Magdeburg l „Magdeburg ist ein weißes Blatt, das wir wunderschön beschreiben können“, sagt Magdeburgs Tourismus- chefin Sandra Yvonne Stieger. Und wenn es um das Beschreiben geht, haben die Tourismus-Experten der Stadt offenbar ein gutes Händchen. Denn im Jahr 2015 sind die Besucherzahlen erneut gestiegen. Mehr als 300.000 Ankünfte und 608.748 Übernachtungen waren zu verzeichnen. Ein Allzeithoch, wie Beigeordneter Holger Platz in einer Informationsvorlage für den Ausschuss für Wirtschaftsförderung, Tourismus und regionale Zusammenarbeit beschreibt.

Werbung in alten Ländern

„Es zahlt sich aus, dass wir ein vernünftiges Konzept haben“, begründet Sandra Yvonne Stieger als Chefin der Magdeburg Marketing Kongress und Tourismus GmbH den Anstieg. Im Inland wirbt die Stadt vorrangig in den alten Bundesländern, in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zum Beispiel. In den neuen Bundesländern dagegen gebe es kaum Anreize nach Magdeburg zu fahren. Beim Städteranking der beliebtesten Reiseziele im Inland schafft Magdeburg einen guten 45.  Platz. Im Ranking der ausländischen Besucher schafft die Stadt es allerdings nicht unter die beliebtesten 80 Reiseziele – im Gegensatz zu anderen ostdeutschen Städten wie Potsdam, Dresden, Leipzig oder Rostock. „Das sind aber alles Städte, in denen schon der German Travel Mart stattgefunden hat“, gibt Stieger zu bedenken. In diesem Jahr fand die Messe, bei der Tourismus-Experten aus aller Welt nach Magdeburg kamen, in der Landeshauptstadt statt. „Und wir hoffen, dass wir davon in den nächsten Jahren profitieren können und dass hier ein Knoten geplatzt ist“, sagt Stieger.

Positive Reaktionen jedenfalls habe es genügend gegeben. Eine Reisegruppe aus den USA etwa habe sich entschieden, den ursprünglich geplanten Besuch in Berlin abzusagen, berichtet Sandra Yvonne Stieger. Andere wiederum schwärmten von der Offenheit und Freundlichkeit der Magdeburger, die beim Einkauf ein besonders schönes Lächeln schenkten oder in Straßenbahnen Geld und Fahrscheine hin- und herreichten, weil kein Durchkommen mehr zum Automaten war. „Wir haben uns als freundliche, weltoffene Stadt präsentiert“, zieht Stieger ihr Resümee. Im Sachsen-Anhalt-Vergleich liegt die Zahl ausländischer Touristen bereits über dem Durchschnitt. Im Deutschlandvergleich dagegen hat die Stadt noch aufzuholen.

Die ausländischen Touristen kommen vor allem aus den Niederlanden, aus Polen und aus Dänemark. Die Zahl chinesischer Gäste ist dagegen wieder leicht gesunken. Doch hier gebe es nicht nur wirtschaftliche, sondern auch touristische Bemühungen um den Schulterschluss. Denn Werbung sei nicht nur die klassische Anzeige in der Zeitung oder dem Internet. Die Magdeburger Tourismusexperten seien auch auf zahlreichen Messen sowohl für die Tourismusbranche als auch für Endverbraucher vertreten, um die Ottostadt bekanntzumachen.

Das Tourismus-Konzept basiert auf vier Säulen: Den Sehenswürdigkeiten, dem Aktivtourismus, den Familienangeboten sowie den Shopping- und kulinarischen Angeboten. Gerade in den beiden letztgenannten Bereichen sieht Sandra Yvonne Stieger noch großes Potenzial, das in den nächsten Jahren noch genutzt werden kann.

Studie startet im Juli

Um besser zu wissen, warum Touristen nach Magdeburg kommen und wie sie agieren, wollen die Tourismusexperten gemeinsam mit dem Amt für Statistik der Landeshauptstadt eine Studie auflegen, bei der Touristen befragt werden sollen. Die Daten sollen von Juli 2016 bis Dezember 2017 erhoben werden. Ob es bereits vor dem Ablauf dieser Zeit aussagekräftige Ergebnisse geben wird, hänge von der Anzahl der Teilnehmer ab. Denn erst ab einer gewissen Stichprobengröße werden die Zahlen repräsentativ. Sicher werden die ersten ausgefüllten Bögen jedoch mit Interesse gelesen werden und erste Ansatzpunkte, was man ändern oder verbessern kann, schon Berücksichtigung finden, kündigte Stieger an.

Und was fehlt der Landeshauptstadt noch aus ihrer Sicht? Einen wirklichen Kritikpunkt nennt sie nicht. Doch das Busleitsystem sei ausbaufähig, das sogenannte Landingkonzept, wie sie sagt. Zwar gebe es bereits ein Busleitsystem, doch dieses könne noch verbessert werden. „Da sind wir aber in Gesprächen mit der Stadt und dem Stadtplanungsamt“, berichtet sie. Denn Magdeburg sei die Wiege der deutschen Geschichte. Da sollten die Touristen sie auch erreichen können.