40 Jahre Neu-Olvenstedt

Als 15 Pfennig in Magdeburg für die Straßenbahn reichten

Ein rasantes Tempo prägt die Entstehung vom Wohnkomplex Olvenstedt 1981 in Magdeburg. Drei Jahre nach dem Baustart erfolgt der Anschluss an das Straßenbahnnetz.

Von Marco Papritz
Am 27. April 1984 fuhr erstmals eine Straßenbahn in den Wohnkomplex Olvenstedt, dem WKO.
Am 27. April 1984 fuhr erstmals eine Straßenbahn in den Wohnkomplex Olvenstedt, dem WKO. Archivfoto: Peter Appel

Magdeburg - In der Anfangszeit heißt es improvisieren – für die Bauarbeiter, die beispielsweise Material über die unbefestigten Straßen in die Großbaustelle liefern, wie auch für die ersten Bewohner, die ihre Schlüssel für die Wohnungen im Dezember 1981 erhalten. Ein Auto ist zu dieser zeit ein großer Vorteil, denn die Busverbindung reicht zunächst nur bis zum Stadtteil Nordwest, außerdem sind die Busse in den Stoßzeiten meist voll besetzt. Von dort geht es zu Fuß in das neue Wohngebiet, das an das Straßenbahnnetz angeschlossen werden soll.

Transport ist ein Kraftakt

Mitarbeiter des VEB Kraftverkehrinstandsetzungskombinats (Kik) Magdeburg sind mit Tiefladern im Einsatz, um die 24 Meter langen Straßenbahnschienen vom Diesdorfer Graseweg zu den Baustellen zu transportierten. Über die Große Diesdorfer Straße und den Kümmelsberg wird Neu-Olvenstedt mit Zugmaschinen des sowjetischen Typs KrAZ vom Gleistransport angesteuert. Aufgrund des Gewichts der Ladung und der Länge des Transportes geht es nur im Schneckentempo voran. Nach zweieinhalbjähriger Bauphase ist die Strecke – fünf Monate vor dem angepeilten Ziel – fertig.

Am 27. April 1984 rollt erstmals ein Tatrawagen in Richtung Westen der Stadt in das Neubaugebiet. „Mit großem Tamtam und vielen Zuschauern, die sich schon am Olvenstedter Platz eingefunden hatten“, wie sich Peter Appel erinnert, der über 40 Jahre für die Verkehrsbetriebe gearbeitet hat und einst im Betriebshof des Friedens lernte. Der Straßenbahnfahrer ist an dem Tag der Streckeneinweihung zwar nicht im Dienst, doch er lässt es sich nicht nehmen, Fahrerin Sybille Herrmann und seine Kollegen zu begleiten. Eine Blaskapelle spielt auf, während Schaulustige dem Hechtwagen Nr. 70 und dem Triebwagen 124 zujubeln. „Im Laufe der Jahre habe ich viel erlebt, aber das blieb in Erinnerung“, so Appel. Später steuert er selbst Bahnen, um Bewohner beispielsweise nach Rothensee zu den Arbeitsstätten wie dem Betonwerk, der Großgaserei und der Stahlgießerei zu befördern.

Das tägliche Fußballspiel

Zunächst ist die Linie 12 bis Olvenstedt verlängert worden, ab Juni dann auch die Linie 8. Im Dezember kommt die Berufsverkehrslinie 13 „Olvenstedt–Barleber See“ hinzu. Damit sind dann 1985 13 Straßenbahnlinien im Einsatz. „Das war stets ein Fahrgastaufkommen, wie es sonst nur bei Fußballspielen des 1. FC Magdeburg gegeben hat“, merkt Peter Appel schmunzelnd an. Ebenso, dass eine Fahrt damals 15 Pfennig kostet.

Erinnerungen gesucht

Welche Erinnerungen haben Sie an die Entstehung des Wohngebietes? Zählten Sie zu den ersten Bewohnern, die Neu-Olvenstedt mit Leben füllten? Oder waren Sie am Aufbau von Neu-Olvenstedt beteiligt? Schreiben Sie unter Stichwort „Neu-Olvenstedt“ Ihre persönliche Geschichte oder Erinnerung an Ihre ganz persönliche Zeit in Neu-Olvenstedt an Volksstimme Lokalredaktion, Bahnhofstraße 17, 39104 Magdeburg. Sie können sich auch telefonisch unter 0391/599 95 50 sowie per E-Mail an marco.papritz@volksstimme.de mit Ihrem Namen und Ihrer Telefonnummer melden, um persönliche Anekdoten und Bilder zu teilen.