Kunrau l „Was ist denn nun mit dem Laub?“, wollte ein Einwohner, der namentlich nicht genannt werden möchte, am Donnerstagabend vom Kunrauer Ortschaftsrat wissen. Der städtische Hauptamtsleiter Matthias Reps hatte zuvor in der Volksstimme angekündigt, dass es Antworten auf diese Frage geben werde und mitgeteilt, dass bereits eine Lösung gefunden worden sei. Demnach stelle der Kunrauer Ortschaftsrat bei Bedarf kostenlose Abfallsäcke zur Verfügung. Diese müssten dann nur noch befüllt und zur Abfuhr bereitgestellt werden. Ob und wann diese Lösung aber öffentlich kommuniziert worden sei, konnte Reps nicht sagen. In den Protokollen der letzten Ratssitzungen findet sich darauf jedenfalls kein Hinweis.

Hintergrund: Schon seit Jahren fühlen sich vor allem die Anwohner der Alten Bahnhofstraße in Kunrau nicht ernst genommen und im Stich gelassen. Ihr Argument: Die Bäume, von denen die Blätter herunterfallen, stünden auf öffentlichem Grund und Boden. An die Straßenreinigungssatzung würden sich die Anwohner halten, das Laub aufsammeln. Aber was dann? In der Nähe gebe es keine Entsorgungsmöglichkeit. Außerdem wären sie zu alt und hätten nicht die Mittel, um die Laubmassen alleine wegzuschaffen.

„Seit mindestens drei Jahren spreche ich das Thema hier in der Runde immer wieder an. Manche verdrehen die Augen, können oder wollen es nicht mehr hören“, berichtete Einwohnerin Brigitte Jürges. Sie stellte klar: „Wir halten Gehweg und Gosse immer sauber, aber mit dem Laub sind wir total überfordert.“ Und: „Wo soll ich denn hin damit? So viel Kompost kann ich gar nicht machen. Wegbringen kann ich es nicht mehr.“ Die Stadtwirtschaft fahre jede Woche durch die Alte Bahnhofstraße. Da wäre es doch ein Leichtes, jedes Mal einen Haufen mitzunehmen, meinte Brigitte Jürges, die sich außerdem über die mangelnde Gesprächsbereitschaft der Stadtverwaltung beklagte.

Wo bleibt die Antwort aus Klötze?

So hätten mehrere Anlieger der Alten Bahnhofstraße im Februar einen Brief an Klötzes Bürgermeister Uwe Bartels geschrieben. Auf eine Antwort aus dem Klötzer Rathaus warteten sie bisher vergeblich.

Dem Laub habhaft zu werden, ohne Verwandtschaft wäre sie dazu nicht mehr in der Lage, erzählte Anwohnerin Hilde Heimann. Aktuell seien die Gossen schon wieder voll, wegen der Lindenblüten. Weiterhin gab sie zu bedenken, „dass wir nicht irgendwer sind“. So hätten sich jene, die nun um Unterstützung bitten, stets ehrenamtlich engagiert oder täten das bis heute, sei es im Sportverein, im Fremdenverkehrsverein oder in der BUND-Ortsgrupe.

Jetzt, so wünschte sich Brigitte Jürges, sei es nicht zu viel verlangt, „für uns Ältere ein bisschen Verständnis aufzubringen“.

„Wir haben eine Lösung gefunden“, informierte Ortsbürgermeister Uwe Bock und nannte in diesem Zusammenhang die Namen seiner Ratskollegen Christian Stottmeister und Michael Grabenstein. Die zwei hätten eine Aktion ins Leben gerufen, die möglichst beibehalten werden solle. Erst im weiteren Verlauf war zwischen den Zeilen zu hören, dass auf Initiative der beiden tatsächlich die Möglichkeit bestehe, Säcke gratis zu bekommen. „Das ist aber erstmal nur ein Pilotprojekt“, schränkte Stottmeister ein. „Darüber hinaus ist das Finanzielle noch nicht geklärt.“

Kreis hat „wilde Deponien“ verboten

Bock ergänzte, dass es der Altmarkkreis gewesen sei, der die Sperrung der Ausschachtung veranlasst habe, wo früher das Laub hingebracht wurde. „Wilde Deponien“ seien jedoch nicht mehr gewollt und dementsprechend verboten. Die Säcke bezeichnete er als eine „gute Idee“, vielleicht gebe es für die Zukunft sogar noch eine bessere, über die man aber zunächst nichtöffentlich sprechen wolle.

„Wir verstehen euch doch, das haben wir immer getan“, versicherte Ratsherr Frank Bartels den erregten Einwohnern. „Aber uns sind die Hände gebunden.“ So habe Kunrau nun mal keinen eigenen Haushalt mehr. Lediglich das Ortsbudget stünde zur Verfügung. Dass die Ratsmitglieder eventuelle Aufwendungen aus eigener Tasche bezahlen, könne nicht erwartet werden, bat Bartels um Nachsicht. Der Stadtwirtschaft, so reagierte er auf den Vorschlag von Brigitte Jürges, dürfe das Laub nicht aufgebürdet werden. „Die hat genug zu tun.“

Michael Grabenstein sprang Brigitte Jürges und Co. ebenfalls zur Seite. „Wir sind bei euch“, stellte er klar. Dem Ortschaftsrat sei wirklich sehr daran gelegen, die Angelegenheit dauerhaft zu klären, beteuerte er. Doch: „Das Grundproblem ist das Geld. Unsere Mittel sind begrenzt.“ Es gebe nur zwei Varianten. Erstens: eine rein Kunrauer Lösung. Oder zweitens: eine Lösung für die gesamte Stadt Klötze.