Klötze/Jübar l Waschbären werden immer mehr zur Plage. Eine einst aus Amerika eingeschleppte Tierart, die in unseren Breiten eigentlich nichts zu suchen hat. Andre Schulze kann ein Lied davon singen. Er ist selbst Jäger und fing auf einem zwei Hektar großen Gelände zwischen Ende August und Mitte November 2018 sage und schreibe 45 Waschbären. Da fallen eine Menge Felle an, die bisher meist vergraben worden sind. Geht es nach dem Willen des Deutschen Jagdverbandes, soll sich das jetzt ändern.

„Wir haben den Eindruck, dass sich die Einstellung in der Bevölkerung in den vergangenen Jahren geändert hat. Es werden wieder mehr Fellapplikationen wie Kragen und Ärmelbündchen an der Kleidung getragen“, berichtete Andre Schulze. „Felle werden wieder gesellschaftsfähiger.“

Der Jagdverband hat sich deshalb gesagt: Die Felle fallen ohnehin an. Weshalb sie nicht verwerten? Eine GmbH mit dem Namen „Fellwechsel“ ist deshalb gegründet worden. Im Winter 2017/2018 erfolgte die Annahme von erlegtem Raubwild in kleinerem Maßstab, in diesem Winter wird das Ganze auf ganz Deutschland ausgeweitet. „In den Jägerschaften werden auf Kreisebene Annahmestellen installiert“, erläuterte Andre Schulze. Für den Altkreis Klötze befinden sich diese in Jübar und im Betreuungsforstamt in der Klötzer Hagenstraße (Lesen Sie auch den Informationskasten oben).

Zwei weitere Gefriertruhen

Vom Deutschen Jagdverband sind dort je eine Gefriertruhe aufgestellt worden. Im Klötzer Betreuungsforstamt stehen noch zwei weitere Truhen: eine für die Untersuchung von Tieren wie Füchse und Marder auf eventuelle Krankheiten. Das dient der Vorbeugung von Seuchen. Zweimal pro Woche bringt ein Kurier die Tierkörper zwecks Untersuchung nach Stendal in das Veterinäramt. In die zweite Gefriertruhe im Forstamt gehören Blutproben, die auf Schweinepest untersucht werden sollen, erläuterte Andre Schulze.

Doch zurück zum „Fellwechsel“. Zum Raubwild, das in den Annahmestellen abgegeben werden kann, gehören Füchse, Dachse, Waschbären, Marder, Marderhunde sowie von den Nagetieren Nutrias. Damit die Mühe der Jäger nicht umsonst ist, liegt eine Preisliste aus. Darauf ist zu ersehen, wie viel Geld der Jäger pro abgegebenem Tierkörper erhält. „Das reicht von drei Euro für einen Nutria bis acht Euro für einen Fuchs“, berichtete Andre Schulze. Allerdings werden die Jäger gebeten, im ersten Jahr auf das Geld zu verzichten – als eine Art Anschubfinanzierung für das Projekt.

Für die Abgabe würden die Tierkörper in flüssigkeitsdichten Müllbeuteln verpackt sein müssen, betonte Andre Schulze. Und sie müssen mit einem ausgefüllten Anhänger gekennzeichnet sein, der von der Internet-Seite www.fellwechsel.org heruntergeladen werden kann. Auf dieser Seite finden sich auch weitere Informationen zu dem Projekt.

Den Ablauf erläuterte Andre Schulze so: „Das Tier wird erlegt und sollte dann auskühlen. Danach wird es verpackt und schnellstmöglich noch zuhause tiefgefroren oder sofort in die Tiefkühltruhe der Annahmestelle gelegt.“

Annahme nur bis 10. Februar

Angenommen werden die Tierkörper noch bis 10. Februar. „Danach ist der Balg, also das Fell, nicht mehr verwertbar, weil er nicht mehr die erforderliche Qualität hat.“ Durch Kämpfe der Tiere und ähnliches entstünden Fehler im Haarkleid. „Felle sind Saisonware. Das Winterfell ist viel dichter“, erklärte Andre Schulze. Deshalb würden Tierkörper nur von Mitte November bis Anfang Februar angenommen.

Nicht akzeptiert werde Unfallwild, außerdem Wild, bei dem das Fell durch einen Schuss oder anderes stark beschädigt ist.

Die abgegebenen Tiere werden dann in eines der Zwischenlager in Mahlpfuhl gebracht, Genthin, Wippra oder Ziegelroda. Von dort holen Mitarbeiter der GmbH des Jagdverbandes alles ab und bringen es zum ökologischen Gerben nach Rottstadt in Bayern. Im Anschluss werden die Felle an Kürschner verkauft. Wer möchte, kann die Felle auch selber nutzen, muss dann aber für die Verarbeitung bezahlen, sagte Andre Schulze.