Magdeburg l „Seit 70 Jahren wohne ich hier, solange gibt es schon die Brunnen“, sagt eine Mieterin aus dem Carré an der Offleber Straße. Wie sie sind einige der Beimssiedler zum Vor-Ort-Termin mit der Volksstimme gekommen, um ihrem Ärger über die Entscheidung der Wobau zum Trockenlegen der Wasserstellen Luft zu machen.

Vor einigen Wochen hatte die kommunale Wohnungsbaugesellschaft den Pächtern der Kleingärten in den Innenhöfen der Bauhaussiedlung mitgeteilt, dass sie künftig ohne Brunnen auskommen müssen. Weil diese nicht für die Trinkwassernotversorgung notwendig seien, sollten die im Herbst demontierten Pumpen nach der Winterpause nicht wieder angebaut werden, hieß es darin zur Erklärung.

Bewässerung für grüne Innenhöfe

„Dafür waren sie doch auch nie gedacht“, sagt Anwohner Detlef Vollrath. Vielmehr sollten die grünen Oasen in den Innenhöfen damit bewässert werden. Drei bis vier Stück gibt es pro Hof. „Wohlüberlegt haben die Architekten der Beimssiedlung für die Gärten Pumpen vorgesehen“, meint auch Gertrud Seidel.

„Wir würden ja auch eigene Pumpen kaufen und anbringen“, sagt Detlef Vollrath. Aber auch das will die Wobau nicht erlauben, berichten die Mieter. Stattdessen sollen Regensammeltonnen aufgestellt werden. In einem Sommer wie dem vorigen würden diese aber auch nichts nutzen, sind sich die Beimssiedler sicher.

Kein Denkmalschutz

Kerstin Willenius, Leiterin der Wobau-Geschäftsstelle Süd, erklärt dazu auf Volksstimme-Anfrage: „Viele Brunnen wurden zur Zeit der Errichtung der Mietergärten angelegt, zahlreiche Brunnen jedoch erst im Jahr 2000. Damit sind sie auch nicht unter Denkmalschutz zu stellen.“ Auch in den ursprünglichen Plänen der Siedlung seien die Gärten nicht in der heutigen Form vorgesehen gewesen, sagt sie. „Die Hausgärten sind zur Eigenversorgung der Bewohner erst später entstanden, heute aber fester Bestandteil der Siedlung und unbestritten grüne Oase für viele Anwohner“, stellt sie fest.

Dies bestätigt auf Nachfrage auch Eckhart W. Peters, ehemaliger Leiter des Stadtplanungsamtes und Mitautor des kürzlich erschienenen Buches „Bausteine der Magdeburger Moderne. Eine Stadt blüht auf“ über die Bauhaus-Zeit: „In keiner Publikation sind die Gärten als Bestandteil der Pläne zu erkennen.“

Ursprünglich seien die Brunnen als Teil der Trinkwassernotversorgung vorgesehen gewesen und wurden deshalb regelmäßig instand gehalten und bewirtschaftet. „Die kostenlose Bereitstellung der Pumpen und die Nutzung der Brunnen war somit ein positiver Effekt für alle Gartennutzer“, sagt Kerstin Willenius.

Pacht deckt nicht Kosten

Nun müssen einige Brunnen aber aufgrund der geplanten Fernwärmetrasse aufgegeben werden. Außerdem sind viele Pumpen verschlissen und die Instandhaltungskosten steigen immer weiter, führt sie an. Die geringe Gartenpacht decke diese Kosten nicht. Deshalb und weil es keine rechtliche Pflicht dafür gibt, habe man entschieden, die Pumpen nicht wieder anzubringen.

Die Wobau hat aber bereits mehrere Anfragen von Gartennutzern erhalten, die die Brunnen weiter nutzen und sie eigenverantwortlich bewirtschaften wollen. Nach Rücksprache mit der Unteren Wasserbehörde und rechtlicher Prüfung im eigenen Haus gibt es nun eine Lösung, erklärt Kerstin Willenius.

Gartennutzer können Pumpen übernehmen

„Nach Bedarfsmeldung können die vorhandenen, noch nutzbaren Pumpen in die eigenverantwortliche Bewirtschaftung der Gartennutzer übergeben werden“, erklärt sie. Damit entstehen künftig aus dem Betrieb der Pumpen keine laufenden Kosten für die Wobau mehr. Interessierte Gartenpächter sollen sich in der Geschäftsstelle in der Flechtinger Straße melden.