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Albino-Sportler in Tansania tragen Karatekleidung aus Magdeburg

Grenzen überwinden – dies gilt im Sport ebenso wie in der Gesellschaft. Ein Magdeburger Karateclub hat Sportler mit Albinismus in Tansania mit Ausrüstung bedacht.

Für große Freude unter den Sportlern der New Heroes Youth Development Organization in Tansania sorgten die Karateanzüge und Gürtel, die aus Magdeburg übermittelt worden sind.
Für große Freude unter den Sportlern der New Heroes Youth Development Organization in Tansania sorgten die Karateanzüge und Gürtel, die aus Magdeburg übermittelt worden sind. Foto: New Heroes Youth Development

Magdeburg - mp

Möglich wurde dies durch die Pandemie, wenn man so will. Karatekas aus aller Welt werden seit dem ersten Lockdown im Frühjahr des vergangenen Jahres über die Facebook-Gruppe „Karate@home“ zusammengebracht, wie Bianca Walsleben vom HKC erklärt. Dies bietet die Möglichkeit, barrierefrei zu trainieren und sich austauschen zu können: „So bekommen die Teilnehmer schnell mal Einblick in das Wohnzimmer eines Senseis (deutsch: Meister), mit dem sie sonst vielleicht nie die Möglichkeit gehabt hätten, zusammen zu trainieren.“

Sport und Lebensphilosophie

Auf der anderen Seite rücken über das Vernetzen Projekte in den Fokus, die sonst vielleicht nur wenig Beachtung gefunden hätten. Dazu zählt das Engagement der New Heroes Youth Development Organization in Tansania. Deren Chief Instructor Jerome G. Mhagama kümmert sich mit seiner Organisation um Kinder und Jugendliche mit Albinismus und bringt ihnen Karate als Sport und Lebensphilosophie nahe. Bianca Walsleben: „Dabei mangelt es schon an Grundlegendem, wie dem traditionellen Gewand des Karatekas – dem Gi (Karateanzug) und dem Obi (Gürtel)“. Schnell fasste der HKC mit Sitz an der Johannes-Göderitz-Straße den Entschluss zu helfen und hat Gi-Spenden inklusive Gürtel zusammengetragen und in das Land in Ostafrika – ohne Scheu vor den immensen Versandkosten – gesandt. Mit Erfolg, wie sich zeigte. Die Freude sei groß gewesen, als den Mitgliedern bestätigt wurde, dass die Pakete unversehrt ankamen und auch sofort neue Besitzer gefunden haben.

Solche sozialen Projekte wie jenes in Tansania schaffen es, dass man neben den eigenen Entbehrungen, die man leisten muss, seinen Blick auch für andere öffnet sowie mit Zusammenhalt und Empathie Hoffnung stiftet und sich gegenseitig unterstützt, mit den Mitteln die einem gegeben sind, wie es vom Karateclub heißt. Der Verein engagiert sich seit seiner Gründung im Jahr 1997 für soziale Projekte und wird auch die New Heroes Youth Development Organization nicht aus den Augen verlieren, wie auch die vielen anderen Vereine in Deutschland, die das Projekt unterstützt haben.

Blickwinkel verschiebt sich

Schließlich steht auch der Sport aufgrund der Pandemie und der damit verbundenen Auflagen zur Eindämmung des Virus vor Herausforderungen, die von Vereinen und deren Mitgliedern und Organisatoren und den Ausübenden selbst überwunden werden müssen. Mit Blick auf Deutschland äußert sich das darin, dass man entweder nur im Freien mit reichlich Abstand oder in den eigenen vier Wänden mit vielleicht schwachem Internet und fehlender Kamera online versuchen muss, dem sonst so einenden Gefühl des Gemeinsam-fit-Haltens so nahe wie möglich zu kommen. Klar, dass dies an den Kräften jedes Einzelnen zehrt. Sportler in anderen Gegenden haben mit vollkommen anderen Problemen zu kämpfen, wie das Projekt in Tansania dem 500 Mitglieder zählenden HKC verdeutlicht. Da geht es dann nicht mehr darum, einen Mindestabstand von 1,50 Meter mit dem Auge abzuschätzen oder bei seinem Internetanbieter dafür zu sorgen, „dass die Internetleitung steht, sondern es mangelt schon an sportlicher Bekleidung. Nicht jeder Mensch bekommt vielleicht überhaupt die Möglichkeit geboten, den Sport auszuüben, der ihm Erfüllung bietet“, so Bianca Walsleben.

Hintergrund

In Tansania ist die weltweit höchste Geburtenrate von Menschen mit Albinismus (1:1439) zu verzeichnen. Diese haben es aufgrund von fehlender Aufklärung schwer: Sie werden verfolgt, auch weil Hexendoktoren den Glauben an die potenziell magischen und abergläubischen Eigenschaften ihrer Körperteile gefördert haben. Und: Männer verdächtigen die Frauen oft der Untreue mit einem weißen Mann oder dass das Kind der Geist eines europäischen Kolonisten ist.