Klötze l Müll, Müll und nochmal Müll. Wohin das Auge auch schaut, fast in jedem Straßengraben, an jedem Feldweg und in jedem Waldstück liegt Müll herum. Mal ist es „nur“ eine Plastiktüte oder ein Pappkarton, mal scheint ein ganzer Hausstand aufgelöst worden zu sein. Dass der Müll immer mehr zu werden scheint, ist auch Sophie Marie Faix aufgefallen. Die junge Frau studiert in Magdeburg Internationales Management und verbringt derzeit ihre Semesterferien daheim in Klötze-Süd. Sie liebt den Aufenthalt in der Natur und erfreut sich an der wunderschönen Umgebung. Doch der Müll verdirbt ihr die gute Laune.

Elektroschrott

Seit rund vier Wochen ist Sophie Marie Faix nun schon in der alten Heimat. Ein gutes Gefühl. Aber sowohl beim Spazierengehen mit dem Hund als auch beim Joggen musste sie feststellen, dass man kaum einen Schritt durch Feld, Wald und Flur wandeln kann, ohne über Müll zu stolpern. „Also“, berichtet sie, „habe ich vor einer Woche angefangen, den Müll aus Klötze-Süd zusammen mit meinen Freund, ebenfalls Student an der Otto-von Guericke-Universität und ursprünglich aus Klötze, in blauen Säcken mit Handschuhen einzusammeln.“ Dabei stellte sich die Frage: Wohin damit? Im Klötzer Rathaus habe man ihr keine ausreichende Antwort geben können. „Auf die Frage, wer denn den Elektroschrott (eine Mikrowelle, eine Kaffeemaschine) aus Klötze-Süd wegräumt, der sich noch immer im Straßengraben bei der Goethestraße befindet, wurde geantwortet, dass man sich das anschauen würde.“ Aber selbst nach einer Woche habe sich nichts getan, ärgert sich Sophie Marie Faix. Also brachte sie die blauen Säcke mit ihrem Freund zu einem öffentlichen Mülleimer in der Kirschallee. „Das kann aber keine langfristige Lösung sein“, weiß die 20-Jährige.

Hoffnung auf Gleichgesinnte

Am Dienstag sammelte sie mit ihrem Freund den Müll an der Fliederallee ein, den Müllsack brachten die beiden jungen Leute gegen Mittag erneut zum Mülleimer an der Kirschallee. Nur wenige Stunden später kamen sie dorthin zurück und sahen, dass der Müllsack aufgerissen oder aufgeschnitten war. Der Inhalt, so erzählt Sophie Marie Faix, wurde herausgenommen und liegengelassen. Also mussten sie und ihr Freund den Müll abermals auflesen und samt blauem Sack in den Mülleimer befördern.

Sophie Marie Faix ist sauer: „Klötze ist nicht die sauberste Stadt und trotzdem scheint es niemand bemerken zu wollen, wenn ein blauer Sack und dessen Inhalt offen am Wegesrand liegen.“

Umdenken muss stattfinden

Ihr und ihrem Freund ist es ein besonderes Anliegen, auf die Zustände in Klötze aufmerksam zu machen. „Es muss ein Umdenken stattfinden, damit aus Klötze wieder eine schöne, attraktive Stadt wird“, sagt Sophie Marie Faix. Sie betont: „Zwei Menschen, die künftig nur an Wochenenden in Klötze sein können, um Müll zu sammeln, sind zu wenig. Wir hoffen auf Anklang, denn mehr Menschen können mehr für die Klötzer Umwelt tun.“ Vielleicht, so überlegt sie, können die sozialen Medien ein Anreiz sein. Dort gibt es neuerdings unter dem Hashtag „trashtag“ eine Aktion, bei der die Nutzer vermüllte Orte aufräumen. Außerdem gibt es „Ploggen“, eine neue Trendsportart, bei der Jogger nebenbei auch noch den Müll vom Wegesrand aufsammeln. Sophie Marie Faix hofft vor allem auf Gleichgesinnte in ihrem Alter. Denn: „Wir sind eine Generation, die gegen die Umweltverschmutzung ist und auch bereit ist, dafür etwas zu tun.“ Dies zeige sich auch an der Bewegung „Friday for Future“ (Freitage für die Zukunft, Schulstreik für das Klima, die Red.).

Klötzes Bürgermeister Uwe Bartels lobt das Engagement von Sophie Marie Faix in den höchsten Tönen. Er empfiehlt, dass der Müll, der beim Sammeln anfällt, zur Stadtwirtschaft gebracht wird. Der Bürgermeister macht deutlich, dass die Mitarbeiter der Stadtwirtschaft gewissermaßen auch als „Mülldetektive“ im Einsatz sind. Bedeutet: wird Müll gefunden, dann wird dieser untersucht, um Hinweise auf denjenigen zu finden, der ihn entsorgt hat. Außerdem appelliert Bartels an alle Bürger, achtsam zu sein, die Müllsünder zu entlarven und bei der Stadt zu melden. Den Schuldigen droht ein Ordnungsgeld. Eine von der Stadt organisierte Müllsammelaktion in der ganzen Einheitsgemeinde, die sein Amtsvorgänger Matthias Mann vor Jahren mal ins Spiel gebracht hatte - vergleichbar mit der Aktion Sauberer Landkreis im Landkreis Gifhorn – schwebt Bartels hingegen nicht vor. „Stattdessen würde ich das in die Hände der Ortschaftsräte legen, die Vereine und Einwohner mobilisieren, Flagge zeigen und gemeinsam den Müll aufsammeln.“ Ein gutes Beispiel seien die (Jugend-) Feuerwehren in Jahrstedt, Hohenhenningen und Trippigleben, bei denen solche Aktionen bereits zum Standard gehören. „Zur Nachahmung empfohlen“, findet Uwe Bartels.