Magdeburg l Frühestens ab 2017, spätestens aber Anfang 2018 könnte die Linie 10 wieder alle zehn Minuten nach Rothensee im Norden Magdeburgs fahren. Das ist das Ergebnis eines Krisengipfels bei den Magdeburger Verkehrsbetrieben (MVB). Dafür soll schnellstmöglich eine Art Trafohäuschen in der Wendeschleife Rothensee gebaut werden.

Nachdem Ende November die MVB in einem Volksstimme-Bericht angekündigt hatten, frühestens 2019 mit der Reparatur der hochwassergeschädigten Gleise in Rothensee zu beginnen, schlugen die Wellen der Empörung hoch. Dass sie so viele Jahre darauf warten sollen, den vom vor dem Hochwasser gewohnten 10-Minuten-Takt der Straßenbahn zu nutzen, wollten viele Rothenseer nicht hinnehmen. GWA-Sprecher Ernst Wittstock hatte sogar verkündet: „Mit den MVB reden wir nicht mehr.“

Diese Meinung hat er nun aber geändert. Angesichts des massiven Protests hatten die Verkehrsbetriebe ihn und Wolfgang Ortlepp als Interessenvertreter der Rothenseer zum Krisengespräch eingeladen. Weil nicht nur die MVB, sondern auch der Aufsichtsratsvorsitzende Dieter Scheidemann und der Finanzbeigeordnete Klaus Zimmermann teilnahmen, sagten die beiden zu, erklärt Wittstock. „Es wäre nicht sachgerecht gewesen, wenn wir nicht dabei gewesen wären“, sagte er der Volksstimme.

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Seit Juni alle 20 Minuten

„Wir waren in der zurückliegenden Zeit nicht untätig. Uns liegt Rothensee genauso am Herzen wie jeder andere Stadtteil auch“, versicherte MVB-Geschäftsführerin Birgit Münster-Rendel gleich zu Beginn. Seit Juni 2014 fährt die Straßenbahnlinie 10 wieder nach Rothensee und bis zum Barleber See, aber nur alle 20 Minuten. „Wir wünschen uns, dass die Straßenbahn, wie vor dem Hochwasser, alle 10 Minuten fährt“, stellten Ortlepp und Wittstock noch einmal klar. Sie erhielten aber auch eine nachvollziehbare technische Begründung, warum dies nicht jetzt sofort möglich ist, sagt der GWA-Sprecher.

Die MVB haben im Sommer eine Zusage über 10,9 Millionen Euro Fördermittel für die Beseitigung der Hochwasserschäden auf der Strecke zwischen Schule und Wendeschleife Rothensee erhalten. Der Baubeigeordnete Dieter Scheidemann machte deutlich, dass die Stadt gewillt ist, die formalen Prozesse zu beschleunigen. „Ein Planfeststellungsverfahren ist meiner Ansicht nach nicht zwingend notwendig, wenn wir vorher alle Beteiligten ins Boot holen“, sagte er. Damit könnte man ein Jahr sparen und den Neubau der Strecke auf 2018 vorziehen.

Aber nicht nur die Strecke muss saniert werden, sondern auch deren Stromversorgung. „Wir können die Schäden daran durch den Neubau eines Gleichrichterunterwerks (GUW) für die Straßenbahn schon deutlich früher beseitigen“, sagte Birgit Münster-Rendel.

Vielleicht schon 2017

Mit dieser Art Trafohäuschen, das die Stromversorgung der Bahnen übernimmt, wäre technisch gesehen ein 10-Minuten-Takt nach Rothensee wieder möglich. „Wir bereiten den Bau des GUW vor. Wir gehen davon aus, dass es spätestens Anfang 2018 steht“, so die Geschäftsführerin. Es soll aber alles unternommen werden, damit es vielleicht bereits 2017 realisiert werden kann. Das wäre aber nur die technische Voraussetzung: Die gewünschte Taktfrequenz muss dann erst noch von der Stadt beauftragt werden.

„Wir werden die MVB zur GWA-Sitzung im Februar einladen, wo die weiteren Planungen vorgestellt werden. Wir hoffen, dass sich viele Bürger mit ihren Ideen einbringen werden, was den Neubau der Strecke betrifft“, erklärte Wolfgang Ortlepp. Diese sollen in die weitere Planung einfließen.

MVB, Stadtverwaltung und die Rothenseer Interessenvertreter wollen sich künftig regelmäßig treffen und zum Stand des Projekts austauschen.