Apenburg l Am 31. August und 1. September sollte es wieder starten, das traditionelle mittelalterliche Burgfest rund um die Alte Burg zu Apenburg, das seit 21 Jahren tausende Gäste anlockt. Doch die Entscheidung der Stadt Gardelegen, den Termin für ihr Hansefest kurzfristig ebenfalls auf das erste September-Wochenende zu verlegen und damit dem Burgfest Händler, Künstler und Besucher streitig zu machen, macht Organisator Andreas Schwieger und seiner gemeinnützigen Gesellschaft Siegel von Apenburg einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. So gewaltig, dass der Apenburger schweren Herzens entschieden hat, das Burgfest abzusagen. „Es wird nicht zeitgleich zum Gardelegener Hansefest stattfinden, das ist eine rein kaufmännische Entscheidung“, verkündete Schwieger sichtlich enttäuscht gegenüber der Volksstimme.

Das unternehmerische Risiko für ihn als Veranstalter sei durch den Schritt der Gardelegener zu hoch geworden. „Die Basis zur Finanzierung hochkarätiger Künstler durch Eintrittsgelder und Händler-Versorger-Abgaben ist nicht mehr gegeben, wenn ganz in der Nähe ein so großes Fest wie das Hansefest plötzlich am gleichen Wochenende stattfindet“, so Schwieger.

Einigungsversuche fehlgeschlagen

Die Verlegung des Hansefest-Termins auf das Burgfest-Wochenende hat der Apenburger rein zufällig vor einer Woche aus dem Internet erfahren. Sofortige Versuche, mit den Verantwortlichen der Stadt Gardelegen eine Einigung zu erzielen und das Hansefest wieder auf einen anderen Termin zu schieben, schlugen fehl. Auch der neue Altmärkische Regionalmarketing- und Tourismusverband habe ihm nicht helfen können, zeigte sich Andreas Schwieger konsterniert.

„Seit mehr als 15 Jahren steht der Apenburger Termin jedes Jahr am ersten September-Wochenende, auch wenn wie in diesem Jahr nur der Sonntag in den September fällt“, erklärte der Apenburger. Das wüssten nicht nur die Händler und Künstler, die sich darauf eingestellt haben, sondern auch die Kommunen, die dem Burgfest aufgrund der Gemeinnützigkeit kostenlose Plakatwerbung in ihrem Bereich gewähren. „Dazu gehört auch Gardelegen, denn das Einzugsgebiet der Burgfest-Besucher reicht bis Letzlingen“, meinte Andreas Schwieger.

Verlegung nicht möglich

Das Burgfest selbst in diesem Jahr zeitlich zu verlegen, ist für den Apenburger keine Lösung. „Dafür sind wir einfach zu groß geworden“, so Schwieger. Alle Mitwirkenden wie Versorger, Händler und Künstler hätten sich auf den langjährigen Termin eingestellt, zudem hätten Helfer bereits Urlaub eingereicht, um beim Auf- und Abbau des Festplatzes zu helfen. Zirka 60 aktive und 50 passive Unterstützer stehen Jahr für Jahr beim Burgfest in den Startlöchern.

Ein Ausweichen auf das zweite September-Wochenende kommt wegen des gleichzeitig stattfindenden Festivals „Wagen und Winnen“ in der Region und des Tages des offenen Denkmals nicht in Betracht. Und auch das letzte August-Wochenende kollidiert mit anderen Veranstaltungen in der Nachbarschaft. „Da ist das große Trecker-Treffen in Winterfeld, das ähnlich wie das Burgfest organisiert wird“, erläuterte Andreas Schwieger.

Endgültiges Aus droht

Die Absage des Festes, die wahrscheinlich auch das endgültige Aus für die Traditionsveranstaltung bedeuten dürfte, tut dem Apenburger in der Seele weh. „Es war immer Anliegen des Burgfestes, auch sozial Schwachen und insbesondere den Kindern einen preiswerten Zugang zu Kunst und Kultur zu ermöglichen sowie wissenswerte Geschichte zu vermitteln“, so Schwieger, der die Organisation 2012 von der Gemeinde übernommen hat und das Fest seitdem mit seiner Siegel von Apenburg gGmbH privat finanziert.

Man habe gezeigt, dass so ein großes Fest auch in Privatregie funktioniert, „gewachsen im Bewusstsein vieler ehrenamtlicher Helfer, sich mit zu engagieren und dabei eine ganz eigene Selbstfindung zu erfahren“. Die Ehrenamtlichen, aber auch die sich selbstständig herausgebildeten Gruppen, die das Fest auf vielfältige Weise bereicherten, sowie vor allem die Kinder, die immer im Mittelpunkt des Burgfestes standen, seien eindeutig die Verlierer der jetzigen Entscheidung, die aber aus wirtschaftlichen Gründen unumgänglich sei.

Schuldzuweisungen will Andreas Schwieger nicht treffen. Es sei offensichtlich so, dass das Recht des Stärkeren regiere. „Dieser Zustand, dass große Veranstalter beliebig Termine ändern und so bei den Kleinen ein Chaos verursachen, ist eben ein Spiegelbild unserer Ellenbogen-Gesellschaft“, sagte der Burgfest-Organisator traurig.