Magdeburg l Die Corona-Krise hat auch die Blutbank im Uni-Klinikum an der Leipziger Straße eingeholt. „Wir sind jetzt wieder im eigentlich normalen ,schlechten Zustand‘ angekommen“, sagt Silke Schulze, Pressesprecherin der Uni-Blutbank. „Schlechter Zustand“ meint, dass es immer schwierig ist, ausreichend Blutspender zu finden. Im vergangenen März/April sah das vorübergehend anders aus. Viele Menschen hatten, ausgelöst durch die Corona-Krise, Kurzarbeit und somit Zeit, um Blut spenden zu gehen. Die Spendenfreudigkeit stieg sprunghaft an. „Das ist jetzt wieder vorbei“, sagt Silke Schulze. Und es sei noch schwieriger geworden. „Fast alle unsere Außerhaus-Spendenaktionen sind weggefallen. Normalerweise haben wir pro Monat vier bis fünf solcher Termine organisiert.“ Außer Haus bedeutet, die Uni-Blutbank stellt ihre Blutspende-Technik in Unternehmen, Berufsbildenden Schulen, in der Uni oder der Hochschule auf und lässt dort die Freiwilligen zur Ader. „Aber in Zeiten von Homeoffice und Abstandsregelungen ist das nicht mehr möglich. In den Unternehmen fehlen schlicht die Leute“, so Silke Schulze. Die meisten dieser Termine – geplant waren bis jetzt elf – wurden darum abgesagt. Dadurch gehen der Uni-Blutbank in diesem Jahr rund 1000 Spenden verloren, denn man rechnet nicht damit, dass sich die Situation bis zum Ende des Jahres noch ändern wird.

Das zweite Problem ist die Erreichbarkeit der Blutbank auf dem Campus der Uni-Klinik. Jeder, der das Gelände betreten will, muss sich einer Befragung und einer Messung der Körpertemperatur unterziehen. Einfach zur Uni-Blutbank gehen, geht nicht mehr, das Klinikgelände ist entsprechen gesichert. „Und bei uns in der Blutbank wiederholen sich die strengen Einlasskontrollen. Das kostet Zeit“, sagt Silke Schulze, die aber alle Spendenwilligen bittet, sich davon nicht abschrecken zu lassen. „Es kostet etwas mehr Zeit, aber wir brauchen - wie immer - dringend jede Spende.“

Zukäufe werden immer schwieriger

Als drittes Problem tut sich immer mehr jenes der Beschaffung von Blutspenden auf. „Die Uni-Blutbank sorgt nicht für eine hundertprozentige Versorgung der Uni-Klinik mit Blutkonserven, es muss dazugekauft werden, und das wird immer schwieriger und aufwendiger“, erklärt Silke Schulze. Der Grund ist die akute Verknappung von Blutkonserven besonders in den östlichen Bundesländern. So meldete der DRK-Blutspendedienst Sachsen-Anhalt in der vergangenen Woche, dass im Land zurzeit nur rund 5000 Blutkonserven vorrätig seien, in normalen Zeiten seien es 15 000 Konserven. In Sachsen, Brandenburg und Berlin sei die Situation noch dramatischer. Dort reichten die zur Verfügung stehenden Konserven nicht einmal für die Deckung des Bedarfs eines normalen Tages aus. „Für uns bedeutet das, dass wir viel mehr herumtelefonieren müssen, um Blutkonserven zu beschaffen, weil sie überall Mangelware sind“, sagt Silke Schulze. Das Uni-Klinikum benötigt pro Jahr rund 15 000 Blutkonserven.

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Allerdings könne noch nicht von einer dramatischen Notlage gesprochen werden, so der DRK-Blutspendedienst. Dem stimmen auch Silke Schulze und die Uni-Blutbank zu. Niemand müsse Angst haben, dass überlebensnotwendige Maßnahmen wegen Blutkonserven-mangels nicht mehr möglich seien. Aber die Kliniken und somit auch das Uni-Klinikum müssen sehr genau mit den zur Verfügung stehenden Blutkonserven haushalten und Operationen, die nicht dringend notwendig sind, unter Umständen verschieben.

Für die Mitarbeiter der Magdeburger Uni-Blutbank hat sich der tägliche Arbeitsablauf zwar auch verändert, aber man bemühe sich wie immer, den Spendern das Spenden so angenehm wie möglich zu machen. „Was wir leider nicht mehr machen können, sind die obligatorischen Gruppenfotos von organisierten Spendergruppen, etwa von Feuerwehren, Sportvereinen oder Unternehmen. Bei einer Abstandspflicht von 1,50 Metern sind unsere Räume schlicht zu klein dafür“, lächelt Silke Schulze.