Magdeburg l Die Landeshauptstadt Magdeburg sucht nun offiziell einen neuen Chef für die derzeit wichtigste kommunale Baustelle, den Tunnelbau am Bahnhof. Bis zum 10. März können sich Interessierte über ein Online-Portal der Verwaltung für den Chefposten für die Steuerung des Millionenbaus bewerben.

Bauleiter warf die Brocken hin

Die Neubesetzung der Stelle ist notwendig, weil im Dezember überraschend der gerade erst neue eingestellte Bauleiter Christian Fuß die Brocken hingeworfen hatte. Aus dem Krankenstand heraus soll Fuß der Stadt mitgeteilt haben, dass er seinen Vertrag nicht erfüllen werde. Fuß befand sich zu diesem Zeitpunkt noch in der Probezeit und konnte ohne Angaben von Gründen zurücktreten. Er hatte am 1. September 2017 seine Stelle angetreten.

Gründe bleiben im Dunkeln

Zuvor war die Baustelle von einem Verwaltungsmitarbeiter geführt worden. Eine offizielle Verlautbarung zu den Gründen für den Rückzug von Christian Fuß hatte es weder von ihm noch von der Verwaltung gegeben. OB Lutz Trümper (SPD) hatte gegenüber der Volksstimme erklärt, dass es mit dem Bauleiter "keine Probleme" gegeben habe. Fuß selbst reagierte auf Anfragen der Volksstimme nicht.

Stadt verspricht Gestaltungsspielraum

Trümper hatte Anfang Januar angekündigt, zunächst intern nach einer Neubesetzung zu suchen. Dabei sollten auch Bewerber angesprochen werden, die bei der letzten Ausschreibung nicht zum Zuge gekommen waren, aber dennoch gute Voraussetzungen mitgebracht hätten, so Trümper damals. In der aktuellen Ausschreibung erwartet die Verwaltung nun von den Bewerbern unter anderen die Übernahme der "Projektsteuerung, die Sicherung des Informationsflusses und die Kontrolle des Projektes", heißt es in dem Ausschreibungstext weiter. Dazu komme die Zusammenarbeit mit den Fachämtern, die technische und kaufmännische Analyse und die regelmäßige Information des OB und der Ratsmitglieder.

7000 Euro brutto monatlich

Erwartet werden von der Verwaltung weiterhin ein Hochschulstudium mit dem Schwerpunkt Projektmanagement, mehrjährige einschlägige Erfahrung und Befähigung zur Mitarbeiterführung. Im Gegenzug biete die Landeshauptstadt "Gestaltungsspielraum" und eine Entlohnung nach Entgeltgruppe 15 des Öffentlichen Dienstes. Angesichts der Verantwortung dürfte das Gehalt bei einer Summe ab ca. 7000 Euro brutto monatlich liegen. Zudem ist die Stelle unbefristet und soll auch die Steuerung weiterer Großbauvorhaben wie den verlängerten Brückenbau über die Elbe beeinhalten.

Tunnel dauert länger und wird teurer

Der Tunnelbau am Bahnhof mit einem Investitionsvolumen von aktuell knapp 140 Millionen Euro ist eines der großen Bauvorhaben der Stadtverwaltung seit 1990. Der Tunnelbau war notwendig geworden, weil die Bahn die maroden Eisenbahnbrücken über die Reuterallee sanieren muss, um den Bahnverkehr aufrechterhalten zu können. Die Stadt entschloss sich daraufhin, den Straßenzustand unter der Brücken zu verändern.

Kostenstreit dauert an

Auf der Straßenebene fährt künftig die Straßenbahn. Im Tunnel darunter verkehren getrennt die Autos. Wegen zahlreicher Klagen und Einsprüche war das Projekt um Jahre verspätet gestartet worden. Allein der Zeitverzug hatte schon für eine Verteuerung des Baus gesorgt. 2017 kam noch der nicht entschiedene Streit über die Dicke von Tunnelpfählen dazu. Auch hier sorgen Nachbesserungen für deutliche Mehrkosten. Ein Verfahren dazu, wer die Kosten bezahlt, ist noch offen. Der Tunnel soll nun 2019 fertiggestellt werden. Ende dieses Jahres sollen die zunächst wieder Bahnen unter den Brücken fahren.