Klötze l Viele Bäume wachsen im Klötzer Wald. Ob sie wohl jemals jemand gezählt hat? Sicher sagen lässt sich nur, dass dort seit Sonntag ein weiteres Exemplar wächst. Genauer: eine Esskastanie. Sie wurde zum Baum des Jahres 2018 erklärt. Gepflanzt wurde die Kastanie beim Tag des Baumes, zu dem das Betreuungsforstamt Westliche Altmark an die Lehrausbildungsstätte Zartau eingeladen hatte. Zahlreiche Naturfreunde wollten sich das nicht entgehen lassen.

Die Aufgabe, das noch schmale und zerbrechliche Stämmchen im Arboretum im Wald in die Erde zu bringen, übernahm Klötzes Ortswehrleiter Mirko Pickert. Als Dank dafür, dass er sich so für die Feuerwehr einsetzt, begründete Försterin Diana Fiedler, die die Besucher an diesem Tag begrüßte. In seiner blauen Uniform grub Pickert, der von Forst-Lehrlingen unterstützt wurde, mit dem Spaten ein Loch und versorgte das Bäumchen abschließend mit reichlich Wasser aus einem Eimer.

Bis zu 35 Meter hoch

Dass die Esskastanie nicht mit der Rosskastanie verwandt ist, wussten die Auszubildenden des Betreuungsforstamtes zu berichten, als sie den Star des Tages kurz vorstellten. „Die Esskastanie kann im Wald bis zu 35 Meter hoch werden“, erzählten sie. Einen warmen Standort benötige der Baum, der vor gut 2000 Jahren von den Römern in den süddeutschen Raum gebracht worden sei. Die Früchte der Esskastanie, die Maronen, würden beispielsweise für die Zubereitung von Suppen und beim Brotbacken Verwendung finden. Zudem seien sie auch geröstet schmackhaft. Und selbst Goethe habe die Maronen zu schätzen gewusst und ihnen ein Gedicht gewidmet.

Seit 1989 wird der Baum des Jahres in Deutschland ausgerufen, berichtete Försterin Diana Fiedler. „Dieses Jahr wird der 30. Baum in Deutschland gepflanzt.“ Die Wahl treffe ein Kuratorium.

Blick auf den Wegesrand

Bevor die Esskastanie ihr neues Zuhause fand, wanderten die Naturfreunde noch durch den Klötzer Forst. Auf der rund zwei Kilometer langen Tour bekamen die Frauen und Männer dabei viel Wissenswertes über die Pflanzen am Wegesrand zu hören. An bestimmten Stellen gab der Salzwedeler Hobby-Botaniker Günter Brennenstuhl sein Wissen über die heimische Flora weiter. Er freute sich etwa über einen toten Baum, der nicht als Kaminholz geendet ist. Dieser werde nun langsam vergehen. Solange könnten sich Tiere wie der Specht an den Larven, die im Holz zu finden seien, gütlich tun. Auf dem Grünstreifen eines Waldweges fiel Brennenstuhls Blick auf eine Wiesenprimel. „Sie ist kaum noch auf Wiesen zu finden“, wusste der Experte und nannte als einen Grund die Kultivierung der Flächen. Heute könne man sie dafür an Straßengräben oder eben Feldwegen sehen.