Nasser Tod

Spaziergänger entdeckt Toten im Kanal

Einsatzkräfte von vier Feuerwehren mussten am Sonntag kurz nach 12 Uhr einen Toten aus dem Mittellandkanal bergen.

Von Harald Schulz 15.08.2016, 14:07

Bergfriede l Der Aufmerksamkeit eines Spaziergängers ist es geschuldet, dass am Sonntag kurz nach 12 Uhr ein Toter aus dem Mittellandkanal geborgen werden konnte. Der Rätzlinger war zu Fuß entlang des Kanals zwischen Bergfriede und Frankenfelde unterwegs, als er den leblos im Wasser treibenden Körper an der Wasseroberfläche entdeckte und mit einem Notruf die Bergung des Leichnams auslöste.

Sirenenalarm rief die Kameraden der Feuerwehren Oebisfelde, Niendorf-Bergfriede, Weddendorf und Bösdorf zu ihren Gerätehäusern, um zum Einsatzort auszurücken. Für Einsatzleiter Frank Hartwig von der Oebisfelder Wehr sind derartige Einsätze stets heikel, da die Bergung und damit der Kontakt zu Toten eine Extremsituation im Einsatzgeschehen bedeutet.

So auch am Sonntag am Bootsanleger. Der männliche Tote musste schon längere Zeit im Wasser getrieben haben, worauf typische Merkmale eines länger im Wasser liegenden Leichnams hinwiesen. Wie von Hartwig zu erfahren war, werden zu solchen Einsätzen zumeist lebenserfahrene Einsatzkräfte herangezogen. Ein Zwang, sich derartigen körperlichen und seelischen Belastungen auszusetzen, besteht jedoch für keinen Feuerwehrkameraden.

Der Tote konnte dann ohne weitere Komplikationen aus dem Mittellandkanal vom Uferrand auf festen Grund geborgen werden, wo ein Notarzt zweifelsfrei den Tod feststellte. Auch gelang es der Kriminalpolizei mittlerweile den Mann zweifelsfrei zu identifizieren.

Der Tote wurde 57 Jahre alt, wohnte in Gröningen und war zuletzt im Ameos-Krankenhaus in Haldensleben untergebracht. Der Mann hatte bereits am Dienstag, 9. August, die Klinik auf eigenen Wunsch verlassen, so die Ermittlungen der Kriminalpolizei. Der gesetzlich verantwortliche Betreuer hatte jedoch bereits kurze Zeit später eine Vermisstenanzeige veranlasst, die jedoch nicht zum Auffinden des Gesuchten führte.

Die Kripo hat nun weitere Ermittlungen eingeleitet, um die näheren Umstände, die zum Tod führten, exakt aufzuklären. Gegenwärtig wird geprüft, ob möglicherweise ein Unglück oder Suizid die Ursache des Todes war. Der Leichnam wurde zur weiteren Untersuchung in die Gerichtsmedizin nach Magdeburg gebracht.

Für die Einsatzkräfte der Feuerwehren in der Einheitsgemeinde Oebisfelde-Weferlingen ist die Bergung von Toten aus dem Mittellandkanal keine Seltenheit, erst recht keine Routine. Nun aber musste erneut binnen kurzer Zeit ein aufgefundener toter Mann geborgen werden (Volksstimme berichtete). In aller Regel werden Feuerwehrkameraden bei derartigen Einsätzen hinzugezogen. Auf solche speziellen Einsatzabläufe werden die Feuerwehrfrauen und -männer jedoch nicht speziell ausgebildet, gibt Oebisfeldes Wehrleiter Hartwig zu bedenken.

Die seelischen Belastungen sind für Kameraden und Kameradinnen enorm, weshalb der jeweilige Einsatzleiter ein besonderes Maß an Verantwortung gegenüber den Einsatzkräften an den Tag legen muss. Doch nicht immer ist das möglich, weiß auch der erfahrene Feuerwehrchef.

Die Bergung des Toten am Sonntag nahe Bergfriede verlief dank erfahrener Feuerwehrkameraden reibungslos. Allein die große Anzahl der Einsatzkräfte erlaubte eine Auswahl der Freiwilligen, hieß es von Hartwig.