Kusey l Schon kurz nach 19 Uhr ist der Saal richtig voll. Immer mehr Besucher wollen sich das Theaterstück mit „Bühnen-Reif“ aus Salzgitter nicht entgehen lassen. Zumal es sich um die 20. Aufführung der Salzgitteraner seit 1998 in Kusey handelt, wie Andrea Gädicke genau mitverfolgt hat. „Nur einmal haben sie ausgesetzt“, erläutert sie. Zu dem kleinen Jubiläum am Sonnabend haben die Akteure die Komödie „Vorhang!“ von John Chapman mitgebracht.

Der Saal füllt sich zusehends. Auch Klötzer, Quarnebecker und Theaterfreunde aus anderen Ortsteilen sind unter den Zuschauern, als der Vorhang pünktlich geöffnet wird. Die Handlung ist dieses Mal nicht schnell erzählt und schon gar nicht einfach. Dafür gibt es mehrere Gründe. Der eine ist, dass die Komödie in zwei Ebenen spielt: Die erste Ebene ist das eigentliche Theaterstück, die zweite das Privatleben der Schauspieler. Beide Welten werden auf der Bühne so vermischt, dass für den Zuschauer nicht immer gleich deutlich wird, wo sich die Handlung gerade befindet.

Basis ist eine eher unspektakuläre Komödie, die von den Akteuren auf der Bühne gespielt wird. Rupert und seine Ehefrau empfangen Gäste zum Essen, ein befreundetes Ehepaar. Doch schon in den ersten Minuten gerät alles durcheinander. Rupert bekommt nämlich heraus, dass Charles ein Techtelmechtel mit seiner Ehefrau Madge angefangen hat. Ganz normal für derartige Komödien. Völlig unnormal und deshalb ein besonderer Spaß für die Zuschauer ist, was dann folgt. Denn der gehörnte Ehemann will das nicht auf sich sitzen lassen, den Nebenbuhler und seine Angetraute zur Rede stellen. Dafür sucht er sich aber den denkbar ungünstigsten Zeitpunkt und Ort aus: die Bühne während ihres Auftritts.

Der Betrogene startet dort eine Jagd auf den Nebenbuhler. Das treibt seine Schauspieler-Kollegen fast in den Wahnsinn, reißt aber das Publikum zu Lachstürmen hin. Beispielsweise antwortet Rupert auf die Frage, was denn Auslöser für die Ehekrise war: „Dass wir geheiratet haben, war der Auslöser.“

Nicht sehr hilfreich ist das Auftauchen von Mrs. Cullen, der Mutter von Sarah. Die Diva verschärft den Zwist zwischen den Fronten noch mehr. Sie fragt ihre Tochter: „Hast Du ihn geärgert?“ Antwort: „Nein, der ist immer so.“

Eindruck der Fähigkeiten

Völlig ungeeignet ist diese Situation auch für den alternden Shakespeare-Darsteller Edward. Er will seinem Agenten einen Eindruck von seinen Fähigkeiten verschaffen – unter diesen Umständen ein aussichtsloses Unterfangen.

Wer nun irritiert wegen der Verwechslungen mit einem Blick in den mitgebrachten Flyer zum Stück schauen will, wird vollends verwirrt. Dort bringen nicht eindeutige Namen in der Inhaltsbeschreibung den Ratsuchenden erst richtig durcheinander. Damit ist das Durcheinander perfekt.

Das Gros der Zuschauer ließ sich von dem Verwirrspiel um Liebe, Treue und Schauspielerehre mitreißen und genoss einen vergnüglichen Theaterabend. „Geil, oder?“, zeigte sich beispielsweise Gundel Nieder sehr erfreut.

Doch es gab auch andere Stimmen. Zwei Frauen verließen den Saal in der Pause vorzeitig. Sie sagten: „Uns ist das zu leise. Wir verstehen deshalb die Gags nicht immer. Vielleicht sollten die Mal wie die Klötzer Theatergruppe mit kleinen Mikrofonen auftreten.“