Schwiesau l Den vier Hühnern beim Picken zuzusehen, ist sehr beruhigend. Langsam stolzieren die gefiederten Tierchen durch ihr kleines, eingezäuntes Reich auf dem Rasen. Immer wieder gehen die Köpfe nach unten zum Boden. Mit den Schnäbeln sammeln sie zwischen den Grashalmen Futter auf. Ab und zu wird gegackert. Die „Damen“ lassen sich dabei nicht durch die zweibeinigen Zuschauer aus der Ruhe bringen, die direkt am Zaun stehen. Kein Wunder, schließlich kennen die Tiere das schon. Als Miethühner kommen sie oft mit Menschen in Kontakt.

„Die Tiere sind alle handzahm und zutraulich“, sagt ihr Besitzer, Elias Spalik aus Schwiesau. Der Gymnasiast bringt die Hühner unter anderem in Seniorenheime. Dort würden sie den Bewohnern eine Abwechslung im Alltag bieten, wie er im Gespräch mit der Volksstimme sagt. Im Sommer etwa würden die Senioren rausgehen, um die Tiere zu füttern und um zu sehen, ob Eier gelegt wurden.

„Die Tiere sind alle handzahm und zutraulich.“

Der Kontakt mit den Tieren hat manchmal ganz erfreuliche Folgen. So hätte eine Seniorin, die sonst in sich gekehrt gewesen sei, nachdem sie einige Zeit mit den Hühnern verbracht hatte, angefangen von früher zu erzählen, sagt Elias Spalik. Zu seinen Kunden zählen auch Kitas. Außerdem melden sich Privatleute, die das Halten von Hühnern erst einmal ausprobieren wollen, bevor sie den Schritt wagen und sich selbst Tiere anschaffen.

Seine Geschäftsidee hatte der Gymnasiast bereits 2018, richtig gestartet ist sein Unternehmen namens „Huhn to Go“ dann 2019 (Volksstimme berichtete). Wie kam er darauf? „Ich habe davon im Radio gehört und mir gedacht, das kannst du mal probieren“, sagt Elias Spalik und ergänzt: „Es kam gut an.“ Und es läuft.

Nun wird das Angebot erweitert: Wer handlichere Tiere als Hühner bevorzugt, kann sich Wachteln mieten oder Küken beim Schlüpfen und Aufwachsen zusehen. Vier Wachteln gibt es schon, sie leben wie die Hühner in einem selbstgebauten mobilen Stall, zu dem ein kleines Häuschen gehört. Davor ist eine Freilauffläche eingezäunt.

Besonders geeignet seien die Wachteln übrigens für die Stadt. Sie könnten auch auf einem kleinen Grundstück untergebracht werden. Die kleinen Eier seien eine besondere Delikatesse, so Elias Spalik. Häufig legten die Tiere einmal am Tag. Streicheltiere seien die kleinen, zierlichen Vögel aber nicht. „Man sollte sie lieber nur angucken“, sagt der Besitzer. Für die Wachteln habe sich bislang noch kein Interessent gemeldet.

Die größeren Hühner sind hingegen gefragt. Mittlerweile gibt es zwei Gruppen mit jeweils vier Tieren. Die haben auch Namen, bestätigt Elias Spalik auf Nachfrage. „Aber die Kinder in den Kitas geben ihnen gern eigene Namen.“ Verbunden ist das Vermieten der Tiere für ihn mit reichlich Arbeit, die neben der Schule anfällt. Kundenanfragen müssen beantwortet, die Zeiten koordiniert, Futter besorgt und der Stall vorbereitet werden. Die Auslieferung der Tiere kann schon mal einen Tag in Anspruch nehmen. Meistens geht es am Sonnabend auf Tour. Längst packt die ganze Familie mit an. Die Eltern sind mit im Boot, ebenso der Opa und Jacob, Eliasʼ jüngerer Bruder. Der soll das kleine Unternehmen übrigens weiterführen, wenn Elias nach diesem Jahr mit der Schule fertig ist.

„Das funktioniert nicht auf der Terrasse.“

Gefragt sind die Hühner besonders in der großen Stadt. „In Magdeburg läuft es am besten“, sagt Elias Spalik. In den ländlicheren Regionen Klötze und Gardelegen könnte die Nachfrage seiner Aussage nach etwas lebhafter sein. Auf die ganz große Reise gehen die Tiere übrigens nicht. Der Umkreis, in dem vermietet wird, ist begrenzt. „Ich traue ihnen eine Stunde Fahrt zu“, so Elias Spalik. Die 80 Kilometer bis Magdeburg seien die Grenze. Mindestens eine Woche müssten Kunden mieten, damit die Tiere zwischen der Hin- und Rückfahrt eine Beruhigungsphase haben. Nach oben gebe es bei der Dauer keine Grenze.

Futter und Heu sind im Paket enthalten, ebenso das selbst konstruierte kleine Hühnerhaus auf Rädern, das auf einen Autoanhänger passt. Die Kunden brauchen nur eine Fläche im Freien, um den mobilen Stall aufstellen zu können. „Das funktioniert nicht auf der Terrasse“, schränkt Elias Spalik ein.

Nächste Station für die Hühner, die Saison dauert von März bis November, ist wieder in der Nähe von Magdeburg. Den Winter verbringen die Tiere im festen Stall in Schwiesau. Bis zu sechs Jahre alt kann ein Huhn werden, weiß Elias Spalik. Doch nach zwei bis drei Jahren würden sie weniger Eier legen. Dann kämen jüngere Tiere in die Gruppen.

Eine weitere Vergrößerung des Geschäftes plant der junge Schwiesauer vorerst nicht, wie er sagt. Es gebe aber noch neue Felder, die besetzt werden könnten. Denn manchmal werde er von Interessenten nach Lamas oder Ziegen gefragt. Doch die machten in der Haltung zu viel Arbeit. Das Geflügel sei ein guter Mittelweg.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.huhn-to-go.com