Magdeburg l Eigentlich war der Bau eines neuen Parkplatzes hinter der Magdeburger MDCC-Arena beschlossene Sache: Der Stadtrat hatte den Weg für die entsprechende Investition freigemacht.

Doch mit einem Beschluss im Ausschuss für Finanzen und Grundstücke ist das Vorhaben jetzt gestoppt worden. Der Grund: Die Stadtverwaltung hatte eine Drucksache zu einem Finanzierungsnachtrag vorgelegt. Es ging um 325.000 Euro, die für den Parkplatz im insgesamt elf Millionen Euro fassenden Gesamtprojekt benötigt würden. Grund seien die steigenden Baupreise, die nicht ausreichend berücksichtigt worden sind. Heinz Ulrich, der den Eigenbetrieb Kommunales Gebäudemanagement leitet, hatte darauf verwiesen, dass dies ein Trend in der gesamten Branche ist und dass die Teuerungen auch in Zahlen des Bundesamts für Statistik zu erkennen seien.

Drei Stimmen dafür, aber vier dagegen

Der Finanzausschuss war in diesem Falle beschließender Ausschuss – sprich: Sein Votum war die Entscheidung in der Sache und nicht allein eine Empfehlung für den Stadtrat. Und mit nur drei Ja-Stimmen, aber vier Gegenstimmen und zwei Enthaltungen wurde die Finanzierungsnachforderung nicht genehmigt.

Vorangegangen war in dem Ausschuss eine umfangreiche Diskussion. Und hier zeigten sich mehrere Gründe für eine mehrheitliche Ablehnung: So hatte SPD-Fraktionschef Jens Rösler darauf verwiesen, dass es sich vielleicht lohnen würde, noch zu warten. Wenn nämlich die Stadt eigene Deponiekapazitäten schaffe, könne der belastetet Boden zu einem weitaus günstigeren Preis dort entsorgt werden. Zudem mag dem Sozialdemokraten nicht einleuchten, warum Parkplätze aus dem Boden gestampft werden, ohne dass es in Ostelbien ein Verkehrsleitsystem gibt. Sprich: Der neue Parkplatz dürfte aufgrund einer ohnehin schlechten Erreichbarkeit über enge Straßen auch noch schwer zu finden sein – ähnlich schwer, wie dies bei bereits vorhandenen Parkplätzen zum Beispiel an den Ministerien am Jerichower Platz der Fall ist. „Warum wollen wir die Menschen nicht weiter an der Messe parken lassen?“, fragte Jens Rösler.

Anwohner leiden unter zugeparkten Straßen

Die Antwort und gleichermaßen ein weiteres Argument gegen einen neuen Parkplatz gab es von Mirco Stage (future!). Er berichtet aus eigener Erfahrung als Anwohner vom Verkehrschaos, das an einem Tag alle zwei Wochen während der Fußballsaison über die benachbarten Straßenzüge hineinbricht: „Bevor die Autofahrer sich auf einen weiter entfernten Parkplatz stellen, auf dem sie womöglich auch noch Gebühren bezahlen müssen, suchen sie immer die Straßenzüge nebenan nach einer Möglichkeit ab, möglichst nahe am Veranstaltungsort und möglichst kostenfrei ihr Auto abzustellen.“

Damit widersprach Mirco Stage auch CDU-Stadtrat Reinhard Stern, der angemahnt hatte, den Parkplatz im Sinne der Nachbarn zu bauen: „Wir können das den Anwohnern nicht weiter zumuten.“

Keine Straßenbahn bis zum Stadion

Eine andere Lösung abseits des Parkplatzes sprach Anke Jäger (Die Linke) an. Ihre Fraktion hatte in der Vergangenheit mehrfach angeregt, eine Straßenbahnverbindung bis zum Stadion zu bauen und so mehr Menschen zur Fahrt mit dem öffentlichen Personennahverkehr zu bewegen. Doch diese Idee hatte keine Mehrheiten gefunden.

Erledigt ist der Parkplatzbau am Gübser Weg trotz der Entscheidung durch den Finanzausschuss noch nicht. Denn der Stadtrat kann sich das Thema Finanzierung wieder auf den Tisch holen und die benötigten Gelder freigeben. Möglich wäre dies beispielsweise bereits heute per Eilentscheid. Eine entsprechende Initiative unternimmt laut Tagesordnung die Stadtverwaltung.

Lizenz für Zweite Bundesliga fraglich

Heinz Ulrich hatte nämlich während der Sitzung des Finanzausschusses deutlich gemacht, dass die Folgen fürs Stadion nicht absehbar seien. Denn in der Baugenehmigung war die Erweiterung von Parkplatzkapazitäten damit begründet worden, dass mit der Erhöhung der Zuschauerzahl nach denen auch ein höherer Bedarf besteht. Wenn dieser Bedarf nicht gedeckt werden kann, könnte die Folge sein, dass nicht alle Plätze in den Zuschauerrängen besetzt werden dürften. Und diese ausreichenden Zuschauer­kapazitäten sind ein wichtiges Argument, wenn es dereinst um eine neuerliche Lizenzierung des 1. FCM für die Zweite Fußball-Bundesliga gehen sollte.