Klötze l Wann wird die Sirene heulen und der Pieper schrillen, um zum nächsten Einsatz zu rufen? Das wissen die Aktiven der Freiwilligen Feuerwehren in der Einheitsgemeinde Stadt Klötze vorher nicht. Doch sie sind zur Stelle, wenn sie gebraucht werden. Egal, ob am Tag oder in der Nacht.

Zu insgesamt 53 Einsätzen rückten etwa die Brandbekämpfer der Klötzer Ortsfeuerwehr im Jahr 2020 aus. Am Ort des Geschehens wurde es nicht selten brenzlig: Zimmerbrände und einen Scheunenbrand, einen brennenden Papierkorb, eine Auto-Batterie, einen Baum einen Mini-Bagger, einen Radlader und eine landwirtschaftliche Maschine – das sind nur einige Beispiele – mussten die Feuerwehrleute im vergangenen Jahr löschen.

Begriff "Türöffner"

Doch in der Statistik lassen sich auch Einsätze finden, bei denen kein Wasser zum Einsatz kommen musste. Dabei handelt es sich um Hilfeleistungen. Manchmal taucht etwa der Begriff „Türöffnung“ auf. Welche Aufgaben übernehmen die Freiwilligen eigentlich noch neben dem Löschen? Das fragte die Volksstimme bei der Klötzer Ortswehr nach.

Die Türöffnungen, zu denen die Kameraden in den vergangenen zwölf Monaten gerufen wurden, lassen sich an einer Hand abzählen. Es waren genau fünf. „Für Klötze ist das nicht viel, es muss aber auch nicht mehr werden“, sagte Matthias Veit, der Klötzer Orts- und Stadtwehrleiter ist. Ersetzt die Feuerwehr also den Schlüsseldienst? So einfach ist es nicht. Die Feuerwehr werde immer gerufen, wenn Gefahr bestehe, erklärte Veit. „Wir hatten immer konkrete Fälle“, blickte er auf die Einsätze 2020 zurück. Als Beispiel nannte er einen Einsatz, bei dem Essen auf dem Herd kochte, während die Mieterin draußen vor der Wohnungstür stand, die hinter ihr zugegangen war. „Da hätte was Schlimmeres passieren können“, weiß der Wehrleiter. Also machten die Aktiven die Tür auf. Am Ende sei immer der Einsatzleiter vor Ort verantwortlich und müsse entscheiden, ob eine Gefahr besteht.

Einsatzleiter muss begründen

Wenn es schnell gehen muss, kann nicht unbedingt darauf geachtet werden, dass keine Schäden entstehen. „Eine zerstörungsfreie Türöffnung geht nicht immer“, sagte Zugführer Stefan Lange, der bei der Ortswehr für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Zunächst werde versucht, die Tür möglichst unbeschadet zu lassen. „Klappt das nach zwei Minuten nicht, muss das Öffnen bei Gefahr gewaltsam passieren“, machte Matthias Veit deutlich. Doch einfach so machen sich die Kameraden nicht an die Arbeit, um die Tür zu öffnen. „Vorher müssen wir die Lage erkunden und erst einmal gucken, ob vielleicht ein Fenster offen ist, durch das wir vielleicht in die Wohnung gelangen können“, beschrieb der Wehrleiter das Vorgehen vor Ort und ergänzte: „Das ist ein Verwaltungsakt. Der Einsatzleiter muss begründen, warum die Tür geöffnet wurde.“

Nebenbei werde die Drehleiter in Stellung gebracht. Zwei bis drei Fahrzeuge seien bei solchen Einsätzen vor Ort, wusste Stefan Lange, doch nur ein bis zwei Kameraden könnten tatsächlich gleichzeitig an der Tür arbeiten. Was sie am Einsatzort erwartet, wissen die Brandbekämpfer noch nicht genau, wenn sie das Gerätehaus verlassen. „Wir haben nur die kurze Mitteilung von der Leitstelle“, so Lange. Geht es zu einem größeren Wohnblock, könnte es nötig sein, Verstärkung zu anzufordern. Auch dafür sei der Einsatzleiter verantwortlich und müsse die Entscheidung treffen und vertreten. Nach dem Öffnen versuche man dafür zu sorgen, dass sich die Tür wieder abschließen lässt, sofern das möglich ist.

„Wenn die Polizei uns anfordert, können wir nicht ablehnen und müssen hinfahren“, erklärte Wehrleiter Matthias Veit. Dann sei nicht die Frage, ob die Brandbekämpfer die Tür aufmachen, sondern wie das passiert. „Dafür brauchen wir nicht so viele Fahrzeuge“, so Veit. Es reiche eine minimale Besatzung. Alarmierungen durch die Polizei könnten aber auch gefährlich werden, wusste Stefan Lange. Denn was ist hinter der Tür los? Besteht vielleicht die Gefahr, dass die Feuerwehrleute bei ihrem Einsatz von einem aggressiven Angreifer attackiert werden, der nach dem Öffnen der Tür auf sie zustürmt?

Unterstützung des Rettungsdienstes

Eine weitere Aufgabe der Feuerwehr ist die Tragehilfe. Dabei unterstützen die Brandbekämpfer zum Beispiel den Rettungsdienst. Menschen, die nicht mehr selbst laufen können, werden dann etwa mit Muskelkraft aus ihrer Wohnung in den Rettungswagen getragen. Zum Beispiel aus einem der Wohnblocks in der Wasserfahrt – von ganz oben nach unten. „In den letzten Jahren konnten wir diese Einsätze an einer Hand abzählen, sie sind sehr selten“, betonte Zugführer Stefan Lange.

Bei den 53 Einsätzen der Klötzer Wehr im Corona-Jahr 2020 rückten die Kameraden zu deutlich mehr Brandereignissen als Hilfeleistungen aus. „Sonst ist es umgekehrt“, sagte Matthias Veit. Aktiv waren die Klötzer unter anderem auch, als eine Gasausströmung in der Neustädter Straße festgestellt wurde und sie unterstützten die Polizei vor einigen Wochen, indem sie nach einem Fahrradunfall den Ort des Geschehens ausleuchteten. Früher hätte die Feuerwehr ebenfalls zwei Kräfte für die Aufführungen der Klötzer Theatergruppe im Altmarksaal abgestellt oder das Feuerwerk zum Martinimarkt überwacht. Beides entfiel 2020 coronabedingt. Auch eher wenige Ölspuren wurden auf den Straßen beseitigt.