Klötze l Es gibt Fragen in einem Vorstellungsgespräch, auf die man sich einfach nicht vorbereiten kann. Fragt der potenzielle Arbeitgeber etwa den Bewerber, wie er einen einfachen grünen Kugelschreiber, der vielleicht einen Wert von einem Euro hat, für fünf Euro an den Kunden bringen würde, ist Spontanität und Einfallsreichtum gefragt. Konfrontiert wurde die 15-jährige Vanessa Lorek am Dienstagvormittag mit dieser kniffligen Aufgabe. Lange überlegen musste die Neuntklässlerin nicht, um eine Antwort zu liefern: „Er fühlt sich gut an und liegt gut in der Hand. Die Farbe liegt im Trend.“ Das überzeugte – und das Vorstellungsgespräch ging in die nächste Runde.

So wie Vanessa Lorek stellten sich auch die anderen Neuntklässler der Klötzer Ganztagssekundarschule Dr. Salvador Allende am Dienstag unter realen Bedingungen in Interviews den Fragen von Vertretern echter Firmen und Behörden. Die Vorstellungsgespräche waren der Höhepunkt des diesjährigen Bewerbertages, der für die Jugendlichen auf dem Stundenplan stand.

Nicht jeder Beruf vertreten

Zum achten Mal wurde dieser nun schon an der Sekundarschule veranstaltet. Er sei mittlerweile ein ganz fester Bestandteil für die Schüler geworden, sagt Schulleiterin Iris Jokisch, als sie die Neuntklässler in der Aula begrüßte. „Viele von euch haben sich schick gemacht“, stellt sie fest, als sie in die Runde blickt. Somit hatten sich die Jugendlichen auch äußerlich gut auf die Gespräche vorbereitet, die an diesem Tag simuliert werden sollten.

Die ersten von ihnen würden gegen Ende des Schuljahres damit beginnen, Bewerbungen für Ausbildungsplätze abzuschicken. Iris Jokisch rät den jungen Leuten deshalb, alle Tipps, die sie an diesem Tag von ihren Gesprächspartnern erhalten sollten, mitzunehmen. Etwa auch zu dem Punkt, wie das Zeugnis aussehen sollte. „Es geht um euer Leben. Habt ihr ein gutes Zeugnis, könnt ihr mitentscheiden, in welches Unternehmen ihr geht“, macht die Schulleiterin deutlich.

Breites Spektrum

Um realistische Bedingungen zu schaffen, sind elf Vertreter von Firmen und Behörden in die Sekundarschule gekommen. Abgedeckt wird ein breites Spektrum von Tätigkeitsfeldern: Von der Altenpflege über das Bankwesen, den Einzelhandel, das Handwerk, Landwirtschaft, Versicherung, Polizei und sogar der Bundeswehr reicht das Angebot an diesem Tag. Da nicht jeder Traumberuf berücksichtigt werden kann, werden die Schüler entsprechend verteilt, erklärt Schulsozialarbeiterin Godela Schwerin, die den Bewerbertag vorbereitet hat. „Viele wollen Erzieher werden“, sagt sie und ergänzt, dass entsprechende Fachkräfte für die Gespräche nur schwer zu bekommen seien.

Schon im Vorfeld haben sich die Neuntklässler intensiv mit dem Thema Bewerbung befasst. Bereits am Ende eines Kalenderjahres würden die Vorbereitungen beginnen, erklärt Godela Schwerin. Mitarbeiter der Agentur für Arbeit hätten den Jugendlichen bereits erklärt, was beim Erstellen der Bewerbungsunterlagen zu beachten sei, nennt Schwerin ein Beispiel. Angefertigt wurden diese im Deutschunterricht mit den Fachlehrern. Die Handwerkskammer informierte über Berufe in der Region. „Für nächstes Jahr planen wir, auch den Bauernverband einzuladen“, kündigt die Schulsozialarbeiterin an. Ein Ziel sei es, die Jugend in der Region zu halten.

Kurzes Schweigen

Ihr Traumberuf sei Kinderkrankenpflegerin, erzählt Vanessa Lorek vor ihrem Vorstellungsgespräch. Um eine solche Ausbildung wolle sie sich später bemühen. Bei der Simulation in der Schule bewarb sich die 15-Jährige hingegen um eine Ausbildung zur Sozialversicherungsfachangestellten. „Meine Aufregung hält sich noch in Grenzen“, antwortet die Sekundarschülerin vor dem Gespräch auf die Frage, wie nervös sie denn sei. Zur Vorbereitung habe sie gelesen, was das Unternehmen, bei dem sie sich bewirbt, auszeichnet.

Schließlich öffnet sich die Tür zum Raum 117. Dirk Danckert, Regionalgeschäftsführer der Barmer GEK in Salzwedel, bittet die Neuntklässlerin zum Vorstellungsgespräch herein. Danckert fragt, ob er die Bewerbungsunterlagen einmal sehen dürfe. Einige Augenblicke lang herrscht Schweigen zwischen den beiden. Danckert durchblättert die blaue Mappe, die ihm die Schülerin überreicht hat und macht sich rasch Notizen auf einem Zettel. Dann geht es los.

Fragen und Antworten

Vanessa Lorek stellt sich wie gewünscht kurz vor. Was sie denn glaubt, für den Beruf als Sozialversicherungsfachangestellte mitbringen zu müssen, will ihr Gegenüber wissen. Kontaktfreudigkeit, gute Umgangsformen und Zielstrebigkeit, nennt die Schülerin unter anderem als Antwort. „Können Sie sich vorstellen, Kunden ein neues Produkt zu verkaufen?“, will der potenzielle Arbeitgeber wissen und stellt die Aufgabe mit dem hochpreisigen Kugelschreiber. „Das haben Sie gut gemacht“, lobt Danckert nach dem Verkaufsgespräch.

Doch auch Vanessa bekommt Gelegenheit, Fragen zu stellen. So will sie wissen, wie die Arbeitszeiten geregelt seien. Diese würden sich nach den Öffnungszeiten der Geschäftsstelle richten, erklärt ihr Danckert. Nach ein paar Minuten ist alles vorbei.

Fazit in großer Runde

Nachdem alle 28 Neuntklässler – es gab einige Krankmeldungen – ihre Gespräche absolviert hatten, sollten sie ihre Leistung auf einem Formular selbst einschätzen. Wie fanden sie ihr Auftreten bei dem Gespräch, wie gut bewerteten sie ihre Vorbereitung? Diese und weitere Fragen galt es zu beantworten. Eine Einschätzung gab es schließlich auch vom jeweiligen Gesprächspartner, der alles aus professioneller Sicht bewertete. Zum Abschluss trafen sich alle – Schüler und Vertreter der Firmen und Behörden – in der Aula zu einem Fazit. Immer die Noten im Blick zu behalten, wurde den Jugendlichen dabei geraten. Gelobt wurde die Offenheit der Schüler, deren vernünftiges Auftreten und die gute Vorbereitung.