Klötze l Die Bürgerinitiative (BI) "Pro Erdkabel" lehnt den Bau einer neuen Freileitung von Kunrau bis nach Tylsen ab. Das bekräftigen deren Mitglieder nach einer Informationsveranstaltung der Avacon in Beetzendorf erneut. Sie erkennen zwar an, dass eine stabile energetische Versorgung zu einer absoluten Notwendigkeit geworden sei und erforderliche Investitionen getätigt werden müssen. Um mögliche gesundheitliche Risiken zu vermeiden, fordern sie aber ein Erdkabel statt einer Freileitung.

"Doch genau in diesem Punkt positioniert sich die Avacon konträr und benennt ausschließlich die Kosten als den wesentlichen Aspekt für eine Freileitung", schreiben Kathrin Wißwedel und Dirk Frenzel stellvertretend für alle BI-Mitglieder.

Schon heute würden viele Windparks und Freileitungen das Landschaftsbild prägen, so dass bei weiteren Investitionen auf Alternativen gesetzt werden müsse, heißt es weiter. "Unser Landschaftsbild ist einmalig und sollte es auch bleiben - ein Erdkabel ist ein fairer Kompromiss", erläutern die BI-Mitglieder.

Gesetzgeber hat Richtwerte festgelegt

Der Gesetzgeber hat für die Entscheidung, ob Freileitung oder Erdkabel, Richtwerte festgeschrieben. Ein Erdkabel ist dann zu verlegen, wenn es nicht mehr als das 2,75-fache einer vergleichbaren Freileitung kosten würde. "Nach Berechnungen der Avacon liegen diese Kosten aber höher, ohne dass Einzelheiten nachgewiesen wurden", kritisiert die BI. "Wir zweifeln diesen Preisvergleich der Avacon aufgrund eines vorliegenden Gutachtens an, ebenso die gesundheitliche Unbedenklichkeit, für die die Avacon keinerlei Grenzwerte und Mindestabstände zu Wohnungen nennen konnte."

Die Freileitung würde 350 Meter von der Kunrauer Grundschule entfernt verlaufen, betont Kathrin Wißwedel und macht auf Studien aus Großbritannien aufmerksam, die Leukämie-Fälle bei Kleinkindern in Verbindung mit Freileitungen bringen würden.

Während der Info-Veranstaltung in Beetzendorf gingen die Vertreter des Energieversorgers auch auf die gesetzlichen Vorgaben ein (nachzulesen unter www.avacon.de). Zum Beispiel werde im Energiewirtschaftsgesetz verlangt, dass der Energieversorger eine möglichst sichere, preisgünstige, verbraucherfreundliche, effiziente und umweltverträgliche Versorgung mit Elek­trizität sicherstellen soll. Als Kostenfaktor gab die Avacon zwischen drei und vier an, weshalb derzeit eine Freileitung favorisiert wird. Für das Planfeststellungsverfahren will das zu 40 Prozent kommunale Unternehmen Avacon allerdings exakte Berechnungen für eine Freileitungstrasse und eine Kabel­trasse einreichen. Die endgültige Entscheidung soll dann das Landesverwaltungsamt in Halle fällen.

So lange wollen die Mitglieder der BI nicht untätig zusehen. Sie bemängeln auch, dass die Avacon keine Stellung zu gesundheitlichen Risiken, Auswirkungen von Elektrosmog und magnetischen Feldern von Hochspannungsleitungen bezogen habe. "Warum eigentlich nicht?", fragen sie. "Es wurden bisher weder zu erwartende Emissionswerte noch zu beachtende Grenzwerte beziehungsweise Mindestabstände zu Wohnbebauungen benannt."

Der BI sei inzwischen ein Teilerfolg gelungen, informieren Kathrin Wißwedel und Dirk Frenzel. Denn die Avacon habe in einer Info-Veranstaltung eingeräumt, "dass auch aufgrund des Protestes von Bürgern das heikle Jeetzetal bei Siedenlangenbeck mit einem Erdkabel durchquert wird". Auf den Naturschutz und das Tierwohl werde scheinbar Rücksicht genommen. "Warum dann nicht in Gänze auch auf die Bevölkerung?", fragt die BI.

Nachdem sich die Bürgermeister von Klötze, Beetzendorf und Kuhfelde deutlich gegen die Freileitung positioniert hätten, plant die BI, die Landtagspolitiker der Region zu dem Thema anzusprechen. Weiter sind Unterschriftensammlungen, die Listen dafür können in der Gemeindeverwaltung Beetzendorf abgeholt werden, vorgesehen.

Wer die Ziele der BI unterstützen möchte, kann sich per E-Mail an ProErdkabel.Jeetzetal@gmail.com informieren. Das nächste BI-Treffen ist für den 17. Mai in Neuferchau vorgesehen.