Eichenspinner

Kunrauer Kinder sind nach einem Park-Besuch mit Pusteln übersät

Nachdem Kinder in einem Park in Kunrau spazieren waren, waren sie anschleßend mit Pusteln übersät. Mögliches Problem: der Eichenproszessionsspinner. Ortschaftsräte fordern Masterplan.

Von Markus Schulze

Kunrau. Ob denn nochmal eine Aktion gegen den Eichenprozessionsspinner geplant sei?, hatte Einwohner Horst Lorenz in der Sitzung des Kunrauer Ortschaftsrates am 9. März gefragt und dabei auf heruntergefallene Nester verwiesen. Ortsbürgermeister Uwe Bock brachte das Thema gleich am nächsten Tag im Stadtrat zur Sprache, woraufhin ihm Sachgebietsleiter Gordon Strathausen versicherte, dass der Eichenprozessionsspinner auch 2021 bekämpft werde und Kunrau unter besonderer Beobachtung stehe.

Allerdings liegen im dortigen Park und auf dem Weg zum Hahnenberg auch vier Wochen später noch Nester herum. Genau das ist vor kurzem Schulkindern zum Verhängnis geworden, die im Park unterwegs waren und anschließend aussahen wie Streuselkuchen, übersät mit Pusteln. Die Ratsmitglieder Thomas Beneke und Ralf Kuske appellieren daher an die Eltern, auf ihre Kinder achtzugeben. Denn in den Nestern befänden sich Brennhaare. „Und die sind auch nach fünf Jahren noch giftig“, weiß Beneke. Ebenfalls ist ihm bekannt, dass manche Menschen extremer darauf reagieren als andere. „Es ist aber nicht so, dass man dagegen immun wird. Eher wird es noch schlimmer.“ Für Kinder, die im Park spielen, seien die Brennhaare eine ernst zu nehmende Gefahr. Laub aufzuwirbeln, sollte tunlichst vermieden werden, rät Beneke.

Ralf Kuske stellt konsterniert fest: „Das Problem mit dem Eichenprozessionsspinner haben wir nicht im Griff.“ Zwar sei die Stadt Klötze im Jahr 2020 mehrfach gegen den Schädling vorgegangen, letztlich seien diese und andere Unternehmungen aber nur „ein kleines Pflaster auf eine große Wunde“. Kuske fordert, dass die Einheitsgemeinde ihre Bemühungen intensiviert, will ihr andererseits aber keine großen Vorwürfe machen.

Jeder kämpft allein, die Kommunen werden im Stich gelassen.

Ralf KuskeDenn: „Jeder kämpft für sich allein, die Kommunen werden im Stich gelassen, es gibt keinen Masterplan“, kritisiert Kuske und nimmt hier Land und Bund in die Pflicht. Außerdem fehlen Politiker, die sich vor den Karren spannen.

Thomas Beneke sieht das ähnlich. Auf der einen Seite, so sagt er, könnte die Stadt Klötze sicher mehr tun und würde es vielleicht auch, wenn Entscheidungsträger in Kunrau wohnen würden, „auf der anderen Seite pumpt sie hier jedes Jahr Unsummen rein, ohne Millionen in der Kasse zu haben“.

Ausbaden müssten es am Ende die Mitglieder des Ortschaftsrates. „Die Mütter kommen angefressen zu uns, aber wir können nichts machen, nur aufrütteln, Druck machen und den Finger immer wieder in die Wunde legen“, sagt Beneke.

Dass es bereits jetzt, zu Beginn des Frühlings, solche Probleme mit dem Eichenprozessionsspinner gibt, hätten viele Eltern nicht glauben wollen. Doch im Grunde, so hat Beneke von Experten des Biosphärenreservates Drömling erfahren, bestehe diese Bedrohung fast das ganze Jahr über, weil die Brennhaare auch dann noch in den Nestern sind, wenn von den Raupen längst nichts mehr zu sehen ist.

Hoffnungen verknüpfen die Kunrauer mit einem Projekt der Hochschule Anhalt, die erforscht, welche Methode zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners am besten geeignet wäre. Auch die Einheitsgemeinden Klötze, Gardelegen und Oebisfelde-Weferlingen hätten hierzu Testflächen angegeben. „Das Projekt dauert zwei Jahre“, erklärt Beneke, der davon aber keine Wunderdinge erwartet. Von den derzeit zur Verfügung stehenden Verfahren (chemisch, mechanisch, natürliche Fressfeinde) scheint der „Einsatz“ von Meisen eine vielversprechende Möglichkeit zu sein. „Im Drömling wurden über 250 Meisenkästen verteilt, in Holland hat das gute Ergebnisse gebracht“, berichtet Thomas Beneke.

Mit Blick darauf, dass Radfahren und Wandern in der Pandemie eine willkommene Abwechslung sind und der Drömling ohnehin ein Touristenziel sein soll, wünschen sich Beneke und Kuske, dass der Eichenprozessionsspinner nicht länger verharmlost oder gar ignoriert wird. Denn: „Hier geht es um die Gesundheit von Menschen.“