Klötze l Ein Sprung ins kühle Nass des Klötzer Waldbades lässt die Hitze des Sommers schnell vergessen. Lacht die Sonne vom Himmel, tummeln sich zahlreiche kleine und große Badegäste in den Becken. Damit ihnen nichts passiert, haben die ehrenamtlichen Rettungsschwimmer der Klötzer Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) einen Blick auf die Schwimmer und Badenden. Wenn es ernst wird, sind sie zur Stelle, um Leben zu retten.

Insgesamt 22 Mitglieder zählt die Klötzer Wasserwacht aktuell. Vor rund fünf Jahren waren es noch doppelt so viele. „Die Nachwuchssorgen sind wie in allen Vereinen akut, auch bei den Rettungsschwimmern“, sagte Monika Gille, Leiterin der Wasserwacht Klötze, im Gespräch mit der Volksstimme. Als Grund für den Rückgang nannte Gille, dass viele Jüngere aus der Gruppe Ausbildungen auch in anderen Regionen begonnen haben.

Der Mitgliederschwund bleibt nicht ohne Folgen. Vor einigen Jahren hätten die Rettungsschwimmer mehrere Bäder und Seen betreut. Im Einsatz waren sie damals nicht nur in Klötze, sondern auch in Kunrau, Wischer, Zichtau und teilweise in Apenburg. „Das geht mit der heutigen Besetzung nicht mehr“, so Monika Gille. Heute liegt das Hauptaugenmerk der Gruppe auf dem Klötzer Waldbad. Hier werden unter anderem Schwimmkurse für Kinder angeboten. Jüngst stellte das Wasserwacht-Team mit anderen Vereinen und Einrichtungen aus der Stadt das Waldbadfest auf die Beine. Viele Mitglieder hätten geholfen, 13 seien dabei gewesen.

Im Winter geht es in die Halle

Nachwuchs ist bei der Wasserwacht willkommen. Aktuell gebe es fünf Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren, die zum Rettungsschwimmer ausgebildet werden. Um bei der Aufsicht im Bad helfen zu können, muss das Rettungsschwimmabzeichen in Bronze abgelegt werden. Die Prüfung besteht aus einem praktischen und einem theoretischen Teil (siehe Infokasten). Natürlich müssen die Anwärter gut schwimmen können. Für DRK-Mitglieder sei die Ausbildung zum Rettungsschwimmer kostenlos, so Gille. Viele Stunden seien dafür nötig. Meistens findet sie in den Wintermonaten in der Halle statt. Das Jugend-Schwimmabzeichen in Gold sollten die Interessenten schon haben, um Rettungsschwimmer werden zu können.

Wichtig sei das Training. Alle 14 Tage fahre man im Winter in die Schwimmhalle, entweder nach Haldensleben oder Osterburg, um fit zu bleiben. „Da können nicht immer alle mit“, sagte Monika Gille, doch im Schnitt seien etwa zehn Leute dabei. Auf Karteikarten werde dokumentiert, wer welche Einheiten absolviert hat. Alle zwei Jahre müssten die Rettungsschwimmer eine Prüfung absolvieren.

Badegäste gezielt angesprochen

Die Rettungsschwimmer, die das Abzeichen in Silber haben, können sich zudem weiter qualifizieren, etwa den Lehrschein für das Schwimmen und Retten erwerben. Möglich sei eine Sanitäterausbildung. „Das hat nichts mit dem Rettungssanitäter zu tun“, machte Gille deutlich. Vielmehr handele es sich um eine Art erweiterten Erste-Hilfe-Kurs. Zwei Mitglieder aus der Wasserwacht-Gruppe wollen die Lehrschein-Ausbildung in Angriff nehmen, wie es hieß. Momentan gebe es fünf Lehrschein-Inhaber, Nachwuchs sei aber weiter nötig. „Es muss aber nicht jeder Ausbilder werden“, sagte Monika Gille. Durch die Lehrschein-Inhaber können die Nachwuchs-Rettungsschwimmer in Klötze ausgebildet werden.

Und was sollten die Interessenten mitbringen, wenn sie Rettungsschwimmer werden wollen? Motivation und Teamgeist seien wichtig, hieß es beim Gespräch aus der Runde von Monika Gilles Team. Man sollte da sein, wenn man gebraucht werde und müsse mit Menschen umgehen können. Geduld und Einfühlungsvermögen dürften ebenfalls nicht fehlen. Willkommen seien zudem Erwachsene, die gern mitmachen möchten.

Für die Nachwuchs-Gewinnung hat Monika Gille, die seit 27 Jahren die Wasserwacht leitet, eine eigene Strategie entwickelt. Sie beobachtet, wer von den Badegästen gut schwimmen kann. So war es auch bei der ersten Gruppe, die sie aufbaute. Damals seien einige junge Leute ins Bad gekommen, die gute Schwimmer gewesen seien, die aber auch viel Quatsch gemacht hätten. Die habe sie mit zum Training genommen und zu Rettungsschwimmern herangezogen. Schlagartig sei danach im Bad Ruhe gewesen. Sieben Leute machten den Anfang. „Ein paar davon sind immer noch dabei, fast alle sind heute Familienväter“, sagte Gille. Im Laufe der Jahre kamen neue Gesichter hinzu. Auch in Zukunft möchten Monika Gille und ihr Team gern weitermachen. Die Arbeit mache allen großen Spaß.