Kusey l Mit eindringlichen Worten warnt Florian B. (Name ist der Redaktion bekannt) über das soziale Netzwerk Facebook die Eltern der Region: „Leute, passt auf eure Kinder auf!“

Junge von hinten gepackt

Was er dann beschreibt, ist wohl der Alptraum aller Mütter und Väter. Denn sein zehnjähriger Sohn ist am Mittwoch, 9. Dezember, offenbar beinahe das Opfer einer Entführung geworden.

Am Nachmittag gegen 15.30 Uhr will der Junge einen Freund im benachbarten Neuferchau besuchen. Etwa 100 Meter vor dem Ortseingang auf Höhe eines kleinen Teiches steht am Straßenrand ein Auto. Es parkt mit der Front zur Straße.

Im Würgegriff

Sein Sohn sei um den Wagen herumgegangen, habe sich nichts dabei gedacht, beschreibt Florian B. im Gespräch mit der Volksstimme die Situation. Kurz darauf habe er bemerkt, dass ihm der Fahrer hinterhergelaufen sei. „Er hat ihn von hinten an der Kapuze gezogen und ihn wohl in den Würgegriff genommen.“

Mit den Worten, er solle still sein, habe der Mann dann versucht, den Jungen in Richtung seines Autos zu ziehen, berichtet der Vater. Zum Glück habe sich der Junge gewehrt. „Mit einer Kopfnuss nach hinten“, beschreibt der Vater, was ihm sein Sohn später schildert. Und der Mann hatte wohl nicht mit so heftiger Gegenwehr gerechnet. Er ließ von dem Jungen ab. Der konnte weglaufen und sich im Haus des Freundes in Sicherheit bringen.

Offenbar hatte der Zehnjährige die Situation zunächst aber gar nicht richtig realisiert. Erst nach etwa einer Stunde habe er zu Hause angerufen und den Vorfall geschildert. Zuvor hatte er gemeinsam mit seinem Freund das Auto auch noch einmal gesehen. „Etwa 50 Meter vom Haus entfernt. Er muss ihm also nachgefahren sein“, vermutet der Vater.

Anzeige bei Polizei eingegangen

Die Familie hatte, nachdem ihr der Junge den Vorfall genau geschildert hatte, sofort bei der Polizei Anzeige erstattet. „Die Anzeige ist eingegangen. Es laufen intensive Maßnahmen“, versichert Franziska Hotopp, Polizeisprecherin im Revier Salzwedel, gestern telefonisch. Bislang könne man allerdings noch nichts Weiteres bekanntgeben.

Möglicherweise könnte es ja noch einen Zeugen geben, glaubt Florian B.. Denn wie sein Sohn ihm berichtete, sei während des Übergriffes ein Auto an ihm und dem möglichen Entführer vorbeigefahren. „Wenn derjenige das liest, sollte er sich bitte bei der Polizei melden“, fordert er über Facebook den oder die Fahrerin auf, und an alle Eltern gerichtet: „Passt bloß auf!“

Vater will warnen

„Ich will vor allem warnen“, sagt der Familienvater. Mit der überwältigenden Reaktion in dem sozialen Netzwerk habe er aber tatsächlich nicht gerechnet. Binnen kürzester Zeit war sein Post viele Hundert Mal geteilt worden. Es gibt auch schnell Nachfragen, Tipps und gute Wünsche für die Familie.

Seinem Sohn, der die Aufregung bis jetzt augenscheinlich sehr gut verkraftet hat, wie der Vater auf Nachfrage bestätigt, hat wohl vor allem geholfen, dass die Familie in der Vergangenheit sehr offensiv mit dem Thema umgegangen ist. Wenn ähnliche Fälle durch die Medien gingen, hätten seine Eltern das stets zum Anlass genommen, mit dem Sohn über solche Situationen zu sprechen. „Nicht nur einmal, sondern immer mal wieder“, sagt Florian B.