Magdeburg l Die alte Kanonenbahnbrücke fristet in Magdeburg derzeit bedeutungslos ihr Dasein. Die Zugänge sind verwuchert. In der Öffentlichkeit steht der Elbübergang so gut wie nicht. Letztmals sorgte das Bauwerk zum Hochwasser 2013 für Schlagzeilen. Damals reichte die proppevolle Elbe bis wenige Zentimeter an den Brückenboden heran. Manche hatten gar Angst, die Brücke könnte überspült und gegen die etwa 100 Meter stromabwärts befindliche Anna-Ebert-Brücke gedrückt werden.

Keine Bedeutung mehr für die Eisenbahn

Nun soll die Brücke eine neue Funktion bekommen. Die Magdeburger Investoren Rolf Onnen und Olaf Kuhn wollen die Brücke neu beleben - mit einem futuristisch anmutenden Ständerbau aus Metall.

„Wir beschäftigen uns mit dem Projekt schon zwei Jahre“, bestätigen beide Investoren eine Anfrage der Volksstimme. Man wolle jetzt mit den ersten Ideen in die Öffentlichkeit gehen, sagen Rolf Onnen und Olaf Kuhn, wohl wissend, dass das Vorhaben für viel Diskussionsstoff sorgen wird.

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Seit den 1990ern stillgelegt

Die Brücke war früher eine wichtige Eisenbahnverbindung durch den Stadtpark über die Hubbrücke und den Elbbahnhof bis nach Buckau und verlor Anfang der 1990er Jahre endgültig ihre Bedeutung. Elbbahnhof-Investor Rolf Onnen hatte die drei Eisenbahnbrücken über die Elbe (Hubbrücke), die Taube Elbe und die Alte Elbe seinerzeit im Paket von der Bahn als Mitgift für das lukrative Gelände des Elbbahnhofs mit kaufen müssen. Pläne für die Brücken gab es bisher nicht. Sie sind bis auf die Hubbrücke geschlossen.

Nun also könnte eine Wende bevorstehen. „Wir haben von der Sattler+Täger Architekten GmbH einen Entwurf fertigen lassen, der technisch umsetzbar ist“, so Olaf Kuhn. Entstehen sollen demnach auf einem Ständerbau aus Eisen etwa 20 Eigentumswohnungen. Obendrauf ist ein begrüntes Dach geplant. Die Brücke selbst bleibe frei und könne von Fußgängern, Radfahrern und der Feuerwehr benutzt werden, so Kuhn. Über die Kosten machen beide noch keine konkreten Angaben.

Investitionen im hohen Millionenbereich

Die dürften sich aber im zweistelligen Millionenbereich bewegen. Onnen: „Wir gehen davon aus, dass die Baukosten etwa doppelt so hoch sein werden wie normaler Neubauwohnraum.“ Man sei zuversichtlich, dennoch Interessenten zu finden.

Beide Investoren wissen, dass noch viele Fragen zu klären sind. Die Brücke liegt beispielsweise im besonders umweltgeschützten Flora-Fauna-Habitat der Alten Elbe. Versorgungsleitungen, Parkplätze, Zuwegungen, Lärmschutz und vieles mehr müssten noch besprochen werden. „Wir sind aber der Meinung, dass sich alles lösen lassen kann“, so Kuhn. Mit seinem Partner sieht er das Projekt auch als Teil einer innerstädtischen Aufwertung.

Verbindung für den Radverkehr

Würde die Brücke wieder für Fußgänger und Radfahrer frei sein, könnte sie ein wichtiges Bindeglied für einen nahezu kreuzungsfreien Radweg zwischen Ostelbien und dem Bereich Allee-Center werden. Denn westwärts könnte die Kanonenbahn, die in Cracau schon längst Radweg ist, über den Stadtpark mit einer weiteren Fußgängerbrücke über die Stromelbe bis ins Stadtzentrum verlängert werden. Ideen für solche Brücken gibt es schon länger. Etwa als Verlängerung des Aussichtspunktes in Höhe Domfelsen oder als Neubau im Zusammenhang mit den Plänen für den Stadtmarschkomplex rüber zum Allee-Center.

Zustimmung kommt aus der Stadtspitze

Noch ist alles nur eine Ideensammlung. Aber sie findet Zustimmung in der Stadtspitze. OB Lutz Trümper (SPD), der vor ein paar Jahren noch aus Hochwasserschutzgründen auf einen Abriss der Brücke gedrängt hatte, änderte seine Meinung. „Wenn die Hochwasserfrage geklärt ist, könnte das Projekt wesentlich zur Aufwertung des Gebietes mit den Plänen für den Heumarkt und den Kleinen Stadtmarsch beitragen“, sagte er. Es gebe zwar noch viele Fragen. Aber keine, die nicht zu lösen wären.

Wie geht es jetzt weiter? Die Investoren wollen nun Kontakte mit Lokalpolitik und Verwaltungen suchen. Dann soll es in die Feinplanungen gehen. Veranschlagt sind dafür mindestens zwei Jahre.