Magdeburg l Wie viel kostet am Ende der Tunnel am Magdeburger Hauptbahnhof? Unter dieser Frage steht ein großes Fragezeichen – und eine Antwort gibt es nicht. Dass am Ende die Summe über den inzwischen vielfach vermeldeten 139 Millionen Euro liegen dürfte, ist ein offenes Geheimnis. Unter anderem hatte es seitens des Stadtrats beispielsweise in den Ausschüssen Finanzen und Grundstücke sowie für Bauen, Stadtentwicklung und Verkehr die Bitte nach detaillierten Zeitplanungen und Kosten gegeben. Auf Nachfrage der Volksstimme sagte Christian Fuß, der das Projekt seitens der Magdeburger Stadtverwaltung leitet: „Wie hoch die weiteren Mehrkosten infolge der Bauzeitverlängerung ausfallen, ist bislang schwer zu beziffern."

Die Volksstimme hat einige der Aspekte zusammengestellt, deretwegen die Situation so unübersichtlich ist. Es geht um Zeit, um Nachforderungen, um mehr benötigtes Material und auch darum, bei wem die Justiz letztendlich die Verantwortung für die Kostensteigerungen sieht.

Die Zeit rennt

Jeder Bauherr weiß: Wer vor fünf Jahren ein Bauvorhaben geplant hat, kommt heute mit seinen Kalkulationen nicht mehr hin. Angesichts einer enormen Bautätigkeit in Deutschland auf der einen Seite und einem Fehlen an Arbeitskräften auf der anderen Seite, sind die Preise im Laufe der Zeit deutlich gestiegen.

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Bei der Magdeburger Tunnelbaustelle kommt aber noch hinzu: Aufgrund der Fehlplanung zu Beginn mussten Planungen überholt werden. Und auch das verschlang Arbeitszeit die bezahlt werden muss.

Nachträge und Nachforderungen

Auftragnehmer für die Magdeburger Tunnelbaustelle, für die sich die Landeshauptstadt und die Deutsche Bahn die Kosten teilen, ist Porr. Das Unternehmen ist gegenüber Presseanfragen zurückhaltend. Seine Position ist aber deutlich: Aufgrund von Fehlern in der Planung, ist ein höherer Arbeitsaufwand entstanden. Und der muss bezahlt werden. Gerade wenn die Bauherren einen zügigeren Bau haben möchten, müssen sie draufzahlen – zum Beispiel für Zuschläge bei Schichtarbeit oder wenn an Wochenenden extra gearbeitet werden soll. Entsprechend legt das Unternehmen für zusätzliche Aufgaben den Bauherren immer wieder Rechnungen vor, die verhandelt werden müssen.

Aus der Magdeburger Bauverwaltung war zwar zu hören, dass gegenüber der Stadt in letzter Zeit nicht mehr so viele Nachträge ins Haus geflattert sind – das kann aber auch daran liegen, dass Porr sich derzeit damit beschäftigt, Nachträge anderen Auftraggebern gegenüber auszuarbeiten. Im Falle von Magdeburg wäre das beispielsweise die Deutsche Bahn, für die das Unternehmen die Brücken gebaut hat.

Wie hoch weitere Rechnungen für Magdeburg ausfallen werden, ist unklar. Sicher dürfte hingegen sein, dass es weitere Nachforderungen geben wird.

Mehr Material kostet mehr

Kern der Fehlplanungen waren zu niedrig dimensionierte Betonpfähle, die zwar für den Betrieb ausreichend dick gewesen wären, die aber den höheren Belastungen durch das Grundwasser während der Bauzeit nicht gewachsen gewesen wären. Es mussten also dickere Betonpfähle her, ebenso wie sogenannte Kopfbalken, die die Betonpfähle, aus denen die Seitenwände zusammengesetzt sind, oben verbinden und die ursprünglich nicht eingeplant waren. Die Folge ist ein Mehrbedarf an Material, der auch bezahlt werden möchte.

Bei der Stabilisierung der Wände zum Bahngelände hatte sich übrigens gezeigt, dass hier mehr von der zementhaltigen Spezialmischung in die Wände gepresst werden musste, als ursprünglich geplant. Auch hier also ein Mehrbedarf an Material, der sich auf der Seite der Kosten zu Buche schlägt.

Auch wenn nachträglich andere Materialien gewünscht werden für die Gestaltung des Tunnels, ist dies ein Punkt, der sich in den Kosten niederschlägt.

Gericht hat das Wort

Spannend ist die Frage, wer eigentlich die Schuld an den Zusatzkosten trägt. Laut Stadt waren das die Planer. Doch deren Versicherung hat sich über Jahre nicht geäußert. Inzwischen wollte sich die Landeshauptstadt nicht mehr vertrösten lassen und hat Klage erhoben. Sollte sie Recht bekommen, dürfte sie zumindest einen Teil der bisher aufgelaufenen und vielleicht auch künftiger Mehrkosten auf die Versicherung der Planer abwälzen können.

Auseinandersetzungen vor Gericht um Bauprojekte sind in Deutschland keine Seltenheit. Auch große Bauherren sind davor nicht geschützt – wie das Beispiel des Tunnels am Magdeburger Hauptbahnhof zeigt.

Weitere Beiträge zum Tunnelprojekt Magdeburg gibt es in einem Dossier.