Magdeburg l Zimmerleute der Zimmerei Kai Vater aus Wittenberg sind derzeit dabei, die 160 Quadratmeter große Plattform zu bauen, von der später die pädagogischen Angebote starten werden. 1100 Meter Lärchenholz, rund 450 Meter Unterkonstruktion und etwa 5000 Edelstahlschrauben werden dafür verwendet. Sie werden Teil der neuen Kletterkirche sein, die auf dem Gelände des Zentrums für soziales Lernen am Schöppensteg errichtet wird.

Leiterin Elisabeth Hamann gibt einen aktuellen Überblick über die Arbeiten. „Die Stahlgerüste sind montiert. Wenn die Plattform fertig ist, wird der Grundbau abgeschlossen sein“, sagt sie.

Experten feilen am Kletterelemente-Konzept

Über den Winter wird mit einem Experten an dem Konzept für die einzelnen Kletterelemente gefeilt. Sie sollen dann ab dem Frühjahr installiert werden, blickt sie voraus. Der Mann hatte schon in Wittenberg die Elemente konzipiert und angebracht, sagt sie. Denn bei der Neustädter Kletterkirche handelt es sich um ein Recyclingprodukt. Das bis über 20 Meter hohe Stahlgerüst war 2017 anlässlich des Lutherjubiläums in Wittenberg aufgestellt worden und war dort als „Young Point Reformation“ mehrere Wochen lang ein Anziehungspunkt der Besucher.

Es war zwar klar, dass der Kletterturm nur temporär aufgestellt werden sollte. Doch nach dem Ende der Feierlichkeiten war man sich schnell einig, dass es schade wäre, die Konstruktion einfach zu verschrotten. Deshalb konnten sich kirchliche Einrichtungen dafür bewerben.

Kletterkirche soll Seilgarten ergänzen

Das evangelische Zentrum für soziales Lernen erhielt schließlich den Zuschlag. Nicht ohne Grund, schließlich gibt es dort bereits einen Seilgarten, der für pädagogische Zwecke genutzt wird.

Die Kletterkirche soll diesen nun ergänzen, wie Elisabeth Hamann erklärt. So gibt es beispielsweise schon seit 2015 eine „Fliegende Brücke“, die für gemeinschaftsbildende Übungen eingesetzt wird. Auch die Kletterkirche soll, ist sie erst einmal fertig gestellt, dazu genutzt werden, zum Beispiel von Schulklassen. Das ist aber nicht alleine möglich, wie in einem herkömmlichen Kletterpark, sondern stets nur in Kooperation mit den anderen Teilnehmern. Es ist also gegenseitige Hilfe und Teamwork gefragt. „Es geht darum, Vertrauen zueinander zu schaffen und zu erfahren, dass man füreinander da sein muss. Sonst ist das Klettern nicht möglich“, erklärt die Leiterin den pädagogischen Ansatz des Zentrums. Die Einrichtung der Evangelischen Jugend Magdeburg kann mittlerweile auf 20 Jahre erfolgreiche Arbeit zurückblicken.

Seit Beginn des Schuljahres konnte das Zentrum wieder Angebote für Schulklassen ab der 4. Klasse machen. „Mit den entsprechenden Hygienevorkehrungen war das möglich“, sagt Elisabeth Hamann. Mittlerweile sei man aber in der Winterpause, die Elemente sind demontiert.

Ab dem Sommer soll Kletterkirche öffnen

Voraussichtlich Ende März geht es dann weiter, so es denn die Pandemie-Lage zulässt. Wenn alles klappt, soll dann im kommenden Sommer auch die Kletterkirche genutzt werden können, wie Elisabeth Hamann hofft.

Nach Angaben der Architekten sollen die drei großen Stahlsäulen an die Dreifaltigkeit Gottes erinnern. Für ihren Transport von Wittenberg nach Magdeburg mussten sie in mehrere Teile zerlegt werden, die im Frühjahr vor Ort am Schöppensteg mit einem Schwerlastkran wieder zusammengesetzt worden waren. Insgesamt 15 Einzelteile mit einem Gesamtgewicht von gut 53 Tonnen wurden dabei bewegt. Sie wurden zuvor in einem himmelblauen Farbton angestrichen, die eine der Farben der Evangelischen Jugend ist. Mit dem Stadtjugendpfarramt hat diese am Standort ihre zentrale Einrichtung in Magdeburg.