Magdeburg l An den gebürtigen Magdeburger Henning von Tresckow und die Widerstandskämpfer des 20. Juli ist am Mittwochnachmittag gedacht worden. Vertreter aus Politik und Gesellschaft legten an der von Tresckow zu Ehren errichteten Gedenkstele am Nordpark Kränze nieder. Redner in diesem Jahr war der Präsident des Landesverfassungsgerichtes, Winfried Schubert. Weil auch die AfD einen Kranz niederlegte, war das Medieninteresse viel höher als in den Jahren zuvor. Am Rande der Veranstaltung äußerten Teilnehmer hinter vorgehaltener Hand ihren Unmut darüber.

„Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen: Darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben", sagte Schubert zur Eröffnung seiner Rede. Dieser Satz ist in der Eingangshalle des Holocaust-Denkmals in Berlin auf der Wand zu lesen. Er stammt von Primo Levi, einem italienischen Juden, Chemiker und Schriftsteller, der ein Jahr Haft im KZ Auschwitz überlebt hat.  

"Muss man eigentlich über die Widerstandsbewegung des 20.07.1944 heute noch reden? Als ich 1970 das Abitur machte, hatte ich damals wie viele meiner Klassenkameraden auch die Überzeugung, dass es in Deutschland, ja in ganz Europa in der Zukunft keine Form des Nationalsozialismus mehr geben werde. Ich bin mir inzwischen nicht mehr so sicher", sagte Schubert. Im Gespräch mit der Volksstimme sagte er, dass er das Aufkeimen völkischen Denkens in Europa mit Sorge betrachte.

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Henning von Tresckow wurde am 10. Januar 1901 in Magdeburg als Sohn einer pommerschen Adelsfamilie geboren. Als 1941 immer mehr Details über die Konzentrationslager und Kriegsverbrechen zu ihm durchdrangen, schloss er sich der Berliner Widerstandsgruppe um Ludwig Beck und Hans Oster an. In den folgenden Jahren plante er mehrere Attentate auf Hitler, die jedoch stets an unvorhersehbaren Umständen scheiterten. Henning von Tresckow war maßgeblich an der Vorbereitung des Attentats beteiligt, das Oberst Graf von Stauffenberg am 20. Juli 1944 auf Hitler in dessen ostpreußischem Bunker verübte. Da von Tresckow kurz zuvor an die polnische Front versetzt worden war, konnte er sich an der unmittelbaren Ausführung des Attentates nicht beteiligen. Als er hörte, dass Hitler noch am Leben war und die Umsturzpläne der Verschwörer ebenfalls fehlgeschlagen waren, nahm er sich an der Front das Leben. Er wollte nicht riskieren, unter Folter die Namen weiterer Beteiligter preisgeben zu müssen.