Magdeburg l Trotz der hochstehenden Sonne herrschen frische Temperaturen auf der Grabungsstätte am Pechauer Deich in Magdeburg. Nichtsdestotrotz arbeiten dort mehrere Ärchäologen emsig an einer Grabungsstelle, die direkt an den Neubau des Deiches im Bereich Breite Straße grenzt. Wenn die Fachmänner und -frauen etwas gefunden haben, legen sie den großen Spaten beiseite und nehmen Spachtel und Pinsel zur Hand. Zerbrechlich und vor allem alt sind die Fundstücke, die hier zutage gefördert werden.

Dr. Dietlind Paddenberg, sie gehört der Abteilung Bodendenkmalpflege des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie an, weist gerade auf ein paar quaderförmige Löcher. „Und hier sieht man ganz deutlich, dass es damals gebrannt haben muss“, erklärt sie fachmännisch.

Neuer Deich auf slawischem Burgwall

Mit damals meint sie selbstverständlich die mittelslawische Zeit. Das war ungefähr vor 1000 Jahren. Damals hat an der Stelle, wo nun der Deich gebaut wird, ein großer slawischer Burgwall gestanden. Das würden Funde sichern, die man gefunden habe.

Bilder

Die slawische Siedlung, in der einmal bis zu 300 Menschen gelebt haben könnten, existiert schon lange nicht mehr. Das liegt vor allem an dem Jahr 1007. Boleslaw I. Chrobry war der erste König der Polen und zog damals mit seiner Armee bis vor die Tore Magdeburgs. Das damalige Pechauer Gebiet lag in einem sehr sensiblen Bereich.

Kriege auf dem Gebiet der Slawen

Immer wieder kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen auf dem Gebiet der Slawen. Bis der Burgwall letztendlich niedergebrannt wurde.

Dietlind Paddenberg beschreibt den Brand als ein wahres „Höllenfeuer“. „Immerhin hat sich das Feuer bis in die tiefe Erde hineingefressen.“ Immer noch finde man verkohlte Holzüberreste, die dies belegen. Seit man mit den Grabungen begonnen hat, wurden Tausende Fundstücke akribisch gesichert. Gezählt haben diese Paddenberg und ihre Kollegen noch nicht.

Alte Siedlung bei Magdeburg visualisiert

„Bisher haben wir zwanzig große Gitterboxen damit gefüllt“, schmunzelt sie. Das reiche vom Skelett einer Kuh, hier lasse sich nicht mehr genau sagen, ob diese kultischen Zwecken zum Opfer fiel, bis hin zum kleinen Knochenkamm oder der Stricknadel. Anhand gefundener Teile und auch Holzüberreste sowie an Erdsedimenten habe man die Siedlung relativ gut in einer Visualisierung nachempfinden können. Diese zeigt das „Alte Dorf“, so der Name der Archäologen für die Siedlung, einen Wall, der einen Durchmesser von bis zu 150 Metern hatte und gut zehn Meter hoch gewesen sein muss. Alles aus Holz versteht sich. Vor allem dessen Fundament habe man im Erdboden gefunden.

Auch oberhalb der Erde lässt sich noch erahnen, wo dieser Wall und sein Graben früher verlaufen sein muss. Innerhalb der mächtigen Palisaden schätzt man die Anzahl der Häuser auf rund 30.

Nur ein Teil des Dorfes wird freigelegt

Das Erstaunlichste sei jedoch, dass man in der Siedlung eine Art zentrale Straße gefunden habe, die von Osten nach Westen verlief. Jedoch wurde auch nur ein Teil des Dorfes tatsächlich auch von den Archäologen freigelegt. „Wir haben nur dort gegraben, wo später einmal der Deich verlaufen wird“, erklärt Paddenberg. Für den Rest bestehe erst mal keine Dringlichkeit.

Und was passiert nun, wenn die Grabungen abgeschlossen sind? Entsteht dann eine Rekonstruktion der Siedlung, wie es andernorts in Deutschland üblich ist? Die Archäologin winkt ab und verweist an Ronald Günther. Er ist beim Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW) für den Deichbau in Pechau zuständig. „Sobald die Grabungen abgeschlossen sind, werden wir hier alles wieder verfüllen und den Deich fertigstellen“, so der Deichbauexperte. Man rechne damit, dass man noch 2018 die Arbeiten abschließen werde.