Klötze l Lesestoff gibt es aktuell in der Kinder-Abteilung der Klötzer Stadt- und Kreisbibliothek keinen mehr. Die Holzregale sind leer. Die zahlreichen Bücher, die kürzlich noch ordentlich aufgereiht auf den Brettern standen, sind nun in großen Pappkartons verstaut. „Die Bücher und andere Medien stehen jetzt auf Paletten in der Garage“, wusste die kommissarische Bibliotheksleiterin Ilka Prager im Gespräch mit der Volksstimme zu berichten.

Alles musste raus, um Platz zu schaffen im Obergeschoss des historischen Gebäudes an der Breiten Straße 12. Untergebracht ist dort oben die Kinderbibliothek, die neu eingerichtet und gestaltet wird. Vom Land Sachsen-Anhalt gibt es dafür Fördermittel in Höhe von 20.000 Euro. Die Stadt Klötze als Träger der Einrichtung steuert weitere 20.000 Euro bei.

Vor einigen Tagen begann ein Team der Stadtwirtschaft damit, die Abteilung für die jüngeren Nutzer auszuräumen. „Vier Leute sind hier im Dauereinsatz“, berichtete Ilka Prager. Eingepackt hätten die Mitarbeiter der Stadtwirtschaft dabei unter anderem die Bücher in große Umzugskartons. Alles alphabetisch sortiert, so Prager, die darauf geachtet habe, dass nichts durcheinanderkommt. Die Kisten mussten dann die Treppe hinunter und über den Hof in die Garage geschafft werden. Gezählt hat die Leiterin die Kartons nicht. 100 reichten aber nicht, deshalb wurde nachgeordert, wie es hieß.

Das Ausräumen war mit viel Arbeit verbunden. „Es geht ja nicht nur um die Bücher“, stellte Ilka Prager klar. Auch Vorhänge und Vitrinen baute das Team der Stadtwirtschaft ab. „Es sieht jetzt überall sehr abenteuerlich aus“, schätzte die Leiterin. Das Ausräumen sei auch viel schneller erledigt als das spätere Einräumen, das wahrscheinlich drei- bis viermal so lange dauern werde. In dieser Woche, so wusste Ilka Prager zu berichten, sollen die ersten Wände gemalert und dann neuer Fußboden verlegt werden.

Im früheren großen Gruppenraum soll durch den Umbau ein neuer Bereich für Jugendliche entstehen, den es bislang so noch nicht gab. Denn Ziel des Projektes ist es nicht nur, frische Farben und neue Regale in die Einrichtung zu bringen. Auch am Raumkonzept ändert sich einiges, die Nutzungsfläche wird erweitert. Gedacht sei der Jugend-Bereich für die Fünft- bis Achtklässler. Sie sollten in der Bibliothek unter sich sein können, wie es hieß.

Medien für die jüngeren Kinder stehen künftig im Bereich der jetzigen Kinderbibliothek bereit. Dort wird es Angebote für die etwa acht- bis neunjährigen Nutzer sowie für die kleineren Kinder geben. Bei der Planung habe man darauf geachtet, die Kleinsten möglichst von der steilen Treppe fernzuhalten, die ins Obergeschoss führt, um gefährliche Situationen zu vermeiden.

„Kleine Kinder hauen gerne ab“, wusste Ilka Prager aus Erfahrung. Die Treppe mit einem Schutzgitter abzusperren, sei keine Lösung gewesen. Denn dann hätten Eltern, die vielleicht mit Babyschale und Rucksack die Treppe hinaufsteigen, das Gitter erst öffnen müssen, wie es hieß.

Sie sei mit der Kinderbibliothek im Obergeschoss alt geworden, blickte Ilka Prager zurück. Sie betreut die Abteilung, die seit 1994 an der Breiten Straße zu finden ist. Seit 26 Jahren sei nicht viel passiert. Nun gibt es auch neue Regale, die bisherigen Exemplare, mit denen sie vor 1994 bereits mehrfach innerhalb der Purnitzstadt umgezogen sei, sind kaputt. „Alles, was zu DDR-Zeiten angeschafft wurde, ist hin“, sagte Prager mit Blick auf die Einrichtungsgegenstände. Regelmäßig hätten Mitarbeiter der Stadtwirtschaft in den vergangenen Jahren Schrauben ins Holz gedreht, um die Regale zu reparieren. Möglich sei das nun nicht mehr.

Eine wichtige Frage bei der Planung der Umgestaltung sei gewesen, wo die neuen Regale aufgestellt werden sollen. Denn der Boden des alten Gebäudes könne nur begrenzt belastet werden. Große Regale könne man nicht so einfach in die Raummitte stellen. Sie würden an den Wänden verteilt. Wie lange werden die Umbau-Arbeiten dauern? Das wisse Ilka Prager nicht, das hänge unter anderem davon ab, wann die Möbel geliefert und aufgebaut werden. Da die Bibliothek derzeit coronabedingt geschlossen bleiben muss, ist ohnehin kein Besuch möglich. „Jetzt ist eine gute Möglichkeit, ein so großes Projekt in Angriff zu nehmen“, sagte Ilka Prager.