Magdeburg l „Ich möchte gern wissen, wie ich mit meinem Rollator in einen Bus hineinkomme“, sagt Anneliese Göhring aus Magdeburg. Sie ist eine von zehn Teilnehmern beim Mobilitätsstraining der Magdeburger Verkehrsbetriebe. Zu der Veranstaltung an der Wendeschleife am Buckauer Wasserwerk ist sie ohne Rollator gekommen, eben weil sie mit dem Wägelchen nicht in den Bus gelangen kann.

Erstmals haben die Magdeburger Verkehrsbetriebe auf vielfachen Wunsch aus den Reihen des Seniorenbeirates und des Behindertenverbandes das Mobilitätstraining angeboten. Dass dennoch nur zehn Teilnehmer zu der Veranstaltung kamen, war für die Organisatoren etwas enttäuschend. Doch all jene, die gekommen waren, erhielten hilfreiche Tipps – etwa wie sie sich beim Fahrer bemerkbar machen können, wenn sie Hilfe beim Einsteigen benötigen. Im Mittelpunkt standen das sichere Ein- und Aussteigen mit Rollstühlen, Rollatoren, Gehhilfen und Kinderwagen.

Rampe an allen Bushaltestellen auslegbar

An barrierefrei ausgebauten Haltestellen weist ein Piktogramm mit einem Rollstuhl im Bereich der Haltestelle auf die richtige Warteposition hin. Und genau dort befindet sich nach dem Halten des Busses oder der Straßenbahn auch die Doppeltür mit dem Zugang zum Multifunktionsabteil, in dem Platz für Rollstuhlfahrer ist. Rollstuhlfahrer, die das Anlegen der Rampe zum Einstieg benötigen, sollen dies dem Fahrer per Handzeichen signalisieren. Allerdings bitten die Fahrer hier um Geduld. Sie können die Kabine erst verlassen, wenn der Fahrgastwechsel an der ersten Tür abgeschlossen ist. An Haltestellen mit Ausstieg auf der Fahrbahn ist ein Anlegen der Rampe nicht möglich, weil der Winkel zu steil ist.

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Anders ist das bei Bussen. Die Rampe für Rollstuhllfahrer kann dann grundsätzlich an allen Haltestellen angelegt werden. Gegebenenfalls kann der Bus auch abgesenkt werden. Die Rampe ist für Rollstuhlfahrer vorgesehen und wird nicht für den Ein- und Ausstieg mit Kinderwagen und Gehhilfen angelegt. „Wir gehen davon aus, dass jene Menschen, die auf Gehhilfen angewiesen sind, mit der Hilfe anderer Fahrgäste in den Bus gelangen“, begründet Pressesprecher Tim Stein.

Anmeldungen vorher telefonisch möglich

Wenn die Rampe ausgelegt wird, ist dies auch eine gute Gelegenheit, um dem Fahrer schon einmal zu sagen, wann man wieder aussteigen möchte. Auch können Menschen mit Hilfebedarf sich bereits vor Fahrtantritt bei den Magdeburger Verkehrsbetrieben melden, damit die Fahrer bereits vorher wissen, dass an bestimmten Haltestellen jemand warten wird, der die Rampe zum Einsteigen benötigt. Andere Fahrgäste sollten hier Verständnis haben, wenn der Bus dadurch ein oder zwei Minuten Verspätung hat.

Für einen sicheren Stand in Bahn und Bus sollten sich Rollstuhlfahrer mit dem Rücken zur Fahrtrichtung aufstellen. So kann der Rollstuhl auch im Falle einer Notbremsung nicht umfallen. In den Bussen sind dafür extra gekennzeichnete Plätze mit Rückenlehne vorgesehen.

Gudrun Schulz aus Magdeburg gehört zu jenen, die auf Unterarmstützen angewiesen sind. Seit der Einstieg in Bussen nur noch vorn möglich ist, habe sie leichte Probleme. Fahrschein, Portemonnaie, Stützen und eine Tasche hat sie dann in ihren Händen und findet manchmal gar nicht so schnell einen Sitzplatz, dass sie sicher ist, wenn der Bus anfährt. Hier sei die Aufmerksamkeit der Busfahrer gefragt, sagt dazu Tim Stein.

Kritisiert wurde, dass in den Straßenbahnen zu wenige Halteschlaufen vorhanden sind. In dieser Hinsicht sind die Magdeburger Verkehrsbetriebe bereits dabei, nachzurüsten, erklärt Tim Stein.

Kinderwagen vorwärts hinein schieben

Fahrgäste mit Kinderwagen orientieren sich an Haltestellen mit Bahnsteig ebenfalls am Rollstuhlsymbol im Boden. An diesem Piktogramm befindet sich dann bei Einfahrt der Straßenbahn oder des Busses die Doppeltür mit Zugang zum Abteil mit Platz für Kinderwagen. Die Eltern sollten darauf achten, dass ihr Kind im Kinderwagen angegurtet ist. An der Tür sollte nach Möglichkeit der blaue Knopf mit dem Kinderwagentaster gedrückt werden. Dieser setzt die Schließautomatik der Tür außer Kraft, so dass sie solange geöffnet bleibt, bis der Fahrgastwechsel abgeschlossen ist. Die Magdeburger Verkehrsbetriebe empfehlen, mit dem Kinderwagen vorwärts einzusteigen und rückwärts wieder auszusteigen. Gegebenenfalls sollten andere Fahrgäste um Hilfe gebeten werden.

Wie so oft zeigte sich auch beim Mobilitätstraining, dass vieles auch eine Frage der Kommunikation ist. Ob und wann es wieder ein Mobilitätstraining der Magdeburger Verkehrsbetriebe geben wird, ist unklar. Denn die Haltestelle am Buckauer Wasserwerk ist die einzige, an der entsprechende Bedingungen herrschen – aber eben nur in den Sommerferien.

Weitere Fragen zur Nutzung der Fahrzeuge und zu den Haltestellen beantworten die Mitarbeiter an der kostenfreien Service-Hotline 0800/5481245. Sie ist montags bis freitags von 8  Uhr bis 18.30  Uhr erreichbar.