Magdeburg l Wer aktuell im Bereich des Alten Markts in Magdeburg eine Toilette aufsuchen will, kann entweder auf die Nachsicht der Gewerbetreibenden hoffen oder muss einen weiteren Weg auf sich nehmen. Seit dem vergangenen Herbst ist die öffentliche WC-Anlage in der Buttergasse geschlossen. Durch Vandalismus war sie so schwer zerstört worden, dass die Stadtverwaltung nach einer anderen Standortlösung suchen wollte.

Da diese bis heute aber noch nicht vorliegt und eine dauerhafte Schließung „nicht akzeptabel“ sei, unternehmen jetzt die Ratsgrünen einen Vorstoß, um das dringende Bedürfnis der Marktbesucher zu lindern. In einem Antrag, über den auf der Stadtratssitzung am 14. Mai 2020 abgestimmt werden soll, unterbreiten sie dazu zwei Vorschläge.

Sanierung vom Buttergasse-WC eine Option

Zum einen soll geprüft werden, was eine Reparatur beziehungsweise die Sanierung des beschädigten Buttergasse-WCs kosten würde. Erste Schätzungen, auch für die Betriebskosten, sollen den zuständigen Ratsausschüssen vorgelegt werden.

Bilder

Noch besser wäre allerdings aus Sicht der Grünen eine gänzlich neue Anlage, „auch aus stadtgestalterischen Gründen“. Diese könnte in dem ehemaligen Kiosk zwischen IHK-Sitz und Restaurant „Bötelstube“ errichtet werden. „Eine solche im Gebäude gut integrierte Toilettenanlage erscheint besser als die Aufstellung eigenständiger Baukörper oder die Wiederherstellung der Toilettenanlage Buttergasse“, heißt es im Antrag. Zumal die soziale Kontrolle auf dem Marktplatz viel größer wäre als bei der versteckt gelegenen Anlage. Der Vandalismus wäre also in diesem Fall bedeutend geringer.

Neues Örtchen, aber nicht für alle

Dabei gibt es allerdings ein offenkundiges Problem: Die Fläche steht gar nicht mehr zur Verfügung. Denn dort wird bereits eifrig gebaut. Und wie es der Zufall will, entsteht dort genau das, was die Grünen vorschlagen – nämlich eine Toilette. Nur nicht für die Allgemeinheit. Denn das Restaurant „Bötelstube“ wird sich erweitern und dort sein Gäste-WC neu einrichten, wie die Volksstimme vor Ort erfährt. Ein Sprecher der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) als Vermieterin bestätigt das auf Anfrage: „Es erfolgt die Erweiterung der vorhandenen Anlage für mehr Komfort für die Gäste.“

Als Front zum Marktplatz sei zudem ein Schaufenster geplant, in dem möglicherweise ein mechanisches Puppentheater als touristischer Anziehungspunkt gezeigt werden könnte. Dazu sei die Wobau aber noch in Gesprächen und Verhandlungen.

Konzept "Nette Toilette"

Ein weiterer Ratsantrag könnte dem neuen WC dennoch etwas Gutes abgewinnen. Die Gartenpartei hatte angeregt, das Konzept der „Netten Toilette“ in Magdeburg einzuführen. Gastronomen und Händler zeigen per Sticker am Eingang, dass ihre Toilette auch für Nicht-Gäste und -Kunden offensteht. Im Gegenzug beteiligt sich die Stadt an den jährlichen Betriebskosten. Das Thema soll aber erst im Juni im Stadtrat behandelt werden.