Magdeburg l Abendspiel des 1. FC Magdeburg im heimischen Stadion, die Mannschaft läuft ein und: Die neue Strombrücke erstrahlt in Blau-Weiß. Ganz zur Freude der Fans ist das mit der zukünftigen Pylonen-Strombrücke über die Alte Elbe durchaus möglich, allerdings aber doch nur ein angenehmer Nebeneffekt der Brückenbeleuchtung. Denn das Konzept dafür richtet sich nicht nach lokalpatriotischen Gesichtspunkten, sondern nach den Anforderungen der Verkehrssicherheit und der sozialen Sicherheit. Daneben muss die Beleuchtung auch umweltverträglich und natürlich wirtschaftlich, also finanzierbar sein.

Am Dienstag lagen das Beleuchtungs- und das Farbkonzept für die geplante Strombrücke auf dem Tisch der Oberbürgermeister-Dienstberatung.

Demnach wird die neue Pylonen-Strombrücke Beleuchtungsmasten in der Mitte der Brücke bekommen, die gleichzeitig die Fahrbahnen und die Fahrleitungen der Straßenbahn beleuchten. Die Handläufe an den äußeren Brückengeländern werden ebenfalls im Abstand von sechs Metern mit Leuchten versehen. Die Innenseite der Pylonbeine (senkrechte Betonträger) sollen von oben und von unten angestrahlt werden.

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Wie ein riesiges Stadttor

So wird die Größe des Bauwerks auch im Dunkeln gut sichtbar und die beiden Pylonbeine wirken wie ein riesiges Stadttor. Die Unterführung des Geh- und Radweges im Bereich Heumarkt soll ebenfalls ausgeleuchtet werden.

Der Clou könnte aber eine LED-Beleuchtung der Brücke werden. Die moderne LED-Technik macht Straßenbeleuchtung nicht nur bedeutend preisgünstiger (bis zu 90 Prozent weniger Energieverbrauch), sondern auch sehr flexibel und individuell steuerbar. So könnten die Handläufe und die Stahlseile der Brücke in verschiedenen Farbkombinationen angestrahlt werden. Das kann dann, wie gesagt, zu besonderen sportlichen Anlässen in den Vereinsfarben des 1. FC Magdeburg oder des SC Magdeburg geschehen, aber auch zu Stadtfesten oder anderen Anlässen können besondere Farbspiele gewählt werden. „Der Sinn der möglichen Farbkombinationen ist es, die besondere architektonische Ästhetik der Brücke zu unterstreichen“, sagt Tiefbauamtsleiter Thorsten Gebhardt. Das passiere vor allem mit der Standardbeleuchtung. Die Möglichkeit, mit Hilfe der LED-Technik noch besondere Effekte zu erzielen, sei eine zusätzliche Variante, die allerdings durchaus sparsam genutzt werden sollte, meint der Tiefbauamtsleiter.

Lässt sich die Beleuchtung einer so großen Brücke mit den genanten technischen Möglichkeiten durchaus flexibel handhaben, so ist die farbliche Gestaltung eine für lange Zeit festgelegte Sache. Dabei reicht die machbare Spannbreite von „alles in Beton-Grau zu belassen“ bis „knallbunt“. Da Magdeburg auch eine Stadt mit vielen Architektur-Experimenten ist, hätte beides im Stadtbild seine Entsprechung.

Zeitlos elegant in Grautönen

Die Betongrau-Variante wurde komplett verworfen, da nackte Betonflächen schon von Anfang an alt aussehen. Auch eine bunte Brücke passe nach Ansicht der Planer nicht ins Stadtbild. Ziel ist es, mit einem stimmigen Farbkonzept das stadtprägende Bauwerk gestalterisch ansprechend in das städtebauliche Bild einzupassen. Dazu kommt, dass bei den Planungen auch rein technische Probleme zu beachten sind. So sollte eine Farbe an einem Bauwerk dieser Größenordnung nicht „auskreiden“, wie es fachlich heißt, also nicht verblassen. Das passiert aber mit Farben, die eisenglimmerfrei sind. Auch empfiehlt die Bundesanstalt für Straßenwesen eine besondere Farbpalette für Stahlbauten, die sogenannten Deutsche-Bahn-Eisenglimmerfarben. Davon sind aber wiederum die Farben Blau, Rot und Gelb besonders anfällig für ein Auskreiden (Verblassen). Und die Stahlseile der Pylonbrücke werden auch nicht gestrichen, sondern mit Kunststoffmantel- Rohren verkleidet.

Empfohlen wird eine Farbgestaltung in Grautönen. So sollen die Brückengeländer in einem dunklen Grauton gestrichen werden.

Große Flächen der sichtbaren Betonteile der Brücke werden weiß gestrichen, die meisten Stahlüberbauteile sollen sich in einem mittleren Grauton davon absetzen. Somit werde für die Nachwelt ein Bauwerk geschaffen, das keinem Trend folge, sondern sich zeitlos in das Stadtbild einfüge, so die Planer.