Magdeburg l Seit April hatte es nahezu jeden Tag dasselbe Spiel gegeben: Die Pfleger der beiden beliebten Elefanten legen am Ausgang zwischen der Halle und dem Freigelände leckeres Futter aus und hoffen auf einen Übertritt der beiden Kühe aus dem überdachten Bereich in das neue Gelände. Aber auch hier gab es stets dasselbe Ritual: Die beiden Dickhäuter ließen sich vom frischen Futter nicht beeindrucken und blieben einfach drin. Bis gestern.

Mehr als zehn Jahre gekämpft

„Plötzlich ging Mwana einfach los und stapfte ins Freigelände bis zum Schlammbad“, berichtet Zoochef Dr. Kai Perret von dem Moment, auf den alle so sehnlichst gewartet hatten. Vornweg marschierte die Afrikanische Elefantin „Mwana“. Hinterdrein folgte dann die Asiatische Elefantin „Birma“. „Wir sind sehr froh und glücklich, dass die beiden nun endlich den Weg ins Außengelände gewagt haben. Das ist ein großer Glücksmoment. Auch deshalb, weil wir dafür mehr als zehn Jahre gekämpft und gearbeitet hatten“, sagt Zoochef Kai Perret sichtlich gerührt im Namen seines ganzen Teams weiter. Die Africambo-II-Anlage war nach jahrelanger Planung und Bauphase Ende Juni eingeweiht worden. Allerdings hatten sich die Elefanten als Hauptbewohner darum nicht geschert und sich noch nicht ins Außengelände getraut.

Perret hatte das Zögern unter anderem damit erklärt, dass die Elefanten mehrere Jahrzehnte lang nur die alte Dickhäuter-Anlage im Zoo kannten und sie sich deshalb naturgemäß mit der Eingewöhnung schwer tun.

Eingewöhnung relativ schnell

„Wir selbst hätten uns natürlich eine frühere Erkundung des Außengeländes gewünscht. Aber der Blick zu anderen Zoos mit ähnlichen Elefantenprojekten zeigt: Mit rund drei Monaten Zeit für die Eingewöhnung waren ‚Mwana‘ und ‚Birma‘ relativ schnell. In anderen Fällen hat das sonst noch länger gedauert.“ Für die Besucher ergibt sich damit auch eine neue Attraktion. Die beiden Elefanten können nun auf der Außenanlage und von verschiedenen Blickpunkten aus beobachtet werden.

Perret geht davon aus, dass der erste Ausflug nicht der letzte gewesen ist. Zudem hofft er, dass die Tiere auch wieder in die Africambo-Halle zurückkehren, was bis Redaktionsschluss nicht feststand. „Aber selbst wenn die Tiere über Nacht draußen sind, ist das bei den derzeitigen Temperaturen kein Problem“, so Perret.

Weitere Zucht bleibt ungeklärt

Problematisch ist aber weiterhin die unklare Lage zur Elefantenzucht. Mit der Einweihung von Africambo II sind dafür die Voraussetzungen geschaffen. Allerdings gibt es noch keine Aussagen für weitere Tiere. „Der Zuchtbuchführer hat sich leider noch immer nicht entschieden, wann und welche Tiere kommen, obwohl unsere Bedingungen für eine Entscheidung längst bekannt und klar sind.“

Perret, der seinen Gemütszustand in dieser Angelegenheit mit „stinkig“ beschreibt, will in den nächsten Tagen erneut auf den Zuchtbuchführer zugehen und eine Lösung finden. Ginge es nach dem Zoochef, hätte man in Magdeburg gern ein bis zwei weitere Kühe sowie einen Elefantenbullen für die Zucht. Platz ist genug: Africambo II ist für bis zu acht erwachsene Elefanten plus Jungtiere ausgelegt.

Aufatmen nach Sturmtief Paul

Der Ausflug der Elefanten ins Außengelände kommt noch aus einem anderen Grund wie gerufen.

Nach dem Sturmtief „Paul“ hatte der Zoo wegen enormer Schäden am Baumbestand mehrere Tage schließen und damit auch Einnahmeausfälle verzeichnen müssen. Lässig „draußen“ übers Freigelände schlendernde Elefanten könnten so manchen Dickhäuterfreund ebenfalls nach draußen ziehen – in den Zoo.