Landtag

AfD-Mann fällt aus der Rolle

Magdeburger Parlament debattiert über den Abbau von Lernstands-Defiziten.

Von Michael Bock
Die Schulranzen von Schülern einer vierten Klasse einer Grundschule sind während des Unterrichts neben den Tischen der Kinder zu sehen. Der bayerischen Kultusminister Piazolo (Freie Wähler) und der bayerische Gesundheitsminister Holetschek (CSU) besuchen die Grundschule, um sich die Umsetzung der Corona-Teststrategie anzuschauen. +++ dpa-Bildfunk +++
Die Schulranzen von Schülern einer vierten Klasse einer Grundschule sind während des Unterrichts neben den Tischen der Kinder zu sehen. Der bayerischen Kultusminister Piazolo (Freie Wähler) und der bayerische Gesundheitsminister Holetschek (CSU) besuchen die Grundschule, um sich die Umsetzung der Corona-Teststrategie anzuschauen. +++ dpa-Bildfunk +++ dpa

Magdeburg l Wenn Landtags-Vizepräsident Wulf Gallert (Linke) eine Plenarsitzung leitet, ist er selten aus der Ruhe zu bringen. Provoktionen vor allem aus Reihen der AfD begegnet er mit fast schon aufreizender Gelassenheit. Oder mit einer klaren Ansage - wie gestern für AfD-Bildungspolitiker Hans-Thomas Tillschneider. Dieser zerknüllt, am Rednerpult stehend, demonstrativ Anträge der Koalitionsfraktionen und brüllt in den Raum: „Saaldiener, wo ist der Papierkorb?“ Gallert erteilt Tillschneider einen Ordnungsruf - wegen Missachtung der Parlamentswürde.
Die AfD hat die gestrige Schuldebatte angestoßen. Es geht um die Frage, wie durch die Corona-Krise verursachte Lernrückstände aufgeholt werden können. Kernforderungen: den Regelbetrieb sofort wiederherstellen, Kernfächer in der Grundschule stärker gewichten, regelmäßigen Samstagsunterricht anbieten, freiwillige Bildungs- und Freizeitangebote in den Sommerferien.
Die Regierung habe einen gesamten Schuljahrgang der „Corona-Dikatatur“ geopfert, sagt Tillschneider. Mit Blick auf den Bildungsbereich spricht er von einer „systematischen Verblödungspolitik und Zerstörungswut“. Er tönt. „Wenn ich Bildungsminister wäre, wären wir in Deutschland Weltspitze.“
„Es gibt keinen Ersatz für Präsenzunterricht in der Schule“, sagt Linke-Fraktionschef Thomas Lippmann. Es sei nicht akzeptabel, dass sich die Impfung der Lehrer noch bis Sommer hinziehen könnte. Es müsse sichergestellt werden, dass sich auch bei normaler Klassenstärke keine neuen Infektionen ausbreiten können.
„Es gibt absurde Berichte, wie Schüler durch Klassenarbeiten drangsaliert werden, ohne dass dafür eine faire Grundlage der Wissensvermittlung gelegt wurde“, kritisiert Lippmann. „Bulimie-Lernen und Testeritits sind das Letzte, was wir jetzt brauchen.“