Klötze l Einmal den Schlüssel umgedreht und schon ist der Blick frei in das neue Pfarrbüro, das in den vergangenen Monaten direkt neben der Evangelischen Familienbildungsstätte (EFA) in Klötze entstanden ist. „Eingezogen sind wir noch nicht“, sagt Remo Schwerin. Das ist aber nur eine Frage der Zeit. Das neue Pfarrbüro hat 64 Quadratmeter. Es gibt einen Flur, einen Technikraum, eine Teeküche mit Abstellkammer, einen Archivraum, ein WC, ein Büro für Sekretärin Benita Ferchau und ein großes Dienstzimmer für Pfarrer Michael Nolte. Dieses sollte eigentlich noch ein bisschen größer werden, um darin auch Sitzungen des Gemeindekirchenrates abhalten zu können. Allerdings gab es dafür keine Genehmigung, berichtet Schwerin, der dem Gremium vorsteht. Somit finden die Sitzungen weiterhin in der EFA statt. „Damit können wir leben“, beteuert Schwerin.

Einweihung ungewiss

Baubeginn für das neue Pfarrbüro war im Spätherbst 2019. Gerechnet wurde mit einer Bauzeit von knapp sechs Monaten. „Durch Corona ist der Ablauf ein bisschen ins Stocken geraten“, bedauert der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates. Die Verzögerung hält sich jedoch in Grenzen. Es sind nur noch kleine Restarbeiten zu erledigen. Unter anderem fehlen noch die Anschlüsse für Telefon und Internet. „Dann wird hier alles eingerichtet“, kündigt Schwerin einen Arbeitseinsatz mit Endreinigung an. Die Möbel sind schon da. „Spätestens Ende August sind wir fertig“, nennt er ein Datum. Ob und in welcher Weise es eine Einweihungsfeier geben kann, hängt von der weiteren Corona-Entwicklung ab. Geplant ist ein Festgottesdienst. Möglicherweise wird bei der Einweihung auch gleich der 26. EFA-Geburtstag nachgeholt, der normalerweise im Frühling begangen wird.

Dass sich der Gemeindekirchenrat überhaupt für den Bau des neuen Pfarrbüros entschieden hat, hängt mit dem Zustand des Pfarrhauses zusammen, erklärt Schwerin. Bei dem Gebäude, errichtet 1646, handelt es sich um eine der ältesten Immobilien in Klötze. Seit dem Abschied von Pfarrer Johannes-Michael Bönecke im Jahr 2017 steht es leer. Ursprünglich sollte das altehrwürdige Objekt saniert werden. „Die Planungen waren schon so gut wie durch“, erinnert sich der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates. Aber: „Das wäre ein Fass ohne Boden geworden.“ Erstens ist es ungünstig geschnitten, was eine Trennung in einen privaten Wohn- und einen öffentlichen Gemeindebereich erschwert hätte. Zweitens ergab schon die erste Kostenschätzung einen eminent hohen Betrag. „Das neue Pfarrbüro kostet 120 000 Euro. Eine Sanierung des Pfarrhauses wäre fast dreimal so teuer geworden“, rechnet Schwerin vor. Es gibt etliche Mängel, vom Fachwerk bis zur Heizung. Und drittens bestand für eine Sanierung des Pfarrhauses keine unbedingte Notwendigkeit, weil Pfarrer Michael Nolte, seit Anfang 2019 im Amt, mit seiner Familie in einem Eigenheim in Quarnebeck lebt. Er ist sowohl von der Residenzpflicht (Pflicht des Pfarrers, im Pfarrbezirk zu wohnen), als auch der Dienstwohnungspflicht (Pflicht des Pfarrers, im Pfarrhaus oder in der Dienstwohnung zu wohnen) befreit. Darum entschloss sich der Gemeindekirchenrat, lieber ein neues Pfarrbüro zu bauen.

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Pfarrhaus wird verkauft

Indes soll das Pfarrhaus verkauft werden, wie Schwerin verrät. Es gibt sogar schon einige Interessenten. Bevor das Pfarrhaus verkauft wird, muss noch das Grundstück, auf dem sich am anderen Ende nun auch das neue Pfarrbüro befindet, geteilt werden. Je nachdem, wie groß der neue Eigentümer sein Grundstück haben möchte, wäre auf der anderen Teilfläche vielleicht noch genug Platz vorhanden, um dort ein neues Pfarrhaus zu bauen, wie Schwerin erläutert. Fest steht, dass der Erlös aus dem Verkauf des Pfarrhauses in eine Rücklage fließen soll. Zweckbestimmt. Daraus wird das neue Pfarrbüro finanziert und eventuell auch das neue Pfarrhaus.

Einstweilen ist Remo Schwerin froh, den Bau des neuen Pfarrbüros bald abgeschlossen zu haben. Er bedankt sich bei den beteiligten Baufirmen, allesamt aus der Region, und auch dafür, dass rings um das neue Pfarrbüro schon gepflanzt wurde. Das Gelände macht bereits einen einladenden Eindruck, stellt der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates zufrieden fest.