Magdeburg l „Standortfremd“ heißt das Siegel, das Teilen des Bewuchses an und im Flusslauf angeheftet wird. Er soll verschwinden. Nach Auskunft von Burkhard Henning, Leiter des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft, handelt es sich dabei unter anderem um Hybridpappeln, Eschenahorn, Rote Esche und diverse Weintypen. Sie wurden am Flusslauf über Jahrzehnte durch Aussaat von umgebenden Wohn- und Gartengrundstücken heimisch. Laut Henning ist im Laufe der Umweltverträglichkeitsprüfung – sie ist noch nicht abgeschlossen – zum neuen Unterhaltungsrahmenplan für Umflut und Alte Elbe eine ganze Fülle solch standortfremder Gewächse ins Auge gefallen. „Wir sind uns einig, dass es auch aus naturschutzrechtlicher Sicht unbedenklich ist, wenn sie gefällt werden“, so Henning. Zumindest gelte dies für den Bewuchs an der Alten Elbe. „An der Umflut ist das etwas anders, weil dort auch viele geschützte Tierarten, etwa der Fischotter, heimisch sind. Hier wollen wir deshalb weitere Prüfungen abwarten.“ Bei der Alten Elbe rechnet Henning dagegen mit zügiger Verrichtung. „Wir hoffen, dass Witterung und Pegelstand der Elbe mitspielen. Zumindest wird der Bewuchs erst einmal oberirdisch beseitigt werden können, die Wurzeln können wir dann immer noch im Herbst entfernen.“

Etwa 2000 Gehölze fallen

Wann und an welchen konkreten Orten die Arbeiten genau beginnen werden, vermag Henning noch nicht zu sagen. Er gehe aber von einer Erledigung noch in diesem Winter aus. Nach dem Umfang der aktuell geplanten Rodungen gefragt, spricht Henning von „etwa 2000 Stämmen“.

Hintergrund des Plans ist das Bemühen, den Durchfluss im Hochwasserfall zu beschleunigen und damit den Pegel abzusenken. Es geht schlicht um den Katastrophenschutz. In den Vorjahren gerieten Land, Kommune und Umweltverbände in heftigen Steit darüber, wer dabei welche Aufgaben zu erfüllen hat und welche Eingriffe in den unter Naturschutz stehenden Raum möglich und nötig sind.

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Gerichtliches Vorspiel

Der Naturschutzbund (Nabu) Sachsen-Anhalt rügte gemeinsam mit anderen Verbänden seit dem Jahrtausendbeginn ein Missmanagement beim Hochwasserschutz im Bereich. 2003 einigten sich alle Seiten auf einen sensiblen Unterhaltungsplan, demnach abschnittweise pro Jahr ein Fünftel der Gehölze ausgelichtet werden sollte, um einen verbesserten Hochwasserabfluss zu gewährleisten. Dann jedoch passierte jahrelang nichts, bis der Landesbetrieb 2007 rigoros die Säge am Ufer der Alten Elbe ansetzen und einen Abschnitt an der Büchnerstraße nahezu komplett roden ließ. Auf Intervention des Nabu ordnete das Verwaltungsgericht Magdeburg damals per einstweiliger Verfügung den Stopp der Arbeiten an. Droht jetzt eine Neuauflage der Auseinandersetzung?

Burkhard Henning verweist auf die Beteiligung der Umweltverbände und glaubt sie mit im Boot. Nabu-Geschäftsführerin Annette Leipelt will das nur bedingt bestätigen. Es hätte eine kurzfristig anberaumte Info-Veranstaltung am 1. Dezember gegeben. „Unterlagen wurden im Vorfeld nicht bereitgestellt. Im Nachgang zu dem Termin wollte man uns die Vorträge zusenden, was bislang noch nicht erfolgte.“ Von einer echten Beteiligung kann also aus Sicht von Leipelt keine Rede sein. Sie verweist darauf, dass die Rodungen 2007 auch nach Einschätzung der Richter nicht naturschutzkonform waren und die aktuell geplanten deshalb dringend von Experten vor Ort überwacht werden müssten. Henning gelobt: „Wir planen eine ökologische Begleitung und vor Beginn der Arbeiten weitere Begehungen, bei denen die zur Fällung vorgesehenen Gehölze genau markiert werden.“ Eine Neuauflage der gerichtlichen Auseinandersetzung wäre Henning ein Graus: „Wir haben aus den Fehlern von 2007 gelernt und geben uns dieses Mal wirklich Mühe.“