Klötze l Die Jugendlichen in dem Stuhlkreis sind Achtklässler der Beetzendorfer Sekundarschule, die dieses Jahr in Klötze beherbergt ist. Die Hälfte von ihnen hat schon Erfahrungen mit Alkohol gemacht. In dem Raum der ehemaligen Zinnbergschule sitzen die Schüler nicht still herum und hören sich nur an, was ihnen vorgebetet wird. Sie werden immer wieder aktiv in das Geschehen zum Thema Alkohol einbezogen. Dafür sorgt Annette Haring. Die Sozialarbeiterin ist selbst Mutter, lebt in Poppau und engagiert sich seit 15 Jahren in der Suchtprävention in Wolfsburg.

Sie führt die 14- bis 16-Jährigen an das Thema Alkohol heran. In Gruppen spielen sie um Punkte, um so mehr über Sucht, Gefahren und Folgen des Alkoholmissbrauchs zu erfahren. „Es ist nicht zwingend, dass Schüler in dem Alter bereits eigene Erfahrungen mit Alkohol gemacht haben“, räumt Annette Haring mit einem Vorurteil auf. Viele Schüler sehen selbst die Gefahren und zeigen sich interessiert am Thema, andere eher nicht. „Ein geiles Projekt, wir erfahren viel Neues“, sagt eine Schülerin. Sie drückt damit aus, was die meisten in der Klasse 8 a denken. Ein Jugendlicher sagt jedoch: „Ich würde lieber Mathe machen.“

Viel Beratung, wenig Prävention

Initiiert hat das Projekt Schulsozialarbeiterin Birgit Lange. Sie berichtet, dass dafür Gelder aus dem Projekt des Landes „Schulerfolg sichern“ fließen.

Annette Haring hat festgestellt, dass in der Region zwar viel zum Thema Alkohol beraten wird, „aber oft keine Prävention dabei ist“, sagt sie. Das möchte die Sozialarbeiterin mit ihrem Angebot ändern.

Auf Augenhöhe mit den Schülern

In der Sekundarschule bietet sie dazu zwei Module an. „Insgesamt soll die Risikokompetenz bei den Jugendlichen erhöht werden. Wir sprechen über das Jugendschutzgesetz, tauschen uns über Erfahrungen aus, machen Rollenspiele“, zählt Annette Haring auf. „Wichtig ist, dass alles interaktiv passiert und wir auf Augenhöhe mit den Schülern sprechen.“

Ein Punkt des Präventionsprogramms befasst sich mit einem Notfall. „Was ist zu tun, wenn wirklich mal jemand zu viel getrunken hat und bewusstlos aufgefunden wird?“, fragt Annette Haring die Schüler. Praktischen Bezug zum Alltag beweist das Projekt auch bei einer Diskussion über Partys ohne Alkohol. „Wir gucken in Rezeptbüchern nach Cocktails ohne Alkohol, sprechen über Vor- und Nachteile“, erläutert die Sozialarbeiterin. Zusammen mit den Jugendlichen will sie Alternativen zusammentragen, wie Partys auch ohne Alkohol und andere Drogen abgehen können, wie die sprichwörtliche Post. „Da bieten sich Party-Hits und Tanz an oder Spiele wie Flaschendrehen“, zählt sie auf. Vom Ergebnis solcher Präventionsprojekte ist Annette Haring überzeugt: „Es kommt viel an bei den Jugendlichen von dem, was bei der Projekt­arbeit vermittelt wird. Das ist anhand von Befragungen vorher und hinterher bereits überprüft worden.“