Magdeburg l Mit den Virgin Guards hat der American Football bereits seit 1995 in Magdeburg ein sportliches Zuhause. Auch jenseits der heimischen Footballer findet der amerikanische Sport in der Landeshauptstadt immer mehr Anhänger. Erik Stacke ist so einer. Als Fußballfan ohnehin sportbegeistert wanderte schon vor einigen Jahren sein Blick über den großen Teich zum American Football. Und der Sport packte ihn. „American Football hat so viele Regeln und vor allem taktische Möglichkeiten – das macht den großen Reiz aus“, sagt der Magdeburger.

Für jemanden, der zum ersten Mal ein Footballspiel schaut, ist es zunächst tatsächlich wie ein Buch mit sieben Siegeln. Unheimlich viele Fachbegriffe und Spielzüge prasseln auf einen Neuling ein. „Man wächst da immer mehr rein“, sagt Erik Stacke. Bei ihm war das so. Neben dem großen FC Magdeburg ist der American Football zu einer Leidenschaft für ihn geworden. Im Fernsehen verfolgte er immer mehr Spiele. Das ist angesichts der Zeitverschiebung nicht immer ganz so leicht. Denn die Spiele, die übertragen werden, laufen zu einer Zeit „jenseits von gut und böse“, sagt Erik und lacht. „Jenseits von gut und böse“ heißt: nach Mitternacht. Aber so einen echten Fan kann das nicht schocken.

Live-Spiele in London

2016 gipfelte die Leidenschaft darin, dass Erik und sein mittlerweile mit „infizierter“ Sohn Felix nach London fuhren, um sich ein Spiel anzuschauen. Denn in der Saison wandert der Footballzirkus auch mal über den großen Teich, erzählt Erik. 2018 folgte der zweite Besuch.

Bilder

Wenn im deutschen Fernsehen die sogenannten Play Offs übertragen werden, dann spielt sich auch viel über die sozialen Medien ab. Bei Pro 7/Sat 1 beispielsweise werden während der Fernsehübertragung auch immer wieder Fragen von Fans aufgegriffen und erklärt. Auch im Netz geteilte Fotos von deutschen Fans, die gerade stilecht in den Trikots und Farben ihrer Lieblingsmannschaft das Spiel schauen, werden immer wieder mit eingeblendet.

Beim Schauen verfolgte auch Erik auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, was von anderen Fans gerade kommentiert wird – und stieß dabei auf Diana Falke. Die Magdeburgerin ist seit einer Urlaubsreise vor einigen Jahren ebenfalls Fan des American Football geworden. So lernten sich beide kennen, fachsimpelten im Netz und später auch bei gemeinsamen Treffen zu Spielen ihrer ersten großen Liebe, dem FCM.

Footballfans auch auf dem Weihnachtsmarkt

Über den Freundes- und Kollegenkreis kamen immer mehr Magdeburger dazu, die sich ebenfalls für Football interessieren. „Man glaubt gar nicht, wie viele auch hier in Magdeburg sich die Spiele anschauen und Interesse an dem Sport haben“, sagen Erik und Diana. Selbst auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt haben sie etliche Besucher gesehen, die mit Mützen oder Schals von Football-Mannschaften über den Markt bummelten, ergänzt Felix.

Langsam wurde die Fangruppe größer, auch wenn sich nicht alle untereinander direkt kannten beziehungsweise sich persönlich noch gar nicht getroffen hatten. Denn einiges lief weiter über die sozialen Medien beziehungsweise über eine Football-Manager-App fürs Handy, mit der man unter anderem Teams zusammenstellen und auf Spiele tippen kann.

Das sollte sich jetzt ändern, dachte sich Erik – und lud zur ersten gemeinsamen Fernsehnacht am letzten Spieltag der regulären Saison Mitte Januar. Wie es sich gehört kam die Truppe stilecht in Trikots und teils mit Fahnen ihrer Lieblingsmannschaften zusammen, um die Nacht vor dem Fernseher durchzumachen. Und weil zum Fernsehschauen auch Süßigkeiten und Knabbereien gehören, hatte Eriks Tochter Jana, ebenfalls vom Footballfieber gepackt, daraus ein kleines Footballstadion „gebastelt“, was natürlich über Twitter als Foto in die große Football-Fanszene bei Pro7/Sat1 gepostet wurde.

Magdeburger im Fernsehen

Und prompt landeten die Magdeburger in der Übertragung. Ihr Süßigkeitenstadion wurde gezeigt. „Wenn man da gezeigt wird, dann ist man schon geadelt“, sagt Erik und lacht. Die Magdeburger freuten sich so darüber, dass sie von ihrer Freude ein kleines Video drehten – und landeten tatsächlich erneut im Fernsehen.

Am Sonntag steht nun das große Finale an, der Super Bowl. Kick-off ist in Deutschland aufgrund der Zeitverschiebung erst am 3. Februar, 0.30 Uhr. Millionen werden vor den Bildschirmen wieder das Spektakel und die große Halbzeitshow, dieses Mal mit Jennifer Lopez und Shakira, verfolgen. Erik und seine Footballfreunde werden das Spiel natürlich auch sehen – in der Bowlingworld am Pfahlberg. „In Magdeburg gibt es mehrere Super-Bowl-Partys, aber die Bowlingworld ist der Hotspot“, sagt Erik. „Vor vier Jahren konnte man da einfach so hingehen und mitgucken. Mittlerweile läuft ohne Anmeldung nichts mehr. So voll ist das.“ Ein weiteres Zeichen für die Magdeburger, dass der amerikanische Sport immer mehr Anhänger findet.

Für Montag haben Erik und seine Footballfreunde übrigens Urlaub genommen. Das wird Jahr für Jahr schon früh geplant.