Magdeburg l Gemütlich dösen die bräunlich gefiederten Vögel hoch oben in der altehrwürdigen Eibe am Herrenkrug-Parkhotel. Gut getarnt im dichten Grün des Baumes. Erst als sich ein paar Sonnenstrahlen den Weg durch das dunkle Nadelkleid bahnen, werden die imposanten Vögel sichtbar. „Hier, seht mal! Das ist die fünfte! Und gleich daneben Nummer sechs und da hinten weiter: die siebente“, ruft Herbert Bilang erfreut aus. Nicht zu laut freilich, die Tiere sollen sich nicht erschrecken. Auch Wolfgang Kuntermann, wie Bilang Eulenexperte beim Nabu Sachsen-Anhalt, hält mit „Adleraugen“ Ausschau nach der seltenen Waldohreule. Sie ist streng geschützt, bildet sogar das Symbol auf dem bundesweiten Naturschutzschild. „Und da ist auch schon Nummer acht“, freuen sich Bilang und Kuntermann. „Früher gab es Schlafbäume mit zehn oder gar zwanzig Eulen. Aber das ist kaum noch der Fall“, sagt Herbert Bilang. Die Winter sind zu mild, es kommen keine oder kaum noch Zug-Eulen aus ost- oder nordeuropäischen Ländern, die sich hier Schlafplätze auf Zeit suchen.

Eigentlich sind die Waldohreulen auch Einzelgänger, nur in der kalten Jahreszeit von Oktober bis März zeigen sie ihre gesellige Seite und besiedeln gemeinsam Schlafbäume, gern in Parks, Gärten oder auf Straßenbäumen. Man vermutet, dass sie das unter anderem zum Schutz der Jungvögel tun.

Winterschlafplätze

Es ist eine gute Zeit zum Zählen. Seit vielen Jahren schon erfassen die Vogelkundler von der AG Eulenschutz, die dem Nabu-Landesverband unterstellt ist, die Eulenpopulation. Vier Winterschlafplätze sind in Magdeburg derzeit bekannt: in der Luxemburgstraße in Cracau, im Spechtweg in Stadtfeld, in der Tucholskystraße in Sudenburg und der am Herrenkrughotel. Es ist der vermutlich älteste. „Anfang der 1990er Jahre habe ich hier die ersten Eulen im Winter entdeckt“, berichtet Bilang. Wenn man nur so vorbei spaziert an der seitlichen Freiterrasse, würde man die Jäger der Nacht in der Eibe gar nicht sehen. Am Tage halten sie hier Ruhe, erst bei Einbruch der Dunkelheit ziehen sie los, um Mäuse, manchmal auch kleine Vögel, zu jagen. Zwar funktioniert die Tarnung für die Eule im Baum recht gut, verräterische Zeichen finden sich aber am Boden. Weiße Kotspritzer und Gewölle, also ausgespuckte Reste von Federn und Knochen, landen unterm Baum.

Bilder

Wer den Nabu-Eulenfreunden bei der Zählung helfen will und als Eulendetektiv aktiv wird, kann Nackenschmerzen also vorbeugen. Denn die Eulensuche kann fleißig im Wechsel – oben und unten am Baum – erfolgen.