Trippigleben l Für Außenstehende bot die jüngste Sitzung des Wenzer Ortschaftsrates eine große Überraschung. Ein Antrag machte zu Anfang die Runde. Gefordert wird darin die Aufhebung der Ortschaft Wenze, die sich aus den Ortsteilen Wenze, Trippigleben und Quarnebeck zusammensetzt. Die Trippiglebener wollen lieber als eigenständige Ortschaft in die Zukunft starten.

Wie sich bei der Sitzung herausstellte, war dies nicht der erste Antrag, den Ortschaftsratsmitglied Ralf Philipp aus Trippigleben dazu eingereicht hat. Als Datum trägt die Version, über die bei der Sitzung des Ortschaftsrates gesprochen wurde, den 25. September. Doch schon drei Wochen früher, am 4. September, wurde bereits ein erster Antrag gestellt. „Der wird aufgehoben“, sagte Unterzeichner Ralf Philipp im Gespräch mit der Volksstimme. Bei der Stadt Klötze eingereicht worden sei nun die Version von Ende September.

Antrag war emotionsgeladen

In beiden Schreiben wird die Aufhebung der Ortschaft Wenze gefordert. In der aktuellen Variante wird die Neugründung einer eigenständigen Ortschaft Trippigleben gewünscht. Komplett unterschiedlich sind die Begründungen, die in beiden Anträgen angeführt werden. „Der erste Antrag war noch sehr emotionsgeladen“, sagte Philipp. Angeführt wird darin unter anderem, dass der Ortsteil Quarnebeck seit den letzten Kommunalwahlen „eine deutliche Stimmmehrheit gegenüber den anderen beiden Ortsteilen hat“.

Seitdem habe sich innerhalb der drei Ortsteile eine Ungleichheit gebildet, die die Einwohner von Trippig­leben und auch aus Wenze als nicht gerecht empfänden. In Trippigleben fühle man sich von Quarnebeck verwaltet. Sämtliche Entscheidungen für den eigenen Ort könnten durch die Mitglieder des Rates aus Wenze und Trippigleben „in keinster Weise beeinflusst werden“. Und weiter: „Man hat das Gefühl, sämtliche Gelder gehen in den Ortsteil Quarnebeck und die Gehwege und sonstige Nebenanlagen in den anderen Ortsteilen verrotten.“ In der aktuellen Version ist davon nichts mehr zu lesen, vielmehr wird darin die angestrebte Selbstverwaltung Trippiglebens unterstrichen.

Idee hat sich über Monate entwickelt

Aktuell setzt sich der Wenzer Ortschaftsrat aus fünf Mitgliedern zusammen. Drei stellt die Wählergemeinschaft Quarnebeck, einen Sitz haben jeweils die Gemeinschaften aus Wenze und Trippigleben. Mit Schimpfen habe die Begründung im ersten Antrag nichts zu tun, sagte Ralf Philipp. „Das will ich so nicht sehen.“ Er sei den Bürgern verpflichtet und wenn sie an ihn herantreten würden, wolle er etwas für sie tun. Er stehe hinter dem Vorhaben.

Entwickelt habe sich die Idee, die Eigenständigkeit anzustreben, in Trippigleben in den letzten drei bis fünf Monaten. Die Idee sei entstanden, es wurde darüber im Dorf beraten. Und ein passendes Gesetz ausgegraben, auf das sich die Trippiglebener berufen. Konkret geht es um den Paragraf 87 des Kommunalverfassungsgesetzes des Landes Sachsen-Anhalt. Darin heißt es, dass der Gemeinderat mehrheitlich durch Änderung der Hauptsatzung Ortschaften aufheben kann. Zustimmen muss auch mehrheitlich der Ortschaftsrat. „Seit DDR-Zeiten werden wir als Ortschaft Wenze gehandelt“, so Ralf Philipp. Jetzt hätten die Trippiglebener wieder die Möglichkeit, eigenständig zu sein. Eigentlich dürfte sich der Stadtrat, der grünes Licht geben muss, sich nicht gegen den Wunsch wehren, so Philipp. „Es ist der Bürgerwille und es ist nicht zum Nachteil der Stadt.“

Sechs Kandidaten gefunden

Die Bürger würden sich wieder engagieren, habe Philipp festgestellt. „Mir gefällt es gut, wie es gerade in Trippigleben läuft.“ Er sehe den Prozess als positive Entwicklung. Stattgefunden haben im Laufe des vergangenen Monats gleich zwei Treffen, bei denen es um die Eigenständigkeit ging. Eines stand auch für die Einwohner von Wenze und Quarnebeck offen, kürzlich folgte eine Zusammenkunft, bei der die Trippiglebener unter sich blieben und berieten. Dabei sei auch entschieden worden, eine neue Begründung für den Antrag zu verfassen. Das Ergebnis wurde später im Ortschaftsrat präsentiert.

Bei der Kommunalwahl im Mai 2019 möchte man in Trippigleben einen eigenen Ortschaftsrat wählen. „Sechs Kandidaten haben sich bisher schon gefunden.“ Auch für den Posten des Ortsbürgermeisters habe man schon jemanden, verriet Philipp, ohne einen Namen zu nennen. Es sei jemand, der sich gut mit dem Thema Verwaltung auskennen würde. Er selbst werde dafür nicht zur Verfügung stehen, „das erlaubt meine Zeit nicht“, sagte Philipp.