Magdeburg l Wie hoch will Magdeburg hinaus? Der Stadtrat hat auf seiner Augustsitzung 2019 auf Anregung der CDU/FDP-Fraktion beschlossen, dass die Stadtverwaltung ein entsprechendes Konzept erstellen soll. Fraktionschef Wigbert Schwenke hatte in der Diskussion dazu darauf hingewiesen, dass es darum gehe, „ein wenig Strukturen reinzubringen“.

Und: Man könne auch gut mit den Änderungsanträgen leben. Von diesen gab es einen aus der SPD-Fraktion. Inhalt: Es solle nicht erst geprüft werden, ob ein Hochhauskonzept sinnvoll sei, sondern es solle gleich eines erstellt werden. SPD-Fraktionschef Jens Rösler hatte am Mikrofon gesagt: „Wichtig ist, dass Innenstadtbereiche einer gewissen Ordnung unterliegen.“ Zur Erläuterung, wo er denn ein Ordnungsproblem der Magdeburger erkennt, schob der Sozialdemokrat nach, dass der Dom höchster Punkt bleiben solle. „Angesichts der Höhe des Blauen Bocks ist es wichtig, da einige Regeln aufzustellen“, sagte er weiter.

Stadträte wollen mitreden

Beim zweiten Änderungsantrag ging es um einen ebenfalls angenommenen Vorstoß der Ratsfraktion Grüne/Future, mit dem festgelegt wurde, dass die Bedingungen zur Auftragserteilung für das Konzept im Bauausschuss diskutiert werden können.

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Mit dem Beschluss hat der Stadtrat bei der Verwaltung gewissermaßen offene Türen eingerannt. In deren Stellungnahme heißt es, dass aus städtebaulicher Sicht zwingend die Notwendigkeit eines Hochhauskonzeptes für den innerstädtischen Bereich bestehe. Auch wenn noch kein Konzept vorliegt – für die Innenstadt hält die Stadt eine Obergrenze von 45 Metern für angemessen. Dies entspricht beispielsweise der Höhe des ersten Magdeburger Hochhauses, des 1932 eröffneten Faber-Hochhauses in der Bahnhofstraße.

Blick von außen

Weiterhin sei, so die Stadt, zu untersuchen, inwiefern auch anderenorts negative Auswirkungen in Bezug auf Fernwirkung, Stadtsilhouette, Sicht- und Blickbeziehungen entstehen könnten.

Hintergrund des Vorstoßes: Nach dem industriellem Wohnungsbau zu DDR-Zeiten, bei dem in Magdeburg mehrere Sechzehngeschosser sowie ein experimentelles Hochhaus an der Jakobstraße gebaut wurden, und einem Bauboom nach der Wende 1990 folgte eine gewisse Stagnation – die aber seit einigen Jahren längst Geschichte ist. Das sieht man der Innenstadt an. Und vor allem: Es werden wieder Hochhäuser gebaut. In der Nachwendezeit fällt allenfalls ein Eckturm auf dem Universitätsplatz unter diese Kategorie.

Doch jetzt wächst der Blaue Bock empor, zwei weitere Hochhäuser entstehen an der über Jahrzehnte geschlossenen Einfahrt vom Breiten Weg in die Haeckelstraße, für die Lange Luise an der Erzbergerstraße laufen die Arbeiten am Fundament. Und es gibt weitere Ideen für Hochhäuser, im Wissenschaftshafen, am Prämonstratenserberg, am Kleinen Stadtmarsch, am Universitätsplatz.

Bereits in der Vergangenheit hatte es immer wieder Ideen zur Gestaltung der Innenstadt gegeben, die dann aber nicht verwirklicht wurden. Zu diesen zählen u. a. Pläne aus DDR-Zeiten für den Zentralen Platz oder aus den 1920er Jahren für das Gelände der abgerissenen Zitadelle.