Klinikum Magdeburg

„28 Luftmaschen“ stricken für die Frühchen-Station

Klinikum Magdeburg erhält Kraken, die Frühgeborene an das Gefühl der Nabelschnur erinnern und so zur Entwicklung beitragen sollen

Von Christina Bendigs
Sabine Müller (von links), Diana Freise-Pahlke, Katharina Sumin, Katharina Ebert und Dr. Hannes Stradmann hier mit den Kraken und der Kleidung.
Sabine Müller (von links), Diana Freise-Pahlke, Katharina Sumin, Katharina Ebert und Dr. Hannes Stradmann hier mit den Kraken und der Kleidung. Foto: Christina Bendigs

Magdeburg - „Egal, wo ich hingehe, ich habe immer mein Strickzeug dabei. Ich bin süchtig nach Stricken“, sagt Katharina Sumin. Als sie mit ihrem Sohn in Elternzeit war, brach das Strick-Fieber bei der 39-Jährigen vollends aus. Inzwischen strickt und häkelt sie auch für einen guten Zweck: Sie schloss sich dem Club „28 Luftmaschen“ an, der 2012 in Kasachstan gegründet wurde und inzwischen in zwölf Ländern vertreten ist. Deutschland ist das zwölfte Land, erzählt Sumin, die die Initiative hierher geholt hat.

Angefangen habe sie mit Russisch sprechenden Frauen, inzwischen sind auch Arabisch und Deutsch sprechende Frauen hinzugekommen. Gehäkelt und gestrickt wird für Frühchen-Stationen. Auch das Klinikum Magdeburg konnte kürzlich davon profitieren. Die Frauen fertigen Kraken und Kleidung für Frühgeborene an und lassen ihrer Fantasie dabei freien Lauf – so unterschiedlich wie die Frauen, so unterschiedlich sind auch die gewählten Motive für die Kraken. Sie sollen Frühgeborene an die Nabelschnur und den Mutterleib erinnern und ein ähnliches Gefühl herstellen.

Sie müssen daher auch nach einem speziellen Muster gefertigt werden. Schwester Sabine Müller erzählt, warum die Kraken so begehrt sind: Sie helfen den Kindern bei der Entwicklung, unter anderem bei der Entwicklung ihres Tastsinns. Die Frühgeborenen würden eine Nabelschnur zum Festhalten erwarten. Und das sei wichtig für die Entwicklung, „vor allem, wenn die Mütter nach der Geburt nicht so zur Verfügung stehen“.

Erste Krake entstand in Dänemark

Eine Frau aus Dänemark habe erstmals eine Krake für ihr Kind gehäkelt und gemerkt, dass es sich dadurch beruhigt. Dass das Städtische Klinikum die Sets erhielt, war Zufall: „Die Magdeburger haben als Erstes geantwortet“, erzählt Sumin, die sich darüber aber besonders freut. Denn Katharina Sumin, die in einem Labor arbeitet, hat selbst viele Jahre in Magdeburg gewohnt. Ihre Hoffnung ist, dass sich die Initiative weiterverbreitet. 200 bis 300 Babys werden jährlich auf der Frühgeborenen-Station des Städtischen Klinikums Magdeburg aufgenommen.

Mandy Borrmann erhielt als erste Mutter Kraken für ihre Zwillingsmädchen Juna und Ella.
Mandy Borrmann erhielt als erste Mutter Kraken für ihre Zwillingsmädchen Juna und Ella.
Foto: Christina Bendigs