulenwanderung angemeldet hatten. Dabei handelte es sich um die erste gemeinsame Veranstaltung von der Naturparkverwaltung Drömling in Oebisfelde und dem Kreativhof in Kunrau. Zwischen den beiden Einrichtungen besteht neuerdings eine Kooperation, die nun mit Leben gefüllt wird.

Auf dem Kreativhof war alles angerichtet. Verena Treichel empfing die Besucher mit einem Lächeln, eine Feuerschale sorgte für Wärme, in der Scheune gab es Kartoffelsuppe und auf einer Leinwand flimmerte ein Film über Eulen.

Steinkauz soll sich wieder ansiedeln

Höhepunkt war ein abendlicher Streifzug zum Schlosspark. Dort wollte man die Vögel hautnah zu Gesicht bekommen. In Anbetracht der vielen Teilnehmer, die zum Beispiel aus Wendischbrome, Kusey, Salzwedel und Wolfsburg angereist waren, gab es zwei Touren. Fachkundiger Begleiter war jeweils Naturpark-Mitarbeiter Ulf-Gerd Damm.

Im Drömling, so sagte er, kämen vier Arten vor: Sumpfohreule, Waldohreule, Schleiereule und Waldkauz. Bis in die 1950er Jahre habe es auch den Steinkauz gegeben. Es bestünde die Hoffnung, dass der sich wieder ansiedelt. Bundesweit gebe es nämlich diverse Auswilderungsprogramme. Die größte Gattung hier in der Region sei indes der Uhu. Dieser könne bis zu 75 Zentimeter groß werden, berichtete Damm.

Dank ihrer guten Augen könnten die meisten Arten auch bei wenig Licht noch sehr gut sehen, erklärte Damm. Zwar sei ihr Blickfeld eingeschränkt, aber weil Eulen mehr Halswirbel hätten, sei der Kopf extrem beweglich.

Lieblingsnahrung: Mäuse

Ebenfalls außergewöhnlich sei das Hörvermögen der Eulen, informierte der Experte. „Selbst auf weite Entfernung kann Beute noch lokalisiert werden.“ Und im Anflug auf das Opfer sei der Flügelschlag kaum zu hören, weil das samtige Gefieder kaum Geräusche verursache.

Zur Lieblingsnahrung von Eulen zählen Mäuse. Auf dem Speiseplan von Waldkauz, Waldohreule und Sumpfohreule stünden zudem kleine Säuger und andere Vögel, wusste Damm.

Während die Sumpfohreule auf dem Boden brüte, zögen Schleiereule, Waldohreule und Schleiereule eher Bäume, Höhlen oder Kirchtürme vor. Die Brut dauere 28 Tage, es würden je nach Art zwischen 2 und 10 Eier gelegt, erklärte der Naturpark-Mitarbeiter, der im Schlosspark nichts unversucht ließ, um Eulen anzulocken. Dazu hatte er extra ein Gerät dabei, um die Laute nachzuahmen. Doch vergeblich. Die Eulen blieben im Verborgenen.

Zurück auf dem Kreativhof war die Suche aber doch noch erfolgreich. Ein Käuzchenpaar, machte es sich hoch oben gemütlich. „Direkt in den Linden haben sie über uns gesessen und gerufen und alle konnten sie noch erleben“, freute sich Verena Treichel für ihre Gäste.

Nächster gemeinsamer Termin von Naturparkverwaltung und Kreativhof ist am Sonnabend, 3. März, eine Kranichwanderung. Treff ist um 15 Uhr am Schloss in Kunrau. Es wird um Anmeldung gebeten, Telefon 039008/820 84 oder per E-Mail an info@kreativhof38.de