Magdeburg l Es ist die wichtigste Nachricht für Menschen in Not: Die Bahnhofsmission an Gleis 5 des Magdeburger Hauptbahnhofes bleibt weiterhin geöffnet. Auch und gerade in Zeiten der Corona-Krise. „Wir sind ganz stolz, dass wir es schaffen, trotz allem jeden Tag aufmachen zu können“, sagt Gabriele Bolzek, die stellvertretende Leiterin der Bahnhofsmission. „Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass wir für all diejenigen da sind, die neben dem System her leben.“ Gerade für diejenigen, die keine Hilfe von „Vater Staat“ annehmen wollen oder können, weil sie in verschiedenster Weise schon mal schlechte Erfahrungen gemacht hätten. In der Bahnhofsmission bekommen sie Lebensmittel, können hier eine Mahlzeit einnehmen, sich auch duschen und waschen, mit den Mitarbeitern und ehrenamtlichen Helfern der Bahnhofsmission sprechen.

Doch auch in der Bahnhofsmission hat die Corona-Krise Spuren hinterlassen. Im Inneren der Bahnhofsmission mussten die Plätze reduziert werden, um den Sicherheitsabstand gewährleisten zu können. Anstatt der üblichen 23 Plätze sind es derzeit nur sechs. Auch die Zeit, in der sich die Bedürftigen hier aufhalten dürfen, musste aus Sicherheitsgründen verkürzt werden. Bedürftige mit eigener Wohnung müssen nach 30 Minuten die Mission wieder verlassen, Obdachlose dürfen eine Stunde bleiben. Danach müssen sie die Mission wieder verlassen, damit andere hereinkommen können. Durchschnittlich 40 Besucher suchen die Bahnhofsmission täglich auf.

Wichtiger Treffpunkt

„Die verkürzte Aufenthaltsdauer ist am gravierendsten für unsere Besucher. Denn die Bahnhofsmission ist für sie ein Treffpunkt und die Chance, sich auszutauschen. Das vermissen unsere Besucher“, sagt Gabriele Bolzek. Doch die Einsicht, dass es derzeit nicht anders geht, sei bei den meisten da, sagt sie.

Bilder

Froh sind Gabriele Bolzek und ihre Mitstreiter, dass sie die Versorgung der Besucher auch in diesen Krisenzeiten weiter aufrechterhalten können. Unternehmen wie auch Privatpersonen unterstützen die Bahnhofsmission und damit die Bedürftigen auch weiterhin. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und Hilfsorganisationen funktioniere weiterhin. „Wir haben ganz tolle Unterstützung erfahren. Gastronomen und Caterer, die nun zunächst schließen mussten, haben uns Vorräte gebracht, das Sportgymnasium hat die Kantine leergeräumt und uns beliefert und vieles mehr“, sagt Gabriele Bolzek.

Um den Betrieb der Bahnhofsmission weiter aufrechterhalten zu können, mussten auch weitere Hygienemaßnahmen getroffen werden. Hinter dem Tresen dürfen nicht mehr als drei Mitarbeiter stehen, um auch hier die Abstandsregeln einzuhalten. Zudem tragen die Mitarbeiter Schutzhandschuhe und - dank einer Spende – selbst genähte Gesichtsmasken, wenn sie Essen, Getränke und ähnliches ausgeben. Außerdem wird häufig desinfiziert.

Ein Lichtblick

Auch über Ostern hat die Bahnhofsmission natürlich geöffnet. Und ganz besonders freuen sich die Helferinnen und Helfer, dass sie ihren Besuchern dann auch zusätzlich ein kleines Ostergeschenk machen können. Dank der Freiwilligenagentur hat die Bahnhofsmission zahlreiche Ostersüßigkeiten bekommen. Die haben sie auf viele kleine Tütchen aufgeteilt und werden sie zum Fest verteilen. Ein süßer Lichtblick für alle, die es ohnehin und in der jetzigen Krise sogar noch schwerer haben.